Mutter ISAs Schöpfungsgeschichte

von Monica Kraemer, November 2014

 
Zunächst waren es nur zwei kleine Blasen im eisigen Meer,
sie wollten sich finden, und irrten umher.
Wo bist Du Geliebter? Verbinde Dich mit mir!
Ich bin hier unten, doch ich kann nicht hoch zu Dir!

Die Frau verzweifelte fast an ihrem Held.
Was sucht der am anderen Ende der Welt?
„Ich lerne noch fliegen!“ rutschte es ihr verärgert heraus.
Aber zu spät, denn gerade dieser eine Satz erschallte im ganzen Haus.

Und so begann für sie die Zeit des vertieften Lernens,
des Studieren, Verstehen und des Lehrens.
Sie kämpfte sich durch die ganze, verdammte Materie,
und praktische Erfahrung sammelte sie in einer unendlichen Serie.

Bis sie erkannte, dass die Gesetze der Energie,
nichts anderes sind, als die Welt der Magie.
Danach war alles im Grunde ganz leicht,
erst schwebte sie, dann drehte sie sich im Kreis.

Jetzt brauchte sie nur noch richtig zu tanken,
dann hob sie ab ohne zu schwanken.
Und urplötzlich durchdrang sie den eisigen Bann,
der verhinderte, dass sie bekam den verlorenen Mann.
Adam und Eva
Die Geschichte beginnt mit Adam und Eva und ist jedem bereits bestens bekannt. Doch trotz aller Berühmtheit, stellt sich doch nach wie vor die eine, große Frage: „Was haben die Beiden eigentlich so Schlimmes verbrochen, dass sie von Gott aus dem Paradies geworfen wurden?“
Aus einer wunderbaren Welt in der alles stimmte, wo die Milch und der Honig flossen, wo Birnen, Pflaumen und Äpfel gedeihen, und die Geschöpfe Gottes glücklich und zufrieden seien.
Ein Land, welches weder verwüstet und unfruchtbar war, noch das es durch entsetzliche Plagen misshandelt wurde. Ein Paradies, oder einfach eine wunderschöne Gegend, die ich mir durchaus vorstellen kann, wenn ich aus meinem Fenster schaue.

Nun, und nur weil sie einen der vielen Äpfel des Garten Eden gegessen haben, deswegen sollen die Beiden dort herraus geschmissen worden sein? Das klingt, ehrlich gesagt, nicht sehr überzeugend.
Welche Sünde haben die Beiden also tatsächlich begannen? Eine Sünde, die so unverzeihlich war, dass die Strafe nicht nur sie selbst betraf, sondern ihre Schuld sogar auf alle ihre Nachkommen übertragen wurde, und dies in alle Ewigkeit?
Was ist das für eine grausame Strafe? Wie viel Schlechtes muss man getan haben, um so hart verurteilt zu werden? Und vor allen Dingen, wenn man dazu noch bedenkt, wer diese Verdammung verhängt hat! Kein König, keine Hexe, nein, Gott persönlich soll es gewesen sein!
So ein hartes, gnadenloses Urteil? Und dann auch noch überlebenslänglich. Puh, das ist schon etwas sehr Außergewöhnliches. Ein einfacher Mord war daher ganz bestimmt nicht die Ursache.
Das heißt, Adam und Eva müssen etwas ganz Schlimmes verbrochen haben. Ein absolut unverzeihliches Verbrechen.
Hm … und diese Verbrecher, so sagt es die Bibel, sollen unser aller Vorfahren sein? Aller Menschen auf diesem Planeten. Deine und meine Ahnen. Von jedem von uns. Und wir alle tragen immer noch mit an der Schuld? Sippenhaft für alle?

Also, das glaube ich einfach nicht. Es spricht schlicht gegen meine persönlichen Erfahrungen und auch gegen meinen gesunden Menschenverstand.
Ich denke: Dieser Fluch mag sich ja tatsächlich auf die Nachkommen der zwei Beiden ausdehnt haben, aber glücklicherweise gab es ja auch noch ein paar andere Bewohner im Paradies, die sich nichts derartiges hatten zu Schulden kommen lassen. Das hätten Adam und Eva vielleicht in ihrem Frust gerne gehabt, das wir alle mit haften, so nach dem Motto, wenn WIR im Paradies kein Wohnrecht mehr genießen, dann soll auch kein anderer mehr in den Genuss kommen.

Und tatsächlich, was haben die Nachkommen von Adam und Eva gemacht? Sie haben allen anderen versucht einzureden, dass es nicht nur für sie zwei, sondern dass für alle das Paradies verloren ist. Und später haben sie sogar noch eins drauf gesetzt und behauptet, das allein sie, die einzigen Auserwählten sind, die ins wahre Himmelreich kommen. Und nicht nur das, sie bekommen dieses sogar noch zu Lebzeiten in Form eines eigenen Königreiches hier auf Erden. Das hätte ihnen ihr Gott versprochen, sagten sie.
Nur, irgendwie scheint da ein tiefes Missverständnis vorzuliegen. Denn, die selbst ernannten Auserwählten haben auch heute noch kein eigenes Land. Geschweige denn einen König. Oder hat schon mal jemand in eine der bunten Wartezimmerzeitschriften etwas von einem jüdischen Königssohn gehört, der vielleicht gerade eine besondere militärische Ausbildung macht oder bei einer der großen Banken ein Volontariat absolviert?
Aber einen Begriff haben sie für diesen Posten schon mal reserviert. Messias. Ein königlichen Herrscher nennt sich bei ihnen Messias. Und auf den warten sie. Mindestens seit 2000 Jahren schon. Denn, den letzten bekannten Anwärter auf diesen Thron haben sie ja dummer Weise umbringen lassen. Es selbst zu tun, dazu waren sie am Ende dann doch zu feige.
Die eigenen Königssöhne zu beseitigen, das war an sich nichts Ungewöhnliches zu jener Zeit. Das kam wirklich in den besten Familien vor. Ich nehme an, dass die Tatsache, dass es in unseren Tagen nur noch so wenige Königsmorde gibt, das liegt an der bequemen Lage dieser Königskinder. Was soviel heißt, wie: Die machen sich alle die Finger nicht mehr unnötig dreckig, stecken sie doch schließlich alle unter derselben Decke.
Oder aber, vielleicht ist es ja auch so: Nicht in jedem Land mag ein Mensch ein König sein. Manches Land würde selbst ich noch nicht einmal besuchen wollen, noch nicht einmal als König, geschweige denn als Messias. Es gibt Länder, die sind mir schlicht zu unsympathisch.

Aber mal ganz im Ernst: Da wartet ein auserwähltes Volk auf einen König, und keiner meldet sich freiwillig. Ob das daran liegt, das dem Letzten, der sich auf ihr Jammern und Klagen hin meldete, der Übermut nicht gut bekommen ist? So etwas spricht sich schließlich unter einer feudalen Decke schnell herum. Und wie gesagt, auf einer eigenen Jacht, da sonnt es sich so schön. Warum sich also auf einen elektrischen Stuhl, und sei er noch so prachtvoll, den Allerwertesten verbrennen?
Denn damit muss ein jeder Messias schon rechnen. Wer sich heute rühmen würde, dem Haus Davids zu entstammen und damit ein Anrecht auf die seit Jahrtausenden unbesetzte Stelle geltend machen würde, der würde nicht als der ersehnte Messias begrüßt, sondern vom allgegenwärtigen Mossad in Empfang genommen werden. Das sind nun mal die Realitäten, mit denen sich die Nachkommen auseinander setzen müssen.
Und wenn wir uns diese Realitäten noch etwas genauer anschauen, dann befinden wir uns plötzlich in dem größten Krimi der gesamten Menschheitsgeschichte.

Die Schäferkönige

 

Die berüchtigten Schäferkönige, bezeichnen eine 100-jährige, grauenvolle Gewaltherrschaft durch die Hyksos in der Zeit vor Thutmosis III., also vor ca. 3500 Jahren oder 1500 Jahre vor Christus.
Pharao Thutmosis I. war ein großer Feldherr und weiser Führer, der sein zerstörtes und gepeinigtes Land einigte, stärkte und wieder aufblühen lies. Eine große kulturelle Blütezeit brach mit der 18. Dynastie für das ägyptische Volk an. Die Hyksos waren vertrieben und das Leben wurde zwar nicht paradiesisch, aber zumindest wieder liebenswert.
Der letzte Schäferkönig floh mit seinen Leuten in den Norden. Doch dort war das Land entweder wüst und leer, oder schon durch andere besetzt. Was sollten die Vertriebenen also tun?
Die Leute hatten ein ernstes Problem, denn: Wie baut man eine Stadt in den Sand, wenn man nichts anderes gelernt hat als Schafe zu hüten und andere übers Ohr zu hauen? Die Hyksos waren nun mal Nomaden und daher schlicht und ergreifend zu ungebildet für ein kulturelles Leben.
Ihre Lebensart bedeutete: Morden, Plündern, Vergewaltigen, Ausbeuten … doch damit erschafft man nun mal keine Stadt, und so regiert man auf Dauer auch kein Land. Es funktioniert einfach nicht. Bildung, Wissen, Erfahrung, das alles sind kulturelle Werte, die sich nur in einem friedlichen Gemeinwesen entwickeln und nicht auf dem Schlachtfeld und auch nicht auf der Weide.

In Kanaan trafen sich also nach dem Desaster in Ägypten mehrere Clans dieser ehemaligen Nomaden und beratschlagten, wie es in der Zukunft mit ihnen weiter gehen solle. Einfache Schäfer wollten sie nicht mehr sein, der Krieg und die Plünderei hatte sie nicht nur von ihrem ursprünglichen Lebensstil entfremdet, nein, sie hatten die Annehmlichkeiten einer hochstehenden Kultur durchaus auch als etwas Erstrebenswertes erkannt.
Fließend warmes Wasser, künstliche Badeseen, Essen in Hülle und Fülle, auf silbernen Tellern von halbnackten Sklaven ans gemachte Bett getragen … all dies hatten sie in den von ihnen besetzten Palästen der Ägypter kennengelernt. Und so wollten sie von nun an und in alle Zukunft leben.
Nur, wer sollte die dazu notwendige Arbeit tun? Sie wussten weder, wie man einen Acker bearbeitet noch wie man ein ordentliches Handwerk ausübt. Und lernen wollten sie so etwas auch nicht.
Sie wollten ein Paradies auf Erden. Eines, in dem sie die alleinigen Herrschenden waren. Einen Ort, an dem ihnen die gebratenen Tauben ins Maul fielen und schöne Frauen ihnen furchtsam zu Diensten sind. Und das alles am Besten ohne einen einzigen Finger krumm zu machen.

Die Hyksos, welche in Ägypten dabei gewesen waren, erzählten den anderen im Norden von ihrer herrlichen Zeit am Nil und alle bedauerten das unrühmliche Ende der Schäferkönige.
An eine Rückkehr war zunächst nicht mehr zu denken. Thutmosis I. war ein starker Pharao und hätte mit ihnen sicherlich kurzen Prozess gemacht, wenn sie es gewagt hätten, das große Reich auch nur mit ihrer Stifelspitze zu betreten.
In Kanaan wurde es allerdings auch zunehmend ungemütlicher für sie. Man duldete sie notgedrungen aber vielleicht auch aus tief empfundener Gastfreundschaft heraus, doch dauerhafte Nachbarschaft, nein Danke!
Und darum wollte ihnen auch keiner ein Stückchen Land verkaufen oder Töchter an ihre Söhne vergeben.
Hinzu kam, dass das Land nur wenig Ertrag abgab und eine lang anhaltende Dürre eine Hungersnot unter der Bevölkerung auslöste.
Sie mussten also weiterziehen, wenn sie nicht verhungern wollten. Die Frage war nur: Wohin?
Zu den Persern vielleicht? Einige unter ihnen waren schon mal da gewesen und wussten von blühenden Landschaften mitten in der Wüste zu erzählen. Die Perser hatten nämlich ein sehr pfiffiges Konzept entwickelt, wie man das Wasser aus den Bergen bis hinunter in die trockene Ebene leitete. Sie legten große Terrassen an und bepflanzten diese fruchtbaren Felder mit allem, was unter der Sonne gedieh. Sie pflegten die Künste und das Handwerk, entdeckten immer bessere Heilmittel, knüpften herrliche Teppiche und trieben regen Handel mit anderen Völkern. Bis weit in den Norden und Osten führten ihre Handelswege. Die lange Seidenstraße steht noch heute beispielhaft für ihre erfolgreiches Gemeinwesen.
Doch die Perser waren ein starkes und mächtiges Volk und eine brutale Unterwerfung, wie sie erst 100 Jahre zuvor in Ägypten gelungen war, die lag für den versprengten und sich nun erst wieder sammelnden Haufen zu dieser Zeit nicht im Bereich des Möglichen. Ganz davon abgesehen hatte sich ihr unsympathisches Auftreten herumgesprochen, so dass ein überraschender Überfall, und das war nun mal ihre bisherige Taktik gewesen, nicht mehr so einfach durchzuführen war. Wie schon gesagt: Diese Leute hatten ein echtes Problem.

Eines Tages, sie saßen wieder einmal bei einem ihrer endlosen Palaver in einem ihrer großen Zelte, da hörten sie von einem Mann namens Abraham. Er war mit seiner Frau und einigen wenigen Anverwandten gerade im Land Kanaan angekommen. Sonderbares wusste man über ihn zu berichten, und obwohl niemand so recht wusste, wo er herkam, so erkannten sie ihn doch als einen der Ihren. Sein Aussehen, sein Gebaren, seine Sprache, einfach in allem war der semitische Nomade als sein Vorfahre zu erkennen.
Ein alter Mann, der sich besonders gut in der Vorgeschichte ihres Volkes aus kannte vermutete, das er ein Nachfahre ihres ehemals nach Norden gewanderten Volksteiles angehörte. Denn, viele Jahre sollte es her gewesen sein, da hatte sich ihr Urstamm am Ufer des Mittelmeeres geteilt. Der größte Teil zog in den Süden, ein kleiner Teil blieb wo er war und eine Gruppe, von einigen, wenigen Familien zogen in Richtung Norden, jeder auf seine Weise auf der Suche nach einem irdischen Königreich.

Nun, jedenfalls hatte man Abraham eingeladen an einem Palaver teilzunehmen und erwartete seine Ankunft mit großer Neugierde. Was wusste er über das Land im Norden zu berichten? Hatten seine Vorfahren eventuell ein eigenes Reich gegründet? Die Nomaden erfuhren auf ihrer Wanderschaft natürlich so einiges. Und über das Reich der Nordmänner hatte man wirklich Sagenhaftes vernommen. Riesen sollten dort das Land bewachen … man versicherte diese Wesen wären mindestens 3 Meter groß. Auch von den Frauen hörte man Unerhörtes. Zauberinnen sollten sie sein, die auf einem einfachen Stecken durch die Lüfte flogen, die manchmal unsichtbar und ein anderes mal vervielfältigt vor einem standen. Und schön sollten sie sein! Wunderschön.
Man war auf diesen Abraham also wirklich sehr gespannt.

 

Abraham und Sahra

Als Abraham endlich eintraf, da ging ein Raunen durch die Menge. Er war nicht unbedingt groß gewachsen, hatte aber ein stolzes Auftreten, er schien über Reichtümer zu verfügen, doch das Unglaublichste aber, das war seine Frau.
Sie war blond. Ihr Haar schimmerte in der untergehenden Sonne wie pures Gold, ihre Haut war glatt wie Seide und strahlte hell wie Silber.
Ihre Augen leuchteten wie blaue Edelsteine, ihr Mund war vollkommener als der edelste Rubin. Ihre Hände waren von makelloser Schönheit und ihr betragen einfach einwandfrei.
Die Frauen der Hyksos wurden bald grün vor Neid, als sie sahen, wie ihre Männer die Frau beeindruckt anstarrten.
Abraham musste ein großer Kämpfer sein, wenn er eine solch außergewöhnliche Frau als sein Eigentum besitzen konnte.

Und das war noch nicht alles. Ihre Kleider waren zutiefst erlesen und auch er selbst trug einen herrlichen über und über mit Perlen verzierten Mantel aus bunten Federn. In der Hand hielt er einen eisernen Stab und gemessenen Schrittes trat er auf den alten Mann, den Hüter des Wissens zu und verbeugte sich keinesfalls zu tief. Was für ein Monarch, was für ein großer Held! Man hatte wahrlich nicht zu viel versprochen. Dieser Mann kam ihnen wie gerufen. Er schien ein Führer zu sein, ein wahrer Patriarch.
Nicht jeder war natürlich so begeistert, schließlich hatte man selbst einen Rang zu verteidigen, aber Abraham machte es ihnen durch sein souveränes Auftreten leicht und bald schon lud man ihn ein, mit seinem Zelt und seinem Gefolge zu ihnen zu kommen um mit ihnen gemeinsam auf die Suche nach einem besseren Stück Land zu gehen.

Doch Abraham hatte andere Pläne. Er wollte nicht mehr mit Waffengewalt um ein armseliges Stück Acker streiten. Er war eher ein Mann der Diplomatie und des Handels, als ein blutiger Krieger. Er hatte im hohen Norden von dem Land der Pharaonen gehört, und da wollte er nun auch hin. Oh je, ausgerechnet nach Ägypten, da, wo sie sich doch gerade erst unmöglich gemacht hatten.

Macht Euch keine Sorgen darum, sprach Abraham, ich werde Euch die Türen wieder öffnen und dann werden wir die Macht auf unblutige Weise erringen. „Gebt mir nur ein paar junge Burschen mit, die erst nach der Zeit in Ägypten groß geworden sind, und die man dort nicht persönlich kennt,“ sagte er den Alten, „nach einiger Zeit werden diese jungen Männer Euch holen und ihr werdet glücklich und zufrieden sein.
Ja, aber, wir wollen nicht unter den Ägyptern leben, wir wollen die Herren im eigenen Land sein!
Das werdet ihr auch, mein Gott hat es mir versprochen.
Dein Gott? Welchen Gott betest Du denn an?
Den einzigen und wahren Gott. Den Einen, der über allen anderen steht. Betet ihn an, und ihr werdet bekommen, was ich Euch gesagt habe.
Wir haben aber unseren eigenen Gott, wir beten und opfern Baal. Wir können ihn nicht einfach ignorieren, fürchterliche Strafen und großes Unglück wären die Folge.
Mein Gott ist der einzig wahre Gott, und dem müsst ihr gehorchen, denn er ist eifersüchtig. Er will keine anderen Götter nehmen sich dulden.
Ph … dann zeige uns erst einmal die Größe Deines Gottes!

Jetzt hatte er sie da, wo er sie haben wollte. Schließlich war Zaubern nicht mehr nur eine Kunst, die die Frauen beherrschten. Nein, er wusste ebenfalls, wie man auf einem Stecken fliegt.
Er konnte sich vor den Augen der Menschen verwandeln und in Luft auflösen, ganz wie es ihm beliebte. Wenn er seinen eisernen Stab drehte oder auf eine bestimmte Weise zu Boden warf, dann verwandelte sich der Stock vor den Augen der Zuschauer in eine sich schlängelnde Schlange. Er war ein Meister seines Faches! Ein echtes Naturtalent. Das hatte er zum einen von seiner Mutter geerbt, und zum Anderen hatte er das schauspielerische Talent seines Vaters im Blut. Der Mantel war sein bestes Stück und natürlich auch das magische Wissen, welches in farbenfrohen Bildern für jedermann sichtbar und dennoch unsichtbar eingewebt worden war. Der Mantel war schon alt, sehr alt und darum waren auf ihm ganz besonders viel Erkenntnisse gespeichert. Leider hatte er keinen Zauberhut. Das war echt ein Jammer, aber, den hatten sie auf der Flucht zurücklassen müssen. Zu schwer und auch zu auffällig. Sie hatten nämlich nicht die ganze Reise in den Süden so entspannt erlebt, wie in diesen Tagen in Kanaan. Um es vielleicht noch richtiger zu formulieren: Eigentlich war dieser versprengte Nomaden-Haufen ihre letzte Rettung. Sie hatten sich unterwegs Feinde gemacht und gerade erst gestern waren sie noch mit einigem Dusel einer Katastrophe entkommen. Doch darüber sprachen sie lieber nicht, und auf Fragen bezüglich ihrer Herkunft antworteten sie oberflächlich und ausweichend.

Die Frau saß still etwas abseits und sagte gar nichts. Einem guten Beobachter wäre vielleicht aufgefallen, dass sie nicht wirklich glücklich aussah. Nur, hinter der Maske der perfekten Schönheit ist der Kummer selten sichtbar.
Aber sie war tatsächlich traurig. Unglücklich und sogar ziemlich verzweifelt. Ihr Mann hatte sich auf der Reise so sehr verändert, dass sie ihn nicht wieder zu erkennen vermochte. Er, ihr charmanter, wunderbarer und leuchtender Held hatte ein unglaubliches Sakrileg, ja, eine Todsünde begannen. Ein unendlicher Fluch lastete seither auf ihm, und er wusste das.
Und dennoch … sie hatte ihn zunächst wirklich geliebt. Wenn sie ihm nur nie den Mantel gezeigt hätte! Damit hatte das ganze Drama angefangen. In heimeligen Nächten hatte sie ihm Geschichten über diesen Mantel erzählt und welche Wunder er vollbringen kann … und eines Tages, er hatte nicht so direkt darum gebeten, aber nun ja, sie holte den Mantel für ihn hervor und zog ihn über ihren sündhaft schönen, nackten Körper.
Seither war alles nur noch schief gegangen. Keinen einzigen Tag hatte sie mehr Ruhe gefunden. Und diese Unruhe, die würde sie nun in alle Ewigkeit begleiten. Sie, ihren Kindern und Kindeskindern … und noch in Tausenden von Jahren würde das so weitergehen. Immer weiter, ohne Ende. Was sollte sie also tun? Jetzt, wo es für sie keine Rettung mehr gab? Ihr Blut war beschmutzt auf ewig. Es war schlichtweg zum verzweifeln. Doch das Schlimmste war, dass sie auf diesen Abraham so schrecklich dumm hereingefallen war. Ein Schönredner, ein Gauner, ein Betrüger, ein Dieb.
Hinzu kam dann noch, das er das Bett nun schon seit Monaten nicht mehr mit ihr teilte und jedem, der es hören wollte, sagte er, dass sie unfruchtbar sei und er sich demnächst eine neue Frau suchen wolle.
Und seither hingen die Frauen an seinem Hals, vor ihren Augen. Es war einfach nur demütigend. Erniedrigend. Schmutz. Ja, ihre Strafe hatte tatsächlich schon begonnen, während er immer noch, schön den Kopf gegen den Wind erhoben, das Zepter schwang, und mit seinen Tricks die Leute verzauberte. Es war schrecklich diesen Missbrauch des Wissens hilflos mit ansehen zu müssen.
Aber sie kam an ihre Sachen einfach nicht mehr heran. Und wenn es ihr doch gelungen wäre, was hätte es genutzt? Ihre Magie wirkte einfach nicht mehr. Verlacht hatte er sie, als sie es ein letztes Mal noch versuchte. Er hatte ihr einfach alles weg genommen. Und ihr blieb nichts mehr, als zu dem ganzen Schauspiel zu lächeln. Sie fühlte sich entsetzlich machtlos und hatte sich im Grunde schon völlig aufgegeben.
Wenn sogar die Große Mutter sie nicht mehr wollte, ja, ihr eigener Mann sie noch nicht einmal mehr als Frau begehrte, was sollte sie dann noch auf Erden? Sie dachte mehr als einmal an Selbstmord, nur was nützte der, wenn es für sie kein Himmelreich mehr gab?
Aber diese Gedanken konnte keiner der Anwesenden erahnen und so hielt man sie für schön, aber auch eine Spur zu arrogant.
Doch es sollte noch Schlimmer kommen.

Sie waren seit einigen Tagen mit ihrem Zelt auf den gemeinsamen Platz gezogen, da verlangte Abraham, sie und seine neue Geliebte, eine Sklavin namens Hagar, sollten die Zelte wieder einzupacken um weiter in den Süden zu ziehen. Ihre Habseligkeiten wurde in Teppiche gerollt oder in Körbe verstaut und dann auf Esel gebunden. Sie mussten zu Fuß gehen und nur selten sprach sie jemand an. Auch hier wusste man nun, sie war eine Unfruchtbare und außerdem so ganz anders als dieses Nomaden-Volk. Und, obwohl sie nun schon so lange mit Abraham durch die Länder zog, sie konnte und wollte sich an dieses getriebene Leben nicht gewöhnen. Sie verfiel zu sehens der Schwermut und das Laufen fiel ihr immer schwerer.
Die Wochen verstrichen, denn sie kamen nur langsam voran. Irgendwann erreichten sie jedoch endlich den Nil und sie nahmen ein Boot, welches sie bis vor die Tore der großen Stadt des Pharaos brachte. Den Leuten an Land erzählten sie, sie wären Hebräer und wollten Handel treiben. Als sie in die Stadt kamen kamen, nahm ihr Mann sie plötzlich zur Seite und meinte:“Du, höre, ich werde Dich hier lieber als meine Schwester ausgeben, ich befürchte wegen Dir in Schwierigkeiten zu kommen.“

Bin ich es nicht mehr wert, als Deine Frau Deinen Schutz erwarten zu können?
Ich werde Dich schützen, aber nicht als meine Frau. Als Schwester, meine Liebe, wirst Du mir viel wertvoller sein.

Und so kam, was kommen musste. Ein Händler kam vorbei, warf einen Blick auf ihr Haar und schon bald waren der Mann und Abraham sich über den Kaufpreis einig. Abraham hatte sie an den Harem des Pharao verkauft, ohne auch nur mit einer einzigen Wimper zu zucken.
Fassungslos ließ sie sich abführen und ehe sie auch nur ein Wort des Protestes äußern konnte, schlossen sich hinter ihr die großen goldenen Tore des Palastes von Thutmosis I.

 

Thutmosis und Sarai

Thutmosis I. war begeistert, als man sie zu ihm brachte. Eine blonde Frau! Eine Haut aus Silber, Augen wie das Meer und Lippen so rot wie Blut. Eine nordische Prinzessin, ohne Frage! Ein wahres Königskind! Seine Königin. Sahra, die von nun an Sarai genannt wurde, wurde gehegt und umsorgt, das es einfach nicht zu beschreiben war. Ihre Füße steckten in seidenen Pantoffeln, ihr weißes Kleid war über und über mit Gold und Silber bestickt, fleißige und geschickte Hände flochten ihr Haar zu einem herrlichen Kunstwerk. Jeder Finger trug einen Ring, ihr Gesicht wurde gesalbt wie ihr ganzer Körper. Der Alptraum mit Abraham verwandelte sich urplötzlich in ein Märchen aus Tausend und einer Nacht.
Und so viele Nächte verbrachte sie auch bei ihm. Und das sie als unfruchtbar galt, das war für alle Beteiligten diesmal nur von Vorteil, denn eine Nachkommenschaft mit einer ausländischen Prinzessin, das hätte bei den strengen Amun-Priestern und Hofbeamten nur Unruhe verbreitet. Sie war schön, ja, aber sie war nun mal als Schwester eines hebräischen Händlers vorgestellt worden, und die waren einfach nicht gut gelitten in Ägypten, schienen sie doch zu eng mit den verhassten Hyksos verbandelt zu sein. Jedenfalls hatten das einige der ausgeschickten Kundschafter zu berichten gewusst.

Wie dem auch sei, Thutmosis und Sarai hatte eine schöne gemeinsame Zeit und Sara begann sich immer mehr als Sarai zu fühlen und bald schon war ihr das Gesicht Abrahams nur noch eine farblose Erinnerung.
Eines Tages, sie wollte gerade ein Bad nehmen, da wurde ihr jedoch plötzlich schwindelig und sie musste sich übergeben. Schnell waren neu gewonnene Freundinnen an ihrer Seite und man rief nach der Heilerin.
Diese Frau war eine berühmte Hebamme und kannte sich in allen Fragen der Medizin hervorragend aus. Sie kam an das Bett der, wie ermattet daliegenden Prinzessin, und sagte: „Du bist schwanger!“
Oh je, sie hatte es insgeheim schon befürchtet! Und so schnell, wie der Traum begonnen hatte, so schnell war er jetzt auch wieder beendet. Denn neben der Tatsache, das Sarai schwanger war, und damit tatsächlich eine Ausländerin ein Kind von pharaonischem Blut bekommen würde, was für sich genommen noch nicht ganz so tragisch gewesen wäre, schließlich gab es ja immer noch die Möglichkeit der Kindstötung, nein, schlimmer war die Meldung eines Kundschafters, der glaubwürdigste Berichte darüber abliefern konnte, das Sarai nicht die Schwester, was auf Grund ihres Aussehens sowieso jeder insgeheim bezweifelt hatte, sondern die Ehefrau des Hebräers war.

Der Pharao ließ darauf hin Abraham zu sich rufen und seinem Ärger freien Lauf. Lügner, Betrüger … fehlende Ehre, widerlicher Charakter! Wie kann man nur seine eigene Frau als Schwester verkaufen! Und dann auch noch an den Pharao! Welche infame Dreistigkeit! Thutmosis I. war über dieses Verhalten tatsächlich tief empört und so sehr er Sarai auch lieben gelernt hatte, sie musste den Palast umgehend verlassen! Mit dieser Schande war nicht weiter zu leben, sie wäre im Harem nicht einen Tag mehr ihres Lebens sicher gewesen.
Er gab ihr all das Gold und die Edelsteine, die sie an ihrem Hochzeitstage getragen hatte, legte noch einmal soviel Gold darauf und verabschiedete sich in großer Traurigkeit von ihr. Sie trug ein Kind von ihm, und so wie sie ihm dauerte, so dauerte ihn auch das Kind. Er gab ihr einen kleinen Anhänger mit und bat sie, dieses Zeichen für ihren Sohn zu verwahren.

Dann kam Abraham, nahm seine Frau in Empfang und sie verließen gemeinsam den Palast durch einen Nebenausgang und wieder einmal hatten sich die Hebräer bei den Ägyptern sehr unbeliebt gemacht.

 

Isaak

Isaak wuchs zu einem großen, kräftigen, gesunden Knaben heran, der folgsam und bescheiden, von freundlichem Wesen und höflichem Betragen war. Er machte seiner Mutter viel Freude und so ertrug Sarai, die jetzt wieder Sarah genannt wurde, die schwere Zeit. Hagar hatte in ihrer Abwesenheit ebenfalls einem Sohn das Leben geschenkt und nach dem Gesetz war ihr Sohn Ismael der erst geborene Sohn Abrahams.
Saras Sohn hingegen hatte eigentlich gar keine wirklichen Rechte, denn, das Isaak nicht Abrahams Sohn sein konnte, das war jedem klar, der rechnen konnte. Trotzdem hatte Abraham ihn als Sohn angenommen. Er ging sogar noch weiter und schickte Hagar mit Ismael in die Wüste, auf das sie dort verhungern und verdursten sollten. Seinem Neffen Lot, der Abraham darauf ansprach, bekam folgende Erklärung zu seiner Entscheidung:

Ein erst geborenes Pharaonenkind! Wer weiß, zu was dieser Besitz noch einmal gut sein wird!
Jetzt bist Du aber wirklich übergeschnappt! Der Junge wird niemals Pharao!
Er nicht, aber vielleicht einer seiner Nachkommen.
Du bist ein gerissener Hund! Jetzt sage bloß noch, das Du …
… mit dieser Absicht verkauft? Nein, damals hatte ich nicht daran gedacht. Ich brauchte einfach das Geld und das Angebot war absolut einmalig. Was glaubst Du denn, mit welchem Vieh wir unsere riesigen Herden begründet haben!
Hi, hi … die dumme Kuh … die Große Mutter unserer Herden!

Was Lot und Abraham nicht bemerkten, unter der Bank, auf der sie saßen, hockte ein kleiner Junge und lauschte dem Gespräch. Er hatte sich eine kleine Spielhöhle gebaut und war dort offensichtlich mal wieder eingeschlafen. Durch das Wort Pharaonenkind war er aufgewacht.
Abends, als seine Mutter ih zu Bett brachte fragte er sie, welche Kuh denn das Pharaonenkind geworfen hätte.

Kühe bekommen Kälber, mein Schatz, keine Kinder.
Onkel Lot hat aber gesagt, die dumme Kuh hätte ein Pharaonenkind geboren.
Höre nicht auf ihn, er ist kein kluger Mann.
Warum magst Du Onkel Lot nicht?
Weil er nicht gut ist. So, und jetzt wird nicht mehr weiter gefragt, jetzt wird geschlafen.
Ich verstehe aber trotzdem noch was nicht.
Ein anderes Mal, jetzt nicht.
Gut, Mama, aber versprich mir, mir mal das Kalb zu zeigen.
Welches Kalb?
Na, das Pharaonenkind.

Lot war tatsächlich ein ziemlich unangenehmer Geselle. Und als Sara das Zimmer, in dem Isaak schlief, verließ, überlegte sie, welche Folgen es für Isaak haben könnte, das Lot von Isaaks Herkunft wusste. Sie traute Lot nicht einen Meter über den Weg. Er war im Grunde die Schlange am Hals ihres Mannes. Sie war sich sicher, wäre Lot nicht gewesen, Abraham hätte sich niemals so sehr verändert.
Von Anfang an war ihr dieser Neffe unsympathisch gewesen und manches mal hatte sie sich gefragt, ob er überhaupt ein Mensch war. Falsch wie eine Schlange und niederträchtig. Ganz bestimmt war es Lot, der Abraham dazu verleitet hatte, den Mantel an sich zu nehmen. Den Mantel ihrer Mutter.

 

ISAs Mantel

Isa saß in ihrer Höhle auf einem kleinen Teppich. Der Teppich war sehr alt, aber immer noch wunderschön. Eine, bunte Blumen und Blätter zierende Girlande umfasste ein herrliches Bild, auf dem Gemsen, Ziegen, Schafe, Vögel, Blumen und Bäume sich zu einem uralten Mythos verbanden. Ein Bild, das ihr auch in schwersten Tagen, Trost und Zuversicht spendete. Heute war auch wieder mal so ein Tag, an dem sie an ihre Tochter dachte. Ihre blind verliebte Tochter. Was hatte sie nur getan? Wieso war sie nur fortgelaufen … ach, es waren immer noch die selben Fragen! Sie würde sie am Liebsten heftig schütteln und alles wäre wieder gut. Aber so waren nun mal nicht die Realitäten.
Dieses dumme Kind … aber so war nun mal der Lauf der Welt, er war ein Fluss und sein Wasserließ sich von Niemandem aufhalten. Einmal am Zeiger gedreht und die Uhr läuft ab. Wer hoch steht, kann eben auch tief fallen.

Das Gesetz von Ursache und Wirkung. Und da kann man eigentlich nur hoffen, das die Zeit möglichst schnell vergeht, wenn man einmal eine Fehlentscheidung getroffen haben sollte. Das sagte sie auch immer ihren Schülerinnen. Fließen lassen, sich an die neue Situation anpassen und sich auf das größte anzunehmende Unheil vorbereiten. Und je schneller das Unheil da ist, desto besser, denn danach ist die Luft wieder rein.
Das Einzige, was man unter seine Kontrolle bekommen musste ist die Angst, und sie ist gleichzeitig auch die Aufgabe. Es geht dabei nicht darum, keine Angst mehr zu haben, sondern die Angst als Motor, als Energiequelle zu nutzen. Und manchmal ist es Furcht erregender still zu halten, statt davon zu laufen. Denn die, die immer nur fortlaufen, die wissen bald gar nicht mehr, wer oder was sie verfolgt.
Der Sitzenbleiber aber, und schlottern ihm noch so die Knie, der schaut vielleicht irgendwann einmal mutig auf und sieht. Ph … da ist ja gar nichts.

Isa ging in die Küche. Sie nahm sich einen Becher Tee. Sie liebte diesen Raum sehr. Ihre schwere gusseiserne Pfanne, das flackernde Licht im Ofen, die Wärme. Sie hatte den ganzen Tag gebacken und freute sich zudem auf einen Teller kräftigender Gemüse-Suppe mit einer Scheibe noch warmen Brotes und eine guten Portion frisch geschlagener Butter.
Am Webstuhl hing ihr neuer Teppich. Sie hatte ihn gestern erst fertig gestellt. Ein meisterliches Kunstwerk. Sie war sehr zufrieden und glücklich, dass dieses gute Stück noch rechtzeitig fertig geworden war.
Sie nahm sich ihren Teller mit der Suppe und setzte sich vor den Teppich. Er war noch auf dem Rahmen gespannt. Der Mittelteil war perfekt und auch die Girlande war sehr schön geworden.
Fast drei Jahre, und wenn man die ganze Vorbereitungszeit mit einrechnete, dann hatte die Entstehung dieses Teppichs eine halbe Ewigkeit gedauert.
Aber jetzt war er endlich vollendet. Morgen würde sie ihn mit ihren Schülerinnen abnehmen. Das ist immer ein ganz besonderer Tag und er sollte gebührend gefeiert werden. Dafür hatte sie das viele Brot gebacken und die Suppe gekocht. Sie probierte einen Löffel, ja, auch sie war gut geworden. Alles war heute gut und richtig.

Sie schloss die Augen und dachte: Ich sehe eine junge Frau auf ihm sitzen. Sie hockt im Schneidersitz und tippt die ganze Zeit mit ihren Fingern auf so ein Ding und … hm, sie sitzt vor einer leuchtenden … ja, was? Hm … jetzt hat sie zu tippen aufgehört, jetzt ach … komisch … jedenfalls sitzt da jemand auf meinem Teppich. Eh … hallo … hörst Du mich? … schade sie reagiert nicht. Wenn ich doch nur mit ihr reden könnte. Ob sie wohl germanisch spricht?

Da kam eine ihrer Schülerinnen herein und erinnerte sie daran, das die Sonne gleich untergehen würde.
Ah ja, ich muss mich für das Gebet fertig machen. Sie stellte den Teller weg und ging zu ihrem Bett. Auf ihrem persönlichen Lieblings-Teppich, der auf ihrem Bett lag, hatte sie ihren Mantel hingelegt. Doch, wo war er? Wo war IHR Mantel?
Sie drehte sich um. Sie spürte, das er weg war. Sie konnte nicht glauben, was sie mit einer deutlichen Schärfe wahrnahm. Sie konnte kein Wort mehr denken. Sie war tot.

Nachdem sie Mutter Isa zu Grabe getragen hatten und auch die Trauerzeit nach den Feierlichkeiten vorbei war, traf sich das Matriarchat zur großen Konferenz. Diese fand normalerweise nur einmal im Jahr zu Ernte Dank statt, es waren also erst ein paar Wochen nach dem letzten großen Treffen vergangen. Doch die Lage erforderte eine außerordentliche, große Zusammenkunft, ging es doch nicht nur um den Verlust des göttlichen Mantels. Schlimmer waren die zukünftigen Folgen für sie alle.
Mit dem Mantel ging ihre Macht und den Frauen drohte eine schwere Zeit. Nicht von heute auf morgen, aber unaufhörlich, unerbittlich und gnadenlos. Die Hüterinnen der Weisheit hatten versagt. Die Macht des Mantels war verloren. So wie es aussah, würde in Zukunft ein Dummkopf von Mann damit sein Unwesen treiben.

 

Krieg und Frieden

Sie waren 24 Frauen. Ihr Gesetz verlangte Einstimmigkeit. Das bedeutete, alle Entscheidungen mussten gemeinsam getroffen und getragen werden. Einen klugen Konsens in allen offenen Fragen zu finden war ihre Aufgabe. Und das Volk vertraute auf die Richtigkeit ihrer Entscheidungen. Männer, Frauen und Kinder, alle warteten sie an diesem Tage gespannt auf das Urteil. Und nicht wenigen war Angst und Bange. Einige Kinder weinten, weil sie spürten, das etwas Schreckliches passieren würde. Viele der Frauen hatten sich sorgenvoll in ihr Tuch gehüllt. Einige empfanden Scham. Manche der Männer verstanden nicht so ganz, warum die Frauen um den Mantel so ein Geschrei machten, aber nicht wenige teilten auch die Sorge der Frauen. Der Verlust des Mantels hatte mit Sicherheit ein böses Nachspiel, denn das Abraham ihn seiner Frau zurück geben würde, daran glaubten nur die schlichtesten Geister. Nicht nur ihre Welt würde sich verändern ohne den Mantel, das war keine Frage, das war Fakt. Was ihnen jetzt nur noch blieb, das war, die Folgeschäden zu begrenzen.

Wir sollten mehr Frauen ausbilden.
Ich habe 100 Schülerinnen in diesem Jahr, mehr schaffe ich einfach nicht, und es wird noch einige Zeit dauern, bis meine Töchter, von denen jedoch nur zwei die Gabe haben, soweit sind, das sie den Unterricht fortsetzen können.
Bei mir ist das Gleiche.
Ich glaube, wir haben alle dieses Problem, und außerdem wird uns das auf die Dauer auch nicht schützen. Der Verrat ist nicht aufzuhalten.
Habt ihr schon etwas von den Verfolgern gehört?
Mein Sohn hat einem Händler eine Nachricht mitgegeben. Sie kam gestern an. Er ist schon über die Alpen. Er sagt, Freunde haben Abraham in einer kleinen Stadt gesehen wie er mit Sara ein Schiff bestieg. Wohin wissen sie nicht, aber vermutlich wollten sie nach Griechenland.
Der rennt weiter, das sage ich Dir! Keine ruhige Minute soll er mehr haben.
Wie gut, das Isa das nicht mehr mit ansehen muss, wie wir hier dumm herum quaseln. Sie würde glatt ein zweites mal umfallen.
Es ist so traurig, aber der Schlag hat sie getroffen.
Es war einfach zu viel für sie.
Ihre eigene Tochter!
Es hätte jeder passieren können.
Eben nicht.
Doch, wir alle sind im Grunde alle mit Schuld.
Jetzt mach aber mal Halb lang!
Ist doch so. Uns ging es einfach zu gut. Wir haben die Gefahr nicht sehen …
Das ist doch Unsinn! Warum glaubst Du, war es Priesterinnen immer schon verboten zu heiraten. Männer ja, aber kein einzelner Mann! Was musste sie auch herum quatschen. Wissen, Wagen, Wollen und vor allen Dingen Schweigen. Das lernen die Mädchen bei mir als Erstes. Es musste einfach so kommen. Frauen, die sich an einen Einzigen hängen verlieren den Blick für das Ganze.
Also, ich weiß nicht. Ruben und ich, wir lieben uns wirklich sehr und keinem von uns würde es einfallen, dem anderen zu Schaden. Aber trotzdem würde ich ihm nie den Mantel gezeigt haben. Niemals.
Man darf Männer nicht in alles einweihen. Ihr Aggressions-Potential, auf der Jagd mag es ja Vorteile bringen, aber für den Umgang mit heiliger Magie, dafür sind sie einfach zu schwach sich selbst gegenüber. Ihr Geltungsdrang, ihr Machtstreben, ihre aggressive Verdrängung, ihre fehlende Langmut, all das wird uns jetzt bitter zu stehen kommen.
Vielleicht missbraucht er seine Macht ja auch nicht …
Mutter Isa würde jetzt bestimmt sagen: „Mädchen wir müssen immer vom Schlimmsten ausgehen, wenn es nicht so Dicke kommt, dann haben wir einen Grund zum Feiern.“

Trotz des lockeren Tones der Unterhaltung, jeder Anwesenden war klar, dass sie heute eine Entscheidung treffen mussten, die über das Schicksal der nächsten Jahrtausende entscheiden würden. Eine Frage zwischen Krieg und Frieden.
Aber, wenn wir zu den Waffen greifen und in den Krieg ziehen, wer kümmert sich dann um die Kinder, wer bestellt die Felder, wer sorgt für den Winter, wer …
Außerdem, wer soll denn bitte die Feste und Rituale durchführen? Nein, ich bin gegen einen Krieg. Gewalt bringt immer nur neue Gewalt und wo das hinführt, das lehrt uns die Geschichte.
Wir können den Lauf der Geschichte nicht aufhalten!
Aber, wir können auch nicht einfach zusehen und vor den Hunden auf die Knie gehen.
Krieg für den Frieden? Oh je, das wird schief gehen.

Nun, und da die Geschichte keine Hinweise darauf liefert, das ein großer Krieg zu jener Zeit ausgebrochen ist, so können wir erahnen, wie die Entscheidung ausgefallen ist. Ein einstimmiges Nein zur Gewalt war ihr oberstes Gesetz. Und damit war klar, die Welt würde sich von nun an so entwickeln, wie sie es dann ja auch getan hat. Die Männer machten Unfug und die Frauen schauten hilflos zu. Sie waren es tatsächlich selber schuld.

Das große Opfer

 

Walpurgis wurde am gleichen Tag ebenfalls einstimmig zur neuen Großen Mutter gewählt. Sie war eine kluge und besonnene Frau, die in Zeiten der Unruhe und Veränderung genau die richtige Matronin war. Sie nahm die Wahl an und berief zunächst ein neues Treffen ein. Sie wollte, das sie alle zur Wintersonnenwendfeier wieder zusammenkamen, um am Fuße der Externsteine, die natürlich damals anders hießen, ein großes Opfer darzubringen. Dies sollte das Volk beruhigen und sie alle hätten etwas Zeit sich mit der neuen Lage vertraut zu machen.

Opfer wurden immer schon, zu jeder Zeit und in jeder Kultur dar gebracht. Die Kulte unterschieden sich zwar in vielen Details und zum Teil auch ganz beträchtlich, aber im Grunde ging es immer darum, etwas zu geben, um zu nehmen. Denn, da ihnen die Götter auch nur allzu menschlich schienen, schien es nützlich den kosmischen Unterstützern ab und zu ein kleines Dankeschön zukommen zu lassen.
Walpurgis bevorzugte Musik. Sie glaubte, dass Götter gerne schöne Klänge hören und das der Tanz ebenfalls ein schönes Präsent darstellt. Blumen und kleine fein gearbeitete Skulpturen waren ebenfalls angemessen.
Für die große Wintersonnenwende, die ihnen bevorstand, schienen ihr jedoch all diese Dinge plötzlich nicht mehr ausreichend. Nur, was konnte schöner sein, als Musik und Gesang?

Auch Abraham machte sich Gedanken über ein Opfer. Sein Gott hatte ihm befohlen Isaak zu töten, und ihn in zwei Teilen zum Opfer-Mahl zuzubereiten.
Kinder zu opfern war zwar nicht weit verbreitet, aber es kam vor. Doch Abraham kamen doch immer auch noch ein paar Skrupel. Isaak war zudem ein Pharaonenkind. Und außerdem konnte auch er sich des natürlichen Charmes dieses Jungen nicht erwehren.
In den frühen Morgenstunden sollte die Opferung stattfinden und Lot hatte schon alles für die Zeremonie vorbereitet und erwartete ihn nach Sonnenuntergang am Fuße des Berges, der ihnen als Opferstätte angemessen erschien.

Da bist Du ja endlich, ich warte schon.
Ja, ich eile mich doch, aber Sahra findet immer einen neuen Grund, mich aufzuhalten. Ich glaube sie ahnt etwas.
Ach, die dumme Kuh, was kann sie schon ausrichten! Lass Dich doch nicht immer wieder von dieser Frau beeinflussen. Du trägst jetzt den Mantel, und sie hat sich diesen neuen Realitäten gefälligst anzupassen.
Ja, ja, Lot, hast ja Recht, doch irgendwie bin ich beunruhigt. Immerhin ist es ein Pharaonenkind.
Genau darum ist er doch das perfekte Opfer! Das, was uns besonders lieb und teuer ist, das sollten wir geben. Und Isaak ist das Wertvollste, was wir besitzen.
Wir? Isaak ist mein Sohn.
Eben nicht, mein Freund.
Aber der des Pharao.
Der will von dem aber nichts wissen. Nicht eine Handvoll Sand bekommst Du für den Jungen.
Hast ja Recht … sag, wer holt ihn denn?
Mein Sohn macht das. Sobald Sahra zu meiner Frau geht, holen sie ihn und bringen ihn hier her. Da, hörst Du, sie sind schon im Anmarsch.

Sie hörten die Stimme von Lots ältestem Sohn:
Alles erledigt. Sie hat nichts gemerkt, und der Junge schläft wie ein Schwein. Er grunzt sogar.

Abraham schlug die Decke, in der der Junge eingewickelt war zur Seite und starrte in die winzigen Äuglein eines kleinen Hausschweines.

Scheiße! Ihr habt euch ein Schwein andrehen lassen.
Sie hat das Kind vor uns versteckt!
Wir werden ihn finden! Los kommt, wir holen ihn uns, und wenn es sein muss mit Gewalt!
Unten im Dorf wurden sie schon erwartet. Mindestens 20 Frauen standen dort mit ihren Kindern und bildeten einen schützenden Kreis um Sahra und ihren einzigen Sohn. Ein Kindesofper, das war für sie nicht hinnehmbar. Hier war die Grenze! Wo sollte das hinführen, wenn sie sich jetzt auch noch selbst um die Besten unter ihnen betrogen. Und keine der Frauen hatte Lust sich in Zukunft darüber Gedanken machen zu müssen, ob ihr Kind demnächst vielleicht das Nächste sei.
Abraham rettete die Situation, in dem er sogleich erfasste, dass sie hier nichts würden ausrichten können, denn, dass mit aufgebrachten Müttern nicht gut Kirschen essen ist, das war dann auch schnell allen übrigen Kerlen klar. Nur Lot, der brauchte einen Tritt in den Hintern, um zu kapieren, das er sich vom Acker machen soll.
Denn, wer der Urheber dieser versuchten schrecklichen Untat war, da waren sich alle Frauen völlig einig. Dieser Aufstand hatte ohne Diskussionen Einstimmigkeit erzielt. Und diese Einstimmigkeit, die hatte weitreichende Folgen.

Lot musste gehen, und er ging nach Sodom. Ein Ort, der für seine Ausschweifungen berüchtigt war, denn dort trieben sich viele von Seinesgleichen herum.
Und Abraham gab endlich Ruhe und erkannte Isaak öffentlich das Erstgeburtsrecht zu. Isaak wurde damit zum nächsten Träger des bunten Mantels. Der erste Mann, der diesen Mantel vererbt bekam. Denn, Abraham hatte ihn gestohlen, und darf darum in die Liste der Träger des Mantels nicht länger stehen. Isaak aber, als ein Sohn eines Pharao und der Lieblings-Tochter der Großen Mutter, dies war ein wunderbar vereinigendes Bindeglied zwischen dem germanischen Kult der Großen Mutter und dem altägyptischen Sonnenkult der Pharaonen.

Sonne und Mond. Diese Vereinigung symbolisiert die Hochzeit dieser beiden großen Geister. Zudem auch noch eine Vereinigung der Liebe zwischen Mann und Frau. Eine Vereinigung des Göttlichen, der ein Same entspringt und neues Leben erweckt. Ein großer, neuer Geist sollte aus dieser Vereinigung hervor gehen.
Die neue Religion, die sich daraus entwickelte, brachte die westliche mit der östlichen und die südliche mit der nördlichen Weltsicht zusammen. Man versuchte die einzelnen Elemente zu verbinden und entwickelte neue Rituale, die jeweils einer männlichen und einer weiblichen Gottheit, und dennoch nur einem einzigen geistigen Prinzip galten. Dem Einen, von dem man sich kein Bild machen konnte, weil es für unsere Augen nun mal unsichtbar ist. Und wenn wir von Urchristentum sprechen, dann meinen wir genau diese philosophische Erkenntnis. Mann und Frau sind Eins. Und wenn ich meinen persönlichen Standpunkt in dieser Frage darstellen wollte, dann würde ich mich als eine Urchristin bezeichnen wollen, denn mir ist diese Philosophie der Liebe sehr sympathisch.

Nun, jedenfalls, Lot und Abrahams geplante Opferung fand am nächsten Tag trotzdem statt, nur das das Schwein mal wieder herhalten musste. Später wurde dann aus dem Schwein ein von Gott geschenkter Widder, aber das kann man natürlich verstehen. Wer will seinen Gott schon zu einem Schwein machen. Und das man immer etwas von dem annimmt, was man sich einverleibt, das war den Menschen auch damals schon aufgefallen.
Lots graue Engel
Nachdem Lots Familie mit Sack und Pack nach Sodom gezogen war, kehrte in Abrahams Haus wieder etwas Friede ein und Isaak wuchs zu einem würdigen Träger des Mantels heran. Seine Mutter erzählte ihm alles, was sie von ihrer Mutter gelernt hatte und sie hoffte inständig damit einen Teil ihrer Schuld wieder gut zu machen. Isaak war ein Kind der Liebe, und diese Liebe, die wollte sie in ihm lebendig halten. Und tatsächlich, ihr Sohn wurde Tutmosis I. immer ähnlicher. Irgendwann zeigte sie ihm das Medaillon und als er den Mantel das erste Mal über seine Schultern legte, da legte sie ihm auch die goldene Kette an, an der sie das Zeichen befestigt hatte. Es war ein kleiner Skarabäus, auf dessen Rückseite die Hyroglyphen Sohn der Sonne eingraviert waren.

Etwa zur gleichen Zeit saß Lot in Sodom und ärgerte sich die Pest an den Hals. Und es dauerte auch nicht lange und die ersten Fälle dieser Infektion machten sich in der Stadt breit.
Er rief nach seinem Sohn und als der endlich aus seinen Federn gekrochen kam, schickte er sich an einen hysterischen Anfall zu bekommen.
Du versoffener Nichtsnutz! Wo hast Du Dich letzte Nacht herum getrieben? He? Sage was! Ich rede mit Dir!
Was willst Du, ich war unterwegs…
Und wo ist der Sack?
Was für ein Sack?
Na die Klamotten des Toten!
Habe ich doch mitgebracht, was regst Du Dich auf?
Her damit!
Spinnst Du, willst Du uns alle umbringen?
Ich sagte her damit!
Liegt draußen auf dem Hof. Ich habe ihn neben den Schweinestall versteckt.
Na, wenigstens das hat mal geklappt, dachte Lot und er ging in den Hof, um den Sack an sich zu nehmen. Er wollte ihn gerade aufheben, da kam seine Frau vorbei und fragte ihn, was er denn da für Lumpen hätte und ob sie die Sachen waschen solle.
Nein, die Sachen brauche ich so wie sie sind. Unterstehe Dich sie an zu fassen. Niemals, hörst Du!

Lots Frau fragte sich wieder einmal, was im Kopf ihres Mannes wohl vorging. Seit sie in Sodom angekommen waren, wurde sein verdrießliches und bösartiges Wesen immer deutlicher. Und, seitdem klar war, das man ihn nicht zum obersten Herrn der Stadt wählen würde, war seine Laune schlechter denn je. Sie kannte ihn. Diese Zurückweisung würde er nicht einfach so hinnehmen. Allerdings fehlte ihr die Phantasie sich vorzustellen, was für eine Rache er sich ausdenken würde.

Lot packte die Lumpen in eine kleine, aber reich verzierte goldene Truhe und versteckte diese unter seinem Bett. Er wusste, das er diese Krankheit nicht bekommen würde, selbst, wenn er in den Lumpen schlafen würde. Der Schwarze Tod verfing nur bei reinrassigen Erdlingen.
Natürlich wusste keiner von seiner wahren Herkunft und Abstammung, denn glücklicherweise hatte er das Aussehen von seiner Mutter geerbt, wenn er auch manchmal etwas grau im Gesicht erschien.
Auch seinen Kindern sah man nichts an. Seine hübschen Töchter schienen sogar fast gar nichts von ihm zu haben.
Er wollte gerade wieder auf den Hof treten, da hörte er ein fürchterliches Geschrei von der Straße zu ihm herauf schallen. Was war da los? Er schaute aus dem Fenster und sah eine aufgebrachte Menschenmenge zwei Kerle durch die Gassen jagen. Beide, ziemlich grau im Gesicht, drohten von der Menge geschlagen und gesteinigt zu werden.
Er lief schnell zum Tor und als die Typen vorbei gerannt kamen, schlüpften sie hindurch und Lot schoss das Tor, so dass die Verfolger von Lot wütend die Herausgabe der Halunken forderten.
Lot aber beschützte diese Gesellen und das sollte sich für die Stadt als absolute Katastrophe erweisen. Denn diese grauen Gesellen kamen Lot wie gerufen, denn sie hatten gewaltige Kräfte im Gepäck. Und da auch sie in Sodom keinen Fuß mehr vor die Tür setzen konnten, ohne um ihr Leben fürchten zu müssen, taten sie sich mit dem verbitterten Lot zusammen und planten die Auslöschung der gesamten Stadt.

Denn Sodom war alles andere als eine traurige Stadt, da hier die Götter der Fröhlichkeit zutiefst verehrt wurden. Gesang, Theater, Tanz und Musik waren die bevorzugten Rituale, die sich bis weit über die Grenzen der Region herumgesprochen hatten. Viele Menschen kamen in die Stadt um an den vielfältigen Feierlichkeiten teilzunehmen. Leider wurde dabei auch eine Menge Alkohol getrunken, aber auch andere Rauschmittel waren weit verbreitet. Die Wirte machten gute Umsätze und auch alle anderen Gewerke profitierten von den vielen Besuchern, die alljährlich zu den kleineren und größeren Festen an reisten.
In drei Tagen sollte das große Erntedankfest statt finden und die Stadt war überfüllt und ausgelassen wie selten zuvor. Die paar Fälle von Pest hatten sich noch nicht wirklich herumgesprochen, zudem war man der festen Überzeugung, das die fröhlichen Götter ihre Stadt vor allen Gefahren beschützen würden.

Lot setzte den Termin zur Zerstörung der Stadt genau auf diesen großen Feiertag und befahl seiner Frau und seinen Töchtern alles für eine Reise vorzubereiten und das Wichtigste einzupacken. Seinen Söhnen sagte er noch nichts, er war sich noch nicht sicher, ob er sie wirklich mitnehmen wollte. Zu unabhängig waren ihm ihre Charaktere.
Alles war bis ins Detail geplant und als der Tag kam, verließ er mit seiner Frau und den Töchtern heimlich die Stadt. Von einer Anhöhe etwas außerhalb wollte er sich das bevorstehende Schauspiel in Ruhe genießen, bevor es mit Sack und Pack in die Berge ging.

Wenn ihm die Stadt nicht gehören konnte, dann sollte sie keinem gehören. Wenn er in diesem irdischen Paradies nicht der Herrscher sein konnte, dann sollte dort in Zukunft keiner mehr seines Lebens froh werden. So war nun mal sein Wesen, denn Neid und Bosheit waren die Grundlage seiner Natur. Und als das große Feuerwerk endlich begann, da bereitete sich das Gefühl einer gewaltigen Macht und einer gnadenlosen Rache in ihm aus. Sein Schwanz wurde hart und gierig, und er freute sich schon auf die hereinbrechende Nacht. Seine Frau wehrte sich zwar immer öfter und heftiger, aber das gefiel ihm sowieso besser.

Doch, als seine Frau die Explosionen hörte und die Flammen den Himmel tief rot einfärbten, da hielt sie es nicht mehr aus und rannte zurück in die Stadt. Sie suchte in den Trümmern verzweifelt nach ihren Söhnen. Später fand man sie, von der Hitze verbrannt vor den Toren ihres ehemaligen Hauses liegen.

Wie es ihren Töchtern erging, beschreibt die Bibel folgender maßen:
Sie machten Lot betrunken und legten sich nacheinander zu ihm, verführten ihn und wurden beide noch in dieser Nacht schwanger von ihrem Vater. Ich habe aber ernste Zweifel an der Wahrhaftigkeit dieser Darstellung der Ereignisse. Ich glaube eher, dass Lot sein persönliches Freudenfest durch die Vergewaltigung seiner Töchter abrundete, und anschließend die Schuld den Mädchen in die Schuhe schob. Eine Methode, die auch heute noch, und nicht gerade selten, als bequemes Vorbild dient.

 

Gut und Böse

Auch im Paradies gibt es diese zwei Gesichter,
denn auch dort steht am Ende immer ein Richter.
Es geht einfach um das richtige Gleichgewicht,
bei dem mal der Eine, und mal der Andere spricht.

Kein Frosch würde satt, wenn er keine Libelle frisst,
kein Haus würde stehen, wenn man nicht schwingt die Axt.
Ohne den Schatten siehst Du nichts,
und ohne die Macht ist schlicht keine Ordnung in Sicht.

Es gibt ein paar Regeln, die gilt es zu achten,
10 Stück sind es nur, ich meine, das ist zu verkraften.
Jeder kennt sie, er hat sie im Blut,
und ich finde, das macht letztlich Mut.

Um zu Leben in einem Paradies,
braucht es nicht mehr, als eben dies:
Lasst uns im Guten zusammenstehen,
und auf des Lebens Weisheit sehen.

Schwarz und Weiß sind keine Farben,
in ihrer Mischung sich die Kräfte verweben.
In Händen halten wir die Zipfel des Ärmels,
ja wir sind die Perle, die Zierde seines Mantels.

Und er schaut auf des Mantels prächtigen Schmuck,
und gibt sich dann einen kräftigen Ruck.
Denn, er sieht, was da glitzert in solch herrlichem Licht,
das ist die Liebe in einem kleinen Gedicht.

 

Der Mantel des Zauberers

In einem leicht abgedunkelten Raum, der nur durch die schmale Öffnung der Vorhänge von Sonnenlicht erhellt wurde, sitzt ein Mann an einem Tisch und schaut in eine Kristall-Kugel.
Er trägt einen wunderschönen und reich verzierten Mantel. Über und über ist er bestickt und von überwältigender Farbenpracht. Er ist ein Zauberer von größtem Format. Er ist der Erschaffer der Weißen Magie, er ist der Höchste, er ist das Ziel.

Ich nähere mich langsam und schaue ihn an. Mann Gottes, was für ein toller Mann. Er sieht einfach nur Bestens aus, ich glaube, den hätte jede Frau gern im Haus. RA ist kein wirklich junger Mann, aber die Jugend steckt in ihm, und sehr viel Verstand.
Ich würde mich ganz gerne mit Dir unterhalten, ich hoffe es ist Recht wenn ich näher trete.
Komm nur und schau Dir das hier an.
Das sind wir Menschen, ich sehe sie im Kristall.
Hier siehst Du das ganze Geheimnis, es ist das Universum des Schöpfers, des Einen.
Und, wo sind die anderen Perlen?
Schau aus dem Fenster, da leuchten sie wie die Sterne.

Ich zog den Vorhang etwas zur Seite und da lagen Millionen von ihnen, wie Berge von Sand.
Du meine Güte, was für ein Land!
Na, was sagst Du, was soll ich daraus machen?
Puh, wann hast Du die denn alle geschaffen?
Ich habe eine Maschine, die kann einfach alles.
Und was willst Du jetzt damit tun?
Mach einen Vorschlag?
Darf ich mir etwas wünschen?
Nur zu!
Mach mir einen Mann.
Einen Kerl willst Du? Das hätte ich nicht gedacht.
Nun, er sollte schon so ein paar Dinge haben.
Na, dann sag mal, was Dir so genau vorschwebt.
Nun, er sollte in etwa so aussehen wie Du, etwas jünger vielleicht.
Oh, bin ich Dir zu alt?
Nein, aber zu perfekt ist auch nicht gut.
Punktsieg.
Danke.
Der Typ sollte Deinen Humor natürlich verstehen können.
Ja genau, das wäre sehr gut. Und vielleicht könntest Du ihn so erschaffen, das er mich auch wirklich von Herzen liebt.
Oho, Du stellst aber Ansprüche! Und die Augenfarbe?
Blau wäre schön.
Blond und blauäugig?
Ich denke, ja. Vielleicht schon ein wenig grau.
Ah, dann kann ich mir Deinen Mann schon fast vorstellen. Gibt es vielleicht auch irgend ein markantes Zeichen?
Er malt gut.
Aha, ein Künstler soll es sein.
Zauberer gibt es ja sicherlich nicht so viele.
Punktsieg. Du bist schlagfertig. Das gefällt mir.
Meinem Mann sollte dies auch gefallen.
T’ja, dann will ich mal schauen, was ich da machen kann.
Merci, wann darf ich wieder kommen?
Och, ich bin eigentlich immer zu erreichen. Mit dem Mann allerdings, das braucht ein paar Tage.
Ich komme dennoch sicher bald wieder.
Schön, ich freue mich auf Deinen Besuch. Vielleicht hast Du dann ja Zeit auf einen Kaffee.
Ich danke für die Einladung. Ich bringe gern etwas Kuchen mit.
Kaffee und Kuchen
Als ich das nächste mal mit dem Kuchen vor der Tür stand, wurde mir von einer Frau geöffnet.
Oh, da bist Du ja schon wieder.
Ähm, entschuldige, warst Du letztes Mal nicht ein Mann?
Och, weißt Du, wenn man sich mit Männern beschäftigt, dann kann es nicht schaden, wenn man sich die ganze Angelegenheit auch mal aus den Augen einer Frau betrachtet.
Und, hast Du schon den Richtigen gefunden?
Ach, gibt es denn einen Falschen?
Alle anderen.
Hui, Du nimmst es aber sehr genau.
Was soll ich machen, ich bin eine Frau.
Da hast Du natürlich auch wieder Recht. Aber, komm erst mal hinein und probiere den Kaffee. Ich komme gleich wieder, ich hole nur noch den Tee.
Ich stell den Kuchen schon mal auf den Tisch.
Oh, der sieht aber schön aus, hast Du ihn selbst gemacht, oder ist er gekauft?

Sie war so natürlich, so ganz ohne Arg. Mir war sie sympathisch und, das musste man sagen, sehr hübsch war sie auch. Sie trug ein langes, weißes Kleid und hatte ihr Haar lässig hoch gesteckt. Sie schaute ins Zimmer und fragte mich:
Sag mal, der Mann, den Du da suchst, hat der einen Sohn so wie Du?
Ja, ganz genau, und ich meine auch eine Tochter dazu.
Ach, interessant, dann hab ich ihn wohl.
Mit diesen Worten setzte sie sich zu mir an den Tisch.
Wir saßen in einem sehr schönen, sonnigem Raum.
Was ist das für ein Kuchen?
Ein einfacher Sandkuchen, mit Zuckerguß.
Er hat eine lustige Form.
So stell ich mir ein Bombini vor.
Interessant. Jetzt bräuchten wir nur noch eine Fernbedienung, dann flögen uns gebratene Tauben ins Maul.
Oder es kommt der richtige Mann, und wir zaubern ein Paradies auf Erden.
Du meine Güte, Dir hängen die Männer aber ganz schön im Kopf herum.
Wie denn auch anders! Schau Dich doch um! Ich frage mich ernsthaft; Wo sind sie denn?
Ohwei Ohwei, ist es denn wirklich so schlimm?
Ra finde, die Frauen sind langsam genug geplagt. Erbsünde hin, Erbsünde her, Mutter Erde kann sich die Heinis nicht länger leisten. Ein Dummkopf neben dem Andern, ich finde das reicht. Egal was Eva gemacht hat, am Ende trägt nur Gott allein die Verantwortung. Entweder sein Plan ist gut, oder aber es verlässt mich der Mut. Es muss doch noch ein paar Exemplare geben, mit denen man etwas anfangen kann …
Jetzt mach mal halb lang, so hoffnungslos ist es nicht.
Ich kenne keinen, der meine Sprache spricht.
Du bist aber auch nicht leicht zufrieden.
Ich suche die wahre Liebe.
Das ist natürlich etwas anderes, das verstehe ich schon. Ich frage Dich nur, was willst Du mit ihm? So einen Mann den besitzt man nicht.
Das ist auch nicht nötig, ich will nur, das er spricht.
Und dann? Zeigst Du ihm dann auch den Mantel auf Deinem sündhaften Körper?

Ich verschluckte mich an einem Schluck heißen Kaffee.
Jesus hat ihn doch auch getragen. Es ist also nicht unmöglich für einen Mann.
Halber Punkt. Sehr erfolgreich war er aber nicht.
Wie bitte? Jesus war ein Held!.
Stimmt, ein Tragischer.
Vielleicht war der Sieg über die Römer nicht sein Ziel?
Doppelpunkt, gut geantwortet.
Warum verteilst Du immer Punkte?
Es erhöht den Spaß-Faktor. Und außerdem: Leistung soll sich wieder lohnen.
Na, das trifft sich ja gut. Darauf warte ich schon lange!
Das Ei dreht sich bald auf die andere Seite um. Morgen wird die Welt zwar nicht wirklich anders sein, aber die Macht der Sonne ist nicht nur ihr Schein.Allerdings, das Problem mit einer Erbsünde ist, alles wiederholt sich immer wieder und genau solange, bis ER verzeiht.

Mann und Frau

Wir waren gerade in einer sehr anregenden Unterhaltung über Gott und die Welt, als sich die Tür öffnete und der Zauberer mit dem schönen Mantel zu uns an den Tisch kam. Jetzt verstand ich gar nichts mehr. Wieso war der jetzt auch da, ich dachte er hätte sich in die Frau verwandelt gehabt. Doch plötzlich saßen Zwei vor mir. Mann und Frau, Vater und Mutter, Zauberer und Zauberin. Gott und Göttin. Ra und Isa. Der ägyptische Prinz und die germanische Prinzessin. Die Vertreter der farbigen Macht, die Erschaffer der Pracht.

Ich glaube, ich brauche jetzt noch einen Kaffee.
Schockiert es Dich so sehr?
Nicht unbedingt, es ist nur …
… das Eine?
Wenn auch ihr nicht Eins seid, wo befindet sich dann das höchste Prinzip?
Das höchste liegt in der doppelten Macht. Und dennoch hat sie die Qualität der Einfachheit. Wir sind Zwillinge.
Eineiige?
So wie Du. Mich unterscheidet nichts von meinem Mann.
Außer, das er ein Mann ist.
Das bist Du auch.
Wie bitte? Ich bin eine Frau.
Aber keine 100%-ige. Alles ist eine Mischung aus männlich und weiblich. Es kommt auf das Verhältnis an. Der jeweilige kleine Unterschied gibt den Ausschlag. Am Anfang einer jeden Lebensentwicklung steht der Zwitter. Auch ein Embryo entscheidet sich erst nach einigen Wochen Entwicklung, wohin ihn der Ausschlag schlägt.
Ich denke, das ist genetisch festgelegt.
Im Prinzip ja. Doch das Gen ist nur ein Aspekt in der Entwicklung.
Und wer wurde zu erst von Euch beiden geboren?
Halber Punkt. Rate mal!
Isa, ich glaube, sie ist die Erstgeborene.
Wie kommst Du darauf?
Weil auch in der Natur das Weibliche Prinzip älter als das Männliche ist.
Doppelpunkt. Aber, was nützt ihr das, der Mantel ist futsch, und damit ist alles nicht mehr als eine Idee. Vielleicht kommt noch ein Wort, aber eine Tat? Durch wen? Welche Frau könnte sie vollbringen? Ohne Mantel? Sie hat ihn verschenkt, verloren, wie auch immer. Jetzt ist er weg, und damit natürlich auch die Möglichkeiten, die in ihm verborgen sind.
Ja, aber wo ist der Mantel denn jetzt?
In den falschen Händen, und das ziemlich lange schon.
Dann wird es wirklich Zeit, ihn zurück zu holen.
Bingo.

Wir müssen ihn uns wiederholen.
Nicht wir, Du!
Ja, aber, wieso ausgerechnet ich?
Warum nicht? Oder hast Du keine Zeit?
Ich weiß doch noch nicht einmal wie er aussieht.
Wieso? Er gleicht meinem Mantel hier auf das Haar. Innen Rot, außen Blau, oder eben umgekehrt. Außen Rot und innen Blau. Man kann ihn wenden. Hier schau, solche Stickereien, Symbole und Muster.
Aber, wo finde ich ihn?
T’ja, das ist die große Frage. Er ist gut versteckt. Aber es ist nicht unmöglich ihn zu finden. Du erkennst ihn eigentlich sehr gut an seiner Wirkung, denn auch bei unsachgemäßem Gebrauch ist er natürlich nicht unwirksam.
Ja, und gesetzt den Fall, ich hätte ihn wieder, was mache ich dann damit.
Bringe ihn hier her.
Gut. Aber wie finde ich ihn?
Wer Augen hat der sehe, wer Ohren hat der höre.
Man kann ihn hören?
Klar, hörst Du nicht auch das Rascheln Deines Pullovers?
Nur, wenn ich mir die Ohren frisch ausgespült habe.
Dann solltest Du das öfter tun.
Ein Punkt für Dich.
Oho, jetzt verteilst Du schon Punkte. Nicht schlecht Frau Knecht.
Also, ich finde, die Knechtschaft sollte endlich ein Ende haben. Ich habe da keine Lust mehr drauf. Die Erbsünde ist abgebüßt.
Das Urteil lautete auf unendlich.
Das bezweifele ich. Lange, ja, aber nicht ewig. Da in der Mathematik Unendlichkeiten auf Sinnlosigkeiten hinweisen, und ich nicht glauben kann, das Gott sinnlose Urteile fällt, glaube ich an ein Ende aller Dinge, auch der Erbsünde.
Gut argumentiert, aber der Geist ist Ewig.
Die Dinge aber nicht. Sie sind immer einem ständigen Wandel unterworfen. In der Welt der Materie gibt es keine Unendlichkeit.
Halber Punkt.
Wieso bekomme ich nur einen halben?
Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach.
Aha, da sind wir bei einem interessanten Thema angekommen. Fleisch. Fleisch. Also, damit habe ich ein paar ernste Probleme. Eines würde ich gerne gleich mal los werden. Dieser Abraham, mit seinem angeblich von Gott befohlenen Kindes-Opfer, wie kam der bloß darauf? Was sollte das Opfer bezwecken?
Fleisch für Gold. Eine ganz üble Angelegenheit. Ein Missbrauch der Macht des heiligen Mantels. Er will Geld und bittet den Falschen.
Wer ist dieser Falsche?
Die Schlange an seinem Hals.
Wenn Abraham nicht macht, was der Falsche will, dann zieht er die Schlinge zu. Gefangen in der Maya zu sein ist sehr gefährlich. Abraham hatte schlicht Angst, denn Lot hätte ihn am Ende selbst umbringen können. Damit musste Abraham rechnen. Lot war eifersüchtig und wollte immer mehr Macht und vor allen Dingen Geld. Andererseits fürchtete er um seinen Einfluss, je älter Isaak wurde. Isaak wurde durch die Mutter, die in großer Feindschaft zu ihm stand, gegen ihn beeinflusst, und das wusste er. Abraham setzte er mit der Aussicht auf große, finanzielle Gewinne unter Druck. Denn, es war klar, für ein Pharaoenkind, da konnte man von seinem Gott schon was verlangen. Das war mehr als üblich und würde von ihrem Gott sicherlich mit großer Dankbarkeit entgegengenommen.

Eine ziemliche Versuchung für einen geld- und machtgierigen Adam.
Du sagst es.
Ich frage mich nur, wer gibt ihm am Ende das Geld? Zu welchem Gott spricht er? Vom welchem Geist erbittet er was?
Der Geist der Gier.
Ein gieriger Gott, würde er seinen Untertanen überhaupt etwas geben?
Nur wenn er es doppelt und dreifach zurück bekommt, das ist klar. Aber sich eine Hilfsmannschaft zu halten, das Prinzip hat er schon geschluckt und verstanden. Die hebt er sich dann für ganz zum Schluss auf.
Und dann, wenn alles aufgefressen ist, was frisst der Geist dann?
Nichts mehr. Dann entsteht am Himmel ein Schwarzes Loch.

Ohne zu merken, wie die Zeit vergeht, war es draußen finster geworden. Das Gesicht des Zauberers wurde immer dunkler und bald verschwand es ganz. Im Raum herrschte plötzlich Ruhe und ich konnte kaum noch einen Gegenstand erkennen, da sah ich ein Glitzern unter einem Türspalt. Ein leises Klopfen und SIE öffnete die Tür. Ich war sprachlos vor Erstaunen.
Madam hatte sich fein gemacht. Sie strahlte im Licht des Mondes, sie trug das lange, blonde Haar offen und es fiel über ein elegantes, weißes Kleid, welches über und über mit Perlen und Juwelen besetzt war, die ihre Formen angenehm betonten.
So, gehen wir? Ich bin fertig.
Ähm, Ich habe leider keinen Mantel dabei.
Dann besorgen wir Dir jetzt einen. Komm, der Mond geht gleich auf, ich kenne da eine interessanter Bar und von dort haben wir einen guten Überblick auf die Erde.

 

Die Sonderbar

Die Ruhe des Mondes ist doch eigentlich sehr ungewöhnlich, finde ich. Warum dreht er sich nicht um seine eigene Achse?
Er hält die Erde auf ihrer Bahn. Er stabilisiert sie.
Woher weiß der Mond, was er tun soll?
Weil es sich so ergab und als stabil erwies. Es ist nur eine der vielen Möglichkeiten von Erde-Mond-Konstellationen, aber eine sehr stabile.
Und auf dem Mond gibt es eine Bar?
Ja, man nennt sie auch Sonderbar, obwohl sie früher einen anderen Namen hatte. „Palast der Mondgöttin“, klingt schön, nicht.
Absolut.
Der Palast war tatsächlich einmal wunderschön. Doch, jetzt wohnt ein Mann im Mond, und wie die manchmal mit den Dingen umgehen, das ist ein Jammer.
Warum hat die Mondgöttin den Palast aufgegeben.
Aufgeben müssen, sie ist nicht freiwillig gegangen. Pass auf, ich materialisiere uns jetzt, dann verstehst Du besser, was ich meine.
Und wir befanden uns auf einer Abraumhalde. Es war stock finstere Nacht und Millionen Sterne glitzerten am Firmament. Was für eine grandiose Aussicht. Das Einzige, was störte, waren die Flutlichter und die LKW, die in einem ziemlichen Tempo und mit viel Krach an uns vorbei donnerten.
Was ist das denn? Das ist ja fürchterlich!
Wahnsinn, nicht war?
Die haben ja schon den halben Mond umgegraben! Ich fasse es nicht. Was suchen die denn hier?
Diamanten, Saphiere, Opale.
Ich denke auf dem Mond findet sich nur wertloses Mondgestein?
Wer glaubt das denn? Was glaubst Du denn, suchen die Menschen auf dem Mars? Soviel Aufwand für eine Handvoll roten Sand?
Aber, warum fliegen sie zum Mars, wenn der Mond doch viel näher ist, und es auch hier etwas zu finden gibt?
Schon besetzt vielleicht?
Du meinst, die fliegen zum Mars, weil der Mond schon vergeben ist?
So ist ihr Schicksal. Überall, wo sie hinkommen, wohnt schon jemand.
Nein, echt, ich fasse es nicht. Der Fluch wiederholt sich immer wieder? Auch auf dem Mars?
Da wird es ihnen ebenso ergehen. Die paar Marsmobile, die machen noch kein Geschrei, aber wenn sie persönlich kommen? Irgendwann ist dann natürlich Schluss mit lustig.
Aber, warum lässt man dann überhaupt Aktivitäten im Weltraum zu?
Ablenken und kontrollieren. In Verborgenem operieren. Im Schatten bleiben. Wenn die Menschheit erst einmal begreift, das sie tatsächlich nicht allein im Universum ist, dass im Gegenteil, die Erde sogar von mehreren außerirdischen Gruppen umgeben ist, dann, was glaubst Du, was passiert dann auf der Erde?
Puh … das gibt Krieg!
Und anschließend die EineWeltRegierung. Schließlich braucht man ja jemanden, der verhandelt.
Und, wenn dann so ein Dummkopf in der ersten Reihe steht, prost Mahlzeit.
Einer der Laster hätte mich doch beinahe um gefahren, wenn Isa mich nicht ein wenig zur Seite gezogen hätte.
Vorsicht, wir sind materialisiert.
Du auch?
Klar.
Wie machst Du das denn?
Meistertrick. Das verrate ich Dir vielleicht ein anderes mal. Jetzt gehen wir erst mal in die Bar.
Fallen wir in unseren Sachen nicht etwas auf?
Die sehen immer nur das in uns, was sie sehen wollen. Lass mich ruhig machen. Schau einfach nur zu.

Isa nahm ihr Haar beisammen und lachte mich an. Dann öffnete sie die Tür und in dem Augenblick betraten wir den Raum als zwei in Overalls gehüllte Werks-Arbeiter, die zur Pause in die Bar, genauer in die Sonderbar gingen. Hier war nicht alles Echt, was glitzerte, und nicht wenige Dinge entpuppten sich als holographische Projektionen. Noch nicht einmal die Glühbirnen waren echt.
Wir setzten uns an die Theke und bestellten ein Bier. Ein Bier … und einen doppelten Schnaps, korrigierte Isa sogleich, als sie sah, das der Wirt irritiert guckte, als sie zunächst nur das Bier bestellt hatte. Dann sah ich plötzlich an allen Tischen jemanden vor einem solchen „Herren-Gedeck“ genannten Drink sitzen.

Das hier war einmal mein Palast.
Wie, hier, genau an der Stelle?
Ganz genau.
Wahnsinn, das kann man sich hier und heute überhaupt nicht mehr vorstellen. Meine Güte, schau Dir nur die Gestalten an! Die haben aber schon ewig keine Sonne mehr gesehen.
Sklaven. Alles ihre Sklaven.
Von wem?
Der Bruderschaft. Der Bruderschaft der Schlange.
Ach.
Gefährliches Thema, gerade an diesem Ort hier. Lass uns an einem der Tische Platz nehmen, dann können wir uns besser unterhalten.

Wir setzten uns und ich schaute mich im Raum um. Stimmt, dies war ganz bestimmt mal ein sehr schöner Ort gewesen. Man konnte noch einige Wandmalereien erkennen, die durchaus auf eine große Vergangenheit hinwiesen. Aber keiner der Anwesenden bemerkte wohl etwas davon. Hier war jeder nur mit seinem eigenen Schicksal beschäftigt. Durchaus verständlich, wenn man die Umstände ihres Aufenthaltes nachvollzog.

Leben am Limit. Zuwenig zum Leben, zu viel zum Sterben. Gerade so, damit die Produktion erhalten bleibt. Mehr ist nicht gefragt.
Nun, ich wundere mich nicht, das Du hier nicht mehr wohnen magst. Ist zu laut und ungemütlich.
Leider ist damit auch die gute Aussicht auf und die Übersicht über die Erde verloren gegangen. Und, es gibt eben nun mal nur einen Mond. Umzug ist also nicht möglich.
Das heißt, Du brauchst eine neue Wohnung.
So ist das, ja.
Wie wäre es mit einer supermodernen Raumstation?
Als mobile Königin? Ein Königreich ohne festen Wohnsitz?
Dann müssen die Kerle eben hier weg, und Du ziehst hier wieder ein. Aus Basta! Du bist eine Göttin, verwende Deine Macht.
Was soll ich auf dem Mond, wenn die Menschen nicht mehr auf ihn schauen? Das wäre doch reine Energieverschwendung.
Ich fragte mich gerade, warum Isa wohl unbedingt in diese sonderbare Sonderbar hatte gehen wollen, da öffnete sich erneut die Tür und ein Kerl kam herein, der offensichtlich keiner der Arbeitssklaven war. Er setzte sich an einen Tisch und sogleich wurde ihm ein Drink serviert. Brandy oder so etwas. Unsympathischer Kerl, aber offensichtlich einer der Chefs hier.
Bleib ganz entspannt, die bemerken uns nicht, wenn ich es nicht will.
Aber, wer ist die Bruderschaft der Schlange? Sind das Menschen?
Sie gleichen ihnen sehr. Aber ihr Geist ist gefangen in der Maya.
Haben die vielleicht alle eine Schlange um ihrem Hals?
Sie sind die Schlangen.
Mir wird ein Bisschen unheimlich bei der Vorstellung. So richtig, echte Schlangen?
War Lot nicht auch eine Schlange?
Du meinst wirklich, Lot war ein Außerirdischer?
Ein Mischling. Halb Mensch, halb Reptil. Ein Grauer eben.
Lot ein Außerirdischer, wer hätte das gedacht? Eh, jetzt warte mal! Hat am Ende Lot den Mantel bekommen?
Nein, bis die Grauen in seinen Besitz kamen, das dauerte noch. Denn Isaak war zunächst einmal ein würdiger Träger des Mantels. Er vereinigte die Philosophie der Sonne mit der des Mondes, und verwendete seine Macht sorgsam. Er gab den Mantel seiner Mutter zwar auch nicht zurück, aber dies lag nicht daran, das er dies nicht gewollt hätte. Nur, was nützte ihr der Mantel, wenn man die Gabe nicht mehr hat? Isaak gab ihn dann seinem Sohn Jakob, den Zweitgeborenen, da er als einziger seiner Söhne die Gabe hatte. Und Jakob gab ihn dann an seinen Sohn Joseph weiter. Und mit dem Mantel auch immer das ganze Wissen. Nun, eines ist jedoch auch klar, alles Wissen blieb auf diese Weise nicht erhalten. Da ist auch viel Hokuspokus mit bei. Gute Zauberer waren eben auch damals selten. Einen kleinen Teil des magischen Erbes hat man dann später in der Kabala zusammen gefaßt. Aber das ist natürlich längst nicht alles.
Ich wüsste allein nur schon gerne, was in der Kabala steht.
Die Kabala ist ohne Mantel uninteressant.
Ja, nun sage schon, wo ist der Mantel dann jetzt? Doch nicht hier auf dem Mond?
Nein, in einer kleinen, goldenen Kiste. Ein Geschenk Lots an Jakob.
Die Pestkiste aus Sodom?
Du hast es erfasst.
Dann ist der Mantel ja untragbar!
Für einen Menschen ja, für einen Grauen nicht.
Das ist ja der Wahnsinn!
Abgebrüht, nicht wahr?
Scheiße ist das! Den Mantel kann man nur noch verbrennen!
Es sei denn, Du wünschst jemandem die Pest an den Hals.
Wie grauenvoll! Und den soll ich Euch zurück bringen.
Ich werde ihn reinigen lassen.
Schau mal aus dem Fenster! Ist das nicht eine wunderbare Aussicht?
Aber die Erde sieht man nie.
Hinter dieser Kuppe da, wenn man da hoch geht, und auf die andere Seite schaut, dann kann man die Erde sehen. Aber die Leute hier interessieren sich nicht sonderlich für die Ansicht der Erde. Hier wird dem Mammon gedient und Geld verdient.
Die Außerirdischen müssen tatsächlich schuften und Geld verdienen wie wir auch?
Na, was glaubst Du denn? Die leben schließlich auch nicht alle im Paradies. Wohlstand und ein Recht auf Bildung, das gibt es nicht für jeden. Diese Arbeiter hier wurden nicht gefragt. Sie sind Gefangene ihres Systems.
So wie wir.
Schlimmer. Hier ist es Arsch kalt und ziemlich trostlos. Schau Dich um. Hier steht kein einziges Haus. Kein Garten, kein Teich, kein See.
Na, das braucht einem auf dem Mond doch nicht weiter zu wundern. Hier wächst nun mal nichts.
Das war nicht immer so. Weder hier noch auf dem Mars.
Nein, das … Du meinst, der Mond, und der Mars … ja, und was ist mit der Venus?
Und Jupiter? Nun, alles kommt zu seiner Zeit oder hat die Phase schon hinter sich.
Da kriegt man ja fast Platzangst. Warum wissen die Menschen nur nichts davon?
Alles eine Frage der Indizien-Manipulation. Mit unseren eigenen Augen sehen wir nur, was wir auch erkennen. Der Rest ist unscharf oder Wischiwaschi. Oder, man sieht nur, was man will. Die meisten interessieren sich ja noch nicht mal für den Nachbar von Gegenüber, wen interessiert dann schon eine alleinstehende Frau mit oder ohne Eigenheim auf dem Mond.
Und wer sind die anderen?
Welche anderen?
Nun, es gibt Menschen, Graue und ehemalige Marsianer. Dann habe ich von Aldoberanern gehört, und von noch einer ganz verschwiegenen Truppe, den Leuten vom Stern gesunder Menschenverstand.
Oho, Du kennst aber schon einige ganz besondere Kandidaten. Doppelpunkt!

Wie verrückt war die Welt doch in Wirklichkeit! Da saß ich mit der Zauberin der Weißen Magie als versklavte Arbeiter verkleidet, in einer sonderbaren Kneipe hinterm Mond, auf der Suche nach einem Pest verseuchten blau-roten Mantel, der irgendwann zumindest von halben Außerirdischen gestohlen worden ist. Und nichts erschien mir realistischer. Die Welt war aus dem Gleichgewicht. Innen wie Außen. Und es braute sich etwas zusammen. Alles sah nach einer Vorbereitung aus. Für wann die Übernahme der Macht wohl geplant war? Oder wurden wir schon kontrolliert? Woran sollte man es erkennen, es sei denn, es wird weltweit in den Nachrichten gesendet: „Außerirdische zu Kapitulationsgesprächen aufgefordert! … Busch ist auf dem Weg zu ihrer Raumstation um über die feindliche Übernahme zu verhandeln … Kriegserklärung nicht sinnvoll, da wir uns vor einer überwältigenden Übermacht befinden … EineWeltRegierung gefordert. Einer der Bushs soll erster Präsident der Erde werden, allerdings in Tributpflicht zu unseren neuen Herren … feindliche Übernahme unblutig und endgültig.“

 

Die Pyramiden

Wir gingen im Schutz der Dunkelheit auf den Hügel, der den Horizont begrenzte und schauten auf die Erde.
Wenn Du genau hinschaust, dann siehst Du die Pyramidengürtel. Sie sind spiralförmig angeordnet. Sie wurden der Erde vor langer Zeit aufgeprägt.
Warum?
Um sie vor der Schlange zu schützen. Ein magisches Schutzschild sozusagen.
Ach … tatsächlich?
Alle heiligen Stätten dienen diesem Schutzsystem.
Auch die Kirchen?
Viele Kirchen wurden auf den Resten alter Kultstätten errichtet. Ihre Kraft ist jedoch nur noch selten zu spüren. Die Plätze verlieren ihre Macht. Die Schutzfunktion löst sich auf.
Ja, und jetzt?
Liegt die Erde ziemlich hilflos da. Sie kann sich nur selbst in die Luft sprengen. Genügend Munition hat der neue Präsident dann ja.
Die totale Vernichtung?
Aton ist unersättlich.
Aton, Aton … wer ist der Typ überhaupt?
Ihr Gott. Ihre Fleisch verzehrende, alles beherrschen wollende Schlange, ein entsetzlich hässliches Tier, das Tier mit der Nummer 666.
Was bedeutet diese Nummer?
Nun, vielleicht dass es mehrere gibt?
Oder es ist ein Code.
Oder Beides. Ein magischer Zahlencode. Ein Nummernschloss sozusagen.
Gibt man die Zahlenkombination ein, dann öffnet sich die Klappe und Du bist plötzlich Viehfutter.
So ist es.
Ja, aber so kann das doch nicht weiter gehen! Ich habe da keine Lust drauf. Wir können uns doch nicht einfach so den Hunden zum Fraß vorsetzen lassen.
Deswegen sollst Du ja auch den Mantel holen.
Und wo finde ich den?
In den Pyramiden.
Die Pestkiste ist da drin?
Die Pyramiden eignen sich hervorragend als Versteck.
Da schwirren doch Millionen Besucher herum.
Ja, glaubst Du denn, die dürfen irgendwas anfassen? Sich umschauen und im heißen Sand herum wühlen? Was erfährt der Besucher denn wirklich? Eine besser kontrollierte Kulisse für ein Versteck gibt es doch gar nicht!
Hm … das stimmt natürlich.
Und wer kontrolliert die Kontrolleure?
Die Bruderschaft.
Die gibt es also immer noch.
Sie wechselt nur ihre Namen und das Personal, die Firma selbst bleibt bestehen.
Die Bruderschaft ist ein Unternehmen?
Ein Megakonzern. Der Hyperkonzern. Dagegen sind Microsoft und selbst ein Land wie die USA oder Rußland ein Spielzeugladen. Die Bruderschaft kontrolliert einfach alles, und damit gehört ihr alles. Und der nächste Deal ist der Planet Erde.
Die Erde wird verkauft?
Das ist das Ziel der ganzen Angelegenheit.
Ja, und dann?
Dann wird geschuftet für die Herren.
Das kann ich mir gar nicht vorstellen.
Das ist ein gutes Zeichen. Vielleicht ist ja noch nicht alles verloren. Aber wir brauchen den Mantel. Ohne Mantel kann ich nichts für Euch tun.
Die Bundeslade
Wie sicherlich jeder schon gehört hat, die geheimnisvolle Bundeslade, das wertvollste und wichtigste Objekt der selbst ernannten Auserwählten, ging irgendwann im Laufe der Geschichte verloren. Einige Wissenschaftler glauben, das womöglich die Römer das Gold der Truhe eingeschmolzen haben. Auch der dazugehörige Tisch soll als Kriegsbeute durch die Stadt am Tiber getragen worden sein.
Nur, was ist mit dem Inhalt der Truhe, oder der Lade, wie diese goldene Kiste genannt wurde, geschehen? Wo ist der Mantel hin? Ob man ihn mit verbrannt hat?
Eigentlich müsste man mal untersuchen, wann und wo auf der Welt die Pest ausgebrochen ist. Vielleicht würde man dann die Spur erkennen, die der Mantel hinterlassen hat.

Zumindest aber das Prinzip „Unterwerfung durch Bedrohung“ hat alle Wirren überlebt. Volkskrankheiten sind die billigste und erfolgreichste Kriegsstrategie, die es in der Geschichte der Menschheit gegeben hat und gibt. Siehe Hühnerpest in China, Aids in Afrika, Ruhr, Malaria, Tbc, Hepatitis, … jede dieser Krankheiten schwächt das Volk und bedroht ihre Existenz ohne auch nur einen einzigen Schuss abzufeuern. Ein Mensch, der diese Macht in Händen hält, wird zu einer ersten Gefahr. Und wenn es dann noch so ist, das die Krankheit immer nur ganz bestimmte Volksgruppen befällt, dann ist die Bedrohung perfekt. Übrigens, den Israeliten von heute traut man die Erforschung und Entwicklung einer Wunderwaffe zu, die das Opfer auf genetische Weise bekämpft. Diese Waffe würde zum Beispiel nur Araber treffen. Irgendwie wiederholt sich alles immer wieder.

Und Isa, die große Zauberin, wollte den Mantel endlich wieder zurück und reinigen lassen um damit das Volk von der Bedrohung durch die Pestillenz zu befreien.
Sie glaubt den Mantel versteckt in den Pyramiden, nur wo genau?
Der Mantel befindet sich tief unter den Pyramiden in einer kleinen Kammer. Er liegt immer noch in der Lade. Er ist nicht mehr in bestem Zustand, aber er tut es noch.
Und wie komme ich da hinein?
Mit einer Fernbedienung
Und wo ist die?
In der linken Manteltasche.
Ha, ha … wie witzig. Und jetzt?
Selber bauen. Do it Yourself, wie die Amis sagen.
Na klasse, ich wusste doch, die Sache hat einen Pferdefuß! Ich bin schon froh, wenn ich mein Bombini ein paar Zentimeter bewegt kriege, und jetzt soll ich eine Fernbedienung für die Bundeslade entwickeln!? Ich bin doch nicht Leonardo da Vinci, dem jeden Tag eine neue Erfindung in den Kopf fällt.
Dann musst Du sie Dir eben zaubern.
Zaubern?
Ja, wünsche sie Dir.
Und dann?
Dann öffnest Du damit die Tür zum Himmelreich.
Das Tor in die 4. Raumdimension?
Genau. Und da gibst Du den Mantel ab.
Ich soll den Pest verseuchten Mantel in der 4. Dimension abgeben? Hör mal, die werden sich bei mir entsetzt bedanken. Was ist, wenn ich die Pest in die 4. Dimension verschleppe?
Vertrau mir.
Ich weiß nicht recht, Du erscheinst mir plötzlich so … sag mal, wie siehst Du überhaupt aus?
Wieso, was ist?
Deine Augen haben sich …
Verändert?
Ja.
Und?
Du siehst aus wie eine Schlange! Ich werde den Mantel nicht einfach so in die nächste Dimension tragen. Ich werde aber etwas andere tun, ich werde die Kiste in das obere Drittel der Pyramide tragen. Da mag es im Brennpunkt liegen und sich selbst entzünden.
Aber ich kann ihn reinigen, er muss nicht zerstört werden! Die Macht des Mantels kann wieder im alten Glanz erstrahlen! Ein EineWelt-Matriarchat …
Kommt nicht in Frage. Die Zeiten sind vorbei. Da mache ich nicht mit.

Söhne der Sonne

Die Geschichte von Kain und Abel kennt sicherlich auch jeder. Sie waren die Söhne Adam und Evas oder auch Abraham und Sahras. Diese gemeinsame Vergangenheit war ihr ganz großes Geheimnis und auch Sarhas größter Schmerz. Ein Brudermord aus Raffgier. Kain floh und sie sah ihn nie wieder. Aber sie wusste, er und seine Nachkommen hatten überlebt, irgendwo in der Fremde.
In der Bibel steht: Und Eva bekam von Adam einen Dritten Sohn, genannt Seth, als Ersatz für den verlorenen Abel. Und ich glaube, dieser Seth ist niemand anderes als Isaak. Der Sohn des Pharao, der Sohn der Sonne.
Und die Nachkommen aus dieser Erblinie, die nennt man die Mitglieder des Hauses David. Sie sind das wahre Königsgeschlecht und die Nachkommen Isaaks, dem Sohn des Pharao Thutmosis I. Ihre Geschichte vereinte den Kult der Sonne mit dem Kult des Mondes. Und darum muss es, meiner Meinung nach, in Zukunft auch wieder zwei Mäntel geben. Einen für RA und den anderen für Isa.

Ich könnte den Alten ja vernichten und Dir einen neuen weben?
Und wie lange bitte schön soll das dauern?
Nun, jedenfalls keine Ewigkeit. Alles hat irgendwann mal ein Ende.
Und so lange willst Du noch warten?
Nein, natürlich nicht. Doch ich will auch nicht die 4. Dimension verseuchen oder die hiesige Welt der Pestillenz aussetzen. Ein Keim genügt, und die halbe Menschheit liegt am Boden und verbeugt sich vor den grauen Schweinen. Den Hunden ihres Gottes. Den verdammten Schweinepriestern!
Hui, Du bist ganz schön in Fahrt!
Mir ist die ganze Brut so unsympathisch …
Du solltest Dein hitziges Blut dennoch im Zaum halten, denke nur daran, was Jesus am Ende passiert ist. Gewalt war schlicht der falsche weg.
Diesen Zusammenhang solltest Du mir aber mal genauer erklären? Was hat Jesus mit dem Mantel zu tun?
Oh, viel, schließlich war er der versprochene Messias. Und er war sogar bereit, die Krone Davids zu tragen. Nur lehnte er den Juwelen besetzten Goldreif der Hohepriester ab und verlangte einzig den Mantel zurück. Das verursachte natürlich große Unruhe unter den Grauen.
Wegen der Pest?
Nein, wegen der Macht. Denn Jesus wollte den Mantel nicht selber tragen. Er wollte ihn mir zurück geben.
Ach, das ist ja interessant. Und darum haben sie ihn umgebracht?
Ja, sie fürchteten sein loses Mundwerk, denn er kritisierte die Mächtigen, wo es nur ging. Und er war überaus überzeugend. Das Volk verehrte ihn. Und es verlangte ebenfalls nach dem Mantel. Immer lauter wurden die Rufe, man möge der Isis, so nannte man mich damals, den ihr gebührenden Mantel wieder geben.
Dafür haben sie ihn also kreuzigen lassen. Er ist nicht für seinen Vater, sondern für den Mantel seiner Mutter gestorben.
So ist es.
Er war also tatsächlich ein Sohn Gottes. Der Sohn der Sonne und des Mondes.
Ja, nur leider, wie ich schon mal sagte, er hat den Sieg nicht davon getragen. Der Mantel blieb verschwunden. Bis heute.
Und so erfüllte sich weiter der Fluch: Die Dummköpfe regierten weiter und die Frauen schauten hilflos zu.

Moses und Echnaton

Und auch ein anderer Aspekt der Geschichte wiederholt sich immer wieder. Josef, ein Enkel Isaaks trug also den Mantel nach Jakob. Ich frage mich nur, wenn seine Brüder den Josef tatsächlich als Sklave nach Ägypten verkauft haben, warum haben sie ihm den Mantel mitnehmen lassen. Sie wussten doch um seine Wunderkraft. Hätten sie ihn nicht behalten, wenn sie es gekonnt hätten? Warum wollten sie Josef und den Mantel unbedingt loswerden? Ob er da schon vergiftet war? War seine Macht dadurch vielleicht zu groß und gefährlich geworden? Oder war es anders? Musste Joseph fliehen, weil seine königliche, das heißt ägyptische Abstammung ihn dem eigenen Volk verdächtig machte? Steckte dahinter vielleicht der Versuch Lots, noch im hohen Alter die Macht an sich zu reißen? Und die falsche Schlange gibt ihm die Lade für den Mantel?
Allerdings, wenn Josef eine solch wertvolle Kiste im Gepäck haben konnte, dann ist er bestimmt nicht zu Fuß und ohne Gefolge gewesen. Vielleicht verließ er seinen Stamm sogar mehr oder weniger freiwillig. Vielleicht wollte er lieber bei seinen anderen Verwandten, den Ägyptern leben. Das würden die Juden natürlich nicht zugeben wollen, da behaupten sie lieber, sie hätten ihn in die Sklaverei verkauft.
Nun, und auf Grund des Skarabäus und der Inschrift fand Josef auch schnell Anschluss an das herrschende Königshaus, das zu dieser Zeit von Amenhotep III., einem Sohn Thutmosis III., regiert wurde. Auf Grund seiner großen diplomatischen Fähigkeiten gelangte er schnell in einflussreiche Positionen und bald schon war auch die gesellschaftliche Nähe zum Pharao so groß, das er seine Tochter Teje als dritte oder vierte Frau an ihn verheiraten konnte. Wieder einmal befand sich nun eine Ausländerin im Harem des Pharao. Diesmal erweckte sie keinen Neid, denn besonders schön war sie nicht.

Amenhotep III. Aber war dennoch begeistert von ihr und zeugte bald darauf einen Sohn mit ihr, den sie Amenhotep IV. nannten. Dieses Kind wurde jedoch gleich nach der Geburt versteckt, da es als Kind einer Ausländerin keine drei Tage im Palast überlebt hätte. Teja schickte ihren Sohn nach Heliopolis zu ihren hebräischen Verwandten, zu den Brüdern ihres Vaters. 20 Jahre verbrachte er im Norden bei seinen vielen Onkels, bis er dann, als die Zeit reif war, in seine Vaterstadt zurückkehrte und seinen Posten als zukünftiger Pharao einnahm. Josef und Tejes Stellung war mittlerweile so gefestigt, das keine direkte Gefahr für sein Leben mehr drohte. Er wurde mit Nofretete verheiratet, mit der er dann auch Kinder hatte. Allerdings nur Mädchen, der Junge namens Tutenchamun war das Kind seiner Halbchwester Scota.
Scota flüchtete später nach Irland und ihre Nachkommen führten dort den Sonnenkult ein. Den Mondkult kannte man dort natürlich bschon. Aber das ist eine andere Geschichte.

Amenhotep IV. hatte bei den Verwandten in Heliopolis den Atonkult kennen gelernt und er war hell auf begeistert von der Idee eines einzigen Gottes. Denn dieser sonderbare Kult wurde bei nicht wenigen Hebräern sehr gepflegt. Sie verehrten ihren einsamen Gott Aton. Mit der dummen Kuh, die das Pharaonenkind geworfen hatte, wollten sie möglichst nichts am Hut haben, denn für sie zählte nur der Gott der Gier.
Auch Amenhotep IV. ließ sich von diesem rachsüchtigen und gewaltigen Gott infizieren und als Zeichen seiner Huldigung an dieses oberste, männliche Herrschaftsprinzip änderte er seinen Namen in Echnaton.
Die Priester der Sonne waren entsetzt und nicht ohne Grund aufs höchste beunruhigt. Denn als Echnaton endlich auf dem Pharaonenthron saß, da ließ er im ganzen Land die Vielgötterei verbieten und insbesondere den Isiskult. Er verkündete die alleinige Herrschaft seines Gottes und verbreitete so die Folgen des gestohlenen Mantels auf das ganze Land. Die Erbsünde wirkte sich aus, die Frauen nahmen den Schleier und verzogen sich in den Hintergrund der Geschichte.
Echnatons Glaube verschmelzte nicht den Sonnen- mit dem Mondkult, sondern den pharaonischen Sonnenkult mit dem hebräischen Konzept eines unsichtbaren Schöpfergottes. Er glaubte, wie alle Hebräer, von Gott persönlich auserwählt worden zu sein, um den Atonkult in der Welt durchzusetzen.

Das konnte natürlich auf die Dauer nicht gut gehen, zumal die Führungspositionen des Landes, mittlerweile überwiegend in hebräischer Hand, nur Feindschaft im Volk auslöste. Die Hyskos waren noch immer nicht vergessen. 100 Jahre reichten nicht, um die Gräuel der Schäferkönige verblassen zu lassen. Echnaton und seine Leute wurden zutiefst gehasst und unter dem Mantel des Schweigens wurde von den Anhängern des Isiskultes eine Revolte geplant, die dann Echnaton mit seinen ganzen Anhängern aus Ägypten vertrieb. Diese Flucht in die Wüste kennt die Geschichte unter dem Begriff Exodus. Nie wieder sollte ein Mensch Echnatons Namen in den Mund nehmen, alle Inschriften und Wandgemälde wurden von der Erinnerung an ihn gesäubert. Und auch sein Sohn, Thutenchamun konnte sich nicht auf dem Thron halten, obwohl er öffentlich, dem, von seinem Vater eingeführten Atonkult, abschwor. Er wurde noch vor seinem 18. Geburtstag umgebracht.
Echnaton ließ sich von da an Mose nennen, ein Name, der später als Moses seine letzte Form und Geschichte fand. Denn die Hebräer ließen sich zwar von Echnaton durch die Wüste führen, aber ins gelobte Land folgte er ihnen nicht. Ich nehme an, am Ende waren diese Leute ihm einfach zu unsympathisch. Sein Grab wurde angeblich vor einigen Jahren entdeckt. Für einen Pharao ist dies sicherlich die höchste Strafe.

 

A und B

Wie haben den Zyklus mit Adam und Eva begonnen und wollen ihn mit RA und Isa beschließen. Und es zeigt sich beim Blick zurück:

Wird einmal an dem Zeiger gedreht,
die Uhr bis an ihr Ende geht.
Ein Fluch nimmt seinen langen Lauf,
die Ehre ist und bleibt verkauft.

Wir warten nun schon viele Jahre,
auf das sich finden die höchsten Paare.
Zum Glück geht alles einmal vorbei,
dann dreht sich um das große Ei.

Jetzt sind es nur noch ein paar Stunden,
haben lang genug geleckt an alten Wunden.
Jetzt will SIE IHN endlich wieder haben,
den Mantel aus vergangenen Tagen.

Und wenn es nun mal nicht geht mit Gewalt,
dann muss man ihn zaubern dergestalt:
Blau und Rot mit Perlen daran,
von denen eine die Erde sein kann.

Das ist natürlich nicht ganz einfach gemacht,
denn er ist verziert mit wahrlich großer Pracht.
Doch eigentlich kommt es darauf nicht an,
wichtig ist, das er sie liebt, ihr einziger Mann.
Isa, die vergessene Göttin des Lichts kam zu mir und setzte sich auf meinen bunten Teppich:
Na, was meinst Du, schaffst Du das? Holst Du den Mantel der weißen Kraft?
Puh … meine Liebe, das kann ich wohl nicht. Ich bin zwar eine kleine Zauberin, aber ohne Vitamin B. Wer interessiert sich schon für mich, solange mein Bombini nicht richtig fliegt.
Ach dieses dumme, dumme Ding! Deinem Kuchen fehlt doch nur noch etwas Licht.
Das habe ich auch schon gemerkt, doch woher nehme ich die Kraft, wenn das noch nicht mal der Jesus geschafft?
Lass dich von seiner Geschichte nicht entmutigen, er sollte den Mantel nun mal nicht verwenden. Seine Aufgabe war es ein Zeichen zu setzen. Und dies ist ihm wahrlich gut gelungen. Er gab Mut in den stillen Stunden. Doch heute ist Schluss mit der Warterei, bald wird gedreht das magische Ei. Der Mantel der großen Fledermaus, fliegt nun endlich wieder nach Haus. Die große Stille ist durchschritten, wir befinden uns direkt in der Mitte. Du brauchst jetzt nur noch A zu sagen, dann kommt das B in ein paar Tagen.
Abra-kada-bra, ist das die Lösung?
Dreh die Buchstaben doch mal um!
Arba-daka-rba? Arb-adak-arba? Arba-dak-abra? Was soll das heißen?
Du hast wirklich ein schlechtes Gedächtnis. Elifas Levi hat es doch schon vor vielen Jahren durch die Welt posaunt. Das gibt einen Minuspunkt.
Oh … Punktabzug gibt es also auch.
Logisch. Wie soll man sonst den Überblick über den Leistungsstand gewinnen? Da wirst Du wohl ein paar Stunden Nachsitzen müssen.

Mutter Isa griff mich an meinem Arm und zog mich auf die Seite:
Kind, jetzt höre mir mal ganz gut zu! Mit Deiner Ziererei ist ab jetzt Feierabend! Ich will den Mantel und Du bist die richtige Frau! Das ist genau die Kombination, die uns hilft in der derzeitigen Situation! Wasch Dir die Ohren und höre dies: Es ist scheiß egal, wer oder was Du bist! Ich weiß, das Du Dir Sorgen machst. Doch, was die Leute denken ist nicht von Belang. Solange Du auf dem Teppich bleibst, kann Dir gar nichts passieren. Und jetzt hole den Mantel, mir wird langsam kalt!
Also gut, ich werde es versuchen. Aber dazu brauche ich meinen Kuchen.
Dann lass uns zu RA in die Stube gehen, dann werde ich noch mal durch die Kugel sehen.

Und ehe ich mich versah, standen wir wieder in RAs Zimmer. Er saß am Tisch und aß gerade das letzte Stück Kuchen. Lächelnd schaute er uns an.
Na, eine schöne Nacht gehabt? Wart ja lang auf der Rolle.
RA, der Kuchen! Der Teller ist leer!
Ja, köstlich, ich danke auch sehr!
Isa und ich schauten uns an. Was war das nur für ein verfressener Mann!

Die Götter des Lichtes

Du meine Güte, ist die Nacht schon wieder um?
Isa war sichtlich genervt und genauso überrascht wie ich. An Ra hatten wir gar nicht mehr gedacht.
Und wo wart ihr?
Wir waren in der Sonderbar.
Oho … nicht ganz ungefährlich Euer Abenteurer. Ihr habt doch wohl nicht nach dem Mantel gesucht?
Doch, das haben wir allerdings.
Das Urteil ist ewig, ich sagte es doch schon.
Dann wirst Du mit uns untergehen.
Ha, das glaubt auch nur eine Frau! Ich komme jeden Tag immer wieder! Mich haut so schnell gar nichts um.
Du meine Güte, bist Du blind! Da an deinem Ärmel, da ist schon ein Loch! Was glaubst Du wie viel davon erträgst Du noch?
Isa kam mächtig in Fahrt.
Überall lungern die Dummköpfe rum, drehen an Gottes Plan herum, verursachen Kriege, Morden und Streiten … was glaubst Du auf welchem Trip die reiten? Wer schaut denn noch auf den großartigen Mann, der einst saß auf einem goldenen Thron, und den sie hießen: der Sonne Sohn! Irgendwann werden sie Dich vergessen …
Jetzt mach einmal halb lang mit Deinem Geschrei. Ich höre gut, sogar für Zwei.
Und trotzdem nagen die Motten an Deinem Mantel.

Isa musste offenbar immer das letzte Wort haben, wenn sie sauer und müde war.
Isa, leg Dich doch einfach ein Stündchen hin. Ich bin mit der Gesellschaft Deiner Freundin zufrieden bin.
Gut. Dann werde ich jetzt schlafen gehen, ich danke für die nette Begleitung. Bis später. Guten Tag.

Und weg war sie. RA schaute mich versonnen an. Mann war der schön, dieser herrliche Mann.
Und? Was machst Du jetzt?
Womit?
Mit dem Mantel. Zeigst Du ihn Deinem neuen Mann?
Hast Du IHN gefunden?
Hast Du den Mantel?
Noch nicht ganz.
Nun, dann habe ich den Mann auch noch nicht ganz.
Mann gegen Mantel?
Mann gegen Mantel.
Abgemacht. Aber Du solltest ihn besser reinigen lassen.
Das ist mit meinem Licht gar kein Problem.
Und? Gibst Du ihn dann an Isa zurück?
Das lass mal Deine Sorge nicht sein. Ich bin ein Mann und kein dummes Schwein.

Und so machte ich mich auf den langen Weg, der Bruderschaft der Schlange am helllichten Tag ins gut versteckte Körbchen zu greifen. Doch das ist eine andere Geschichte.

 

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