I Love Putin

 

I

PUTIN

Eine ganz verrückte Geschichte
von Monica Kraemer

2014

Lieber Leser

„Das ist jetzt wirklich mein letzter Versuch!“
Obwohl, das habe ich schon oft gesagt
und immer wieder fange ich von Neuem an,
denn die Geschichte, von der ich berichten möchte,
ist gar nicht so leicht erzählt.

Mein Freund sagt:
„Mach einen spannenden Agenten-Thriller daraus!“
Ein Therapeut meinte jedoch,
eine Biografie wäre interessanter, denn aus
meiner Geschichte könnten Viele etwas lernen.

Was soll ich also tun?
Wie und wo soll ich diesmal beginnen?
Ich habe im Grunde schon alles versucht,
aber am Ende dachte ich immer:
„Das ist irgendwie nicht gut genug!“

Meine Geschichte ist nun mal ziemlich verrückt
und stellenweise kaum zu glauben,
geschweige denn zu beweisen.
Darum lautet die Diagnose meiner Psychiaterin auch
chronische, paranoide Schizophrenie.

Aber ich möchte, dass Sie sich ihr eigenes Bild machen.
Denn eines ist klar, wenn meine Geschichte wahr ist,
dann haben wir alle etwas davon.
Dann stehen wir wahrlich vor einem riesigen Quantensprung
in eine großartige, wunderbare Zukunft.

Ich sage darum nur:
„Bedenken Sie, Genie und Wahnsinn
liegen oft sehr nah beieinander.“

Dimitri

„Und, was macht Deine Kleine?“ fragte Alexander Bulgakow, der wie immer ohne anzuklopfen ins Büro eintrat. Dimitri schaute auf und zuckte mit den Achseln. Alexander war sein Vorgesetzter, aber ihr Verhältnis war mehr freundschaftlicher Natur. Sie kannten sich schon lange und auch ihre Frauen trafen sich schon länger regelmäßig zum Kaffeeklatsch.

Alexander nahm auf dem Stuhl vor seinem Schreibtisch Platz und zündete sich eine Zigarette an. Auch Dimitri griff zu seiner Packung und steckte sich eine in den Mund. Ja, eine Pause kam jetzt gut, denn er saß schon viele Stunden vor seinen vielen Bildschirmen und kam einfach nicht weiter.
„Wie schon gesagt, sie hat ihren Rechner formatiert und das Betriebssystem gewechselt. Dieses scheiß Linux macht mich irre, ich komme bisher einfach nicht ungesehen bei ihr hinein. Sie hat einen Kumpel, der kennt sich zu gut aus, das Risiko entdeckt zu werden ist groß. Ihr Passwort habe ich zwar schon entschlüsselt, aber wie ich mein Kätzchen hinein bekomme, daran arbeite ich noch.“

„Ist ihre Festplatte denn verschlüsselt?“
„Nein, wie ich sie kenne ist es ihr zu unbequem, jedes Mal drei Passwörter eintippen zu müssen, das ist nicht ihr Ding.“
„Vielleicht will sie ja auch den Kontakt zu uns nicht zu sehr erschweren. Bisher hat sie uns doch immer ein Hintertürchen offen gelassen. Hier, das habe ich von einem schlauen Chinesen bekommen, damit kommst Du Linux hin oder her sicher und vor allen Dingen ungesehen hinein, sagt er jedenfalls.“
Alexander reichte Dimitri einen Stick und drückte seine Zigarette in einem Aschenbecher aus. „Den kannst Du ruhig mal ausschütten, mein Lieber,“ sagte er , klopfte seinem Freund auf die Schulter und verließ den Raum.

Dimitri steckte den Datenträger ein und beugte sich wieder über seine Tastatur. Dann wollen wir doch mal sehen, was meine kleine Revolutionärin gerade so treibt, dachte er. Sie war nicht die Einzige, um die er sich zu kümmern hatte, aber sie war zu seinem Liebling geworden. Er beobachtete ihre Aktivitäten nun schon seit vielen Jahren. Er rechnete nach, ja, mittlerweile waren es fast 9 Jahre, und da blieb es einfach nicht aus, dass man ein enges Verhältnis aufbaute. Klar, die Beziehung war wie immer etwas einseitig, aber deshalb nicht weniger intensiv. Eine Zeit lang war er sogar etwas verliebt in sie gewesen, denn seine kleine Revolutionärin war wirklich eine außergewöhnliche Frau. Und ganz ehrlich, wenn es nach ihm gehen würde, dann würde er bei ihrer Revolution gerne mitmachen. Das konnte er natürlich niemanden hier erzählen, auch Alexander nicht. Der Auftrag beschränkte sich zudem ausdrücklich nur auf die verdeckte Beobachtung, helfen durften sie ihr alle nicht.
Er tippte verschiedene Befehle in die Tastatur und dann atmete er erleichtert aus. Er war endlich drin! Er schaltete schnell die Kamera ihres Laptops ein und sein Herz machte einen kleinen Sprung. Endlich, da sah er sie wieder. Sie saß in der Frühlingssonne ihres Gartens vor ihrem Laptop und schrieb. Als er sich den Titel ihrer aktuellen Datei anschaute, da musste er lachen. „I LOVE PUTIN!“ Na, das wurde ja nun wirklich auch langsam Zeit!

Alexander

Alexander schüttelte innerlich mit dem Kopf. Diese Monalisa gab einfach nicht auf, dabei hatten sie wirklich alle Register gezogen und er war damals absolut sicher gewesen, dass sie von dieser Frau nie wieder etwas hören würden. Er hatte mit Abronov sogar um eine Kiste besten Vodkas gewettet. Abronov aber hatte ihn gewarnt, ihr Gedächtnisverlust würde nicht ewig andauern, unkte er. Seiner Meinung nach war Monalisas Persönlichkeit auch nicht dauerhaft in eine einfache Hausfrau zu verwandeln. Abronov wollte darum lieber Nägel mit Köpfen machen. Alexander jedoch hatte der großen Erfahrung der Hauptabteilung 12 vertraut. Dort hatte man ihm versichert, dass ihre neueste Methode bisher in allen Fällen absolut erfolgreich gewesen sei. Man hatte ihm einige Beispiele vorgeführt und danach war er überzeugt gewesen. Doch nun kamen ihm Zweifel. Monalisa war zwar nach Dimitris Einschätzung mental immer noch etwas eingeschränkt, aber wenn man las, was sie im letzten Sommer in ihren Rechner getippt hatte, dann konnte man nur zu der Erkenntnis kommen, dass sie sich nun erst recht radikalisierte. Von Aufgeben konnte wahrlich keine Rede sein. Er fragte sich nicht zu Ersten mal: Warum konnte diese Frau nicht einfach Ruhe geben? Sie musste doch langsam wirklich begriffen haben, dass sie sich mit Gegnern angelegt hatte, die, wenn es nötig werden würde, ohne mit der Wimper zu zucken auch Nägel mit Köpfen machten. Ja, dass sie heute noch lebte, das hatte sie doch letztendlich nur ihm zu verdanken. Ihm und der Hauptabteilung 12.
Er öffnete die Tür zu seinem Büro und nahm den Telefonhörer in die Hand. Er hielt inne und legte wieder auf. Er entschied mit seine Meldung lieber persönlich zu machen.

Frisby

Zur gleichen Zeit in Bonn. Frisby gab seinem Sohn einen letzten Gute-Nacht-Kuss, er zog den Vorhang vor das Fenster und löschte das Licht des Kinderzimmers: „Schlaf jetzt, mein Großer.“ Dann ging er zu seiner Frau , die schon vor der Tagesschau saß. Er beugte sich über sie und sagte: “Liebes, ich muss noch etwas erledigen, es dauert nicht lange.“ Nadia schaute etwas enttäuscht zu ihm auf, lächelte ihn dann jedoch an und sagte: „Um 9 Uhr kommt Hart aber Fair, es geht um den Hoeneß.“
„Bis dahin bin ich fertig.“ Frisby gab seiner Frau einen Kuss und betrat sein Arbeitszimmer. Er war von Beruf Programmierer und arbeitete meistens von Zuhause aus. Sein Spezialgebiet war die Programmierung von Computerspielen und er und seine Familie lebten mittlerweile ganz gut davon. Sie waren vor drei Jahren nach Bonn in eine schöne, große Altbauwohnung gezogen und auch sonst fühlte er sich in dieser Stadt sehr wohl. Das war in seiner Duisburger Zeit etwas anders gewesen.

Er öffnete die Tür eines Wandschranks und holte einen kleinen Laptop hervor. Er nutzte ihn schon länger nur noch sporadisch, doch heute hatte er eine verschlüsselte Nachricht auf sein Handy bekommen, dass er sich melden sollte. Er steckte das Lankabel ein. Dieser Laptop ermöglichte eine besonders sichere Kommunikation mit seinem Kontaktmann. Er schaltete das W-Lan ab und ging das bestens gesicherte Postfach durch und las die eingegangene Mail. Er war etwas überrascht. Sollte die verrückte Geschichte etwa wieder von Vorne beginnen? Er hatte im letzten Sommer bei seinem  Besuch doch sehr stark den Eindruck gehabt, das Monalisa  immer noch ziemlich daneben war. Von ihr, so hatte er es beurteilt, ging sicher erst mal keine Aktion mehr aus. Doch wie er las, die Russen sahen das anscheinend etwas anders und darum, so lautete sein Auftrag, sollte er in bei Gelegenheit bei ihr noch einmal persönlich vorbei schauen um sich ein aktuelles Bild von ihrer Verfassung und vor allen Dingen von ihren Zielen zu machen.
Glücklicherweise hatte er schon vor vielen Jahren ihr Vertrauen gewonnen und so erfuhr er eigentlich immer sehr genau, was sie plante und tat. Als er das letzte Mal bei ihr gewesen war, da hatte er festgestellt, dass sie zwar wieder revolutionären Visionen nach hing, doch waren ihre Ideen so illusorisch, dass sie diese niemals alleine würde realisieren können und Frisby konnte sich wirklich nicht vorstellen, dass Monalisa für ihre verrückten Ideen jemals irgendwelche Unterstützung finden würde.
Monalisa hatte ihn gefragt, ob er ihr nicht helfen könne, aber er hatte natürlich gleich abgewunken. Er hatte ihr erklärt, dass er sich für die große Politik nur noch sehr bedingt interessieren würde, denn ihm sei diese mittlerweile ziemlich egal. Sein Sohn sei nun der Mittelpunkt seines Lebens. Das hatte sie natürlich etwas enttäuscht, aber sie verstand auch, dass er als Familienvater Verantwortung tragen musste und auch sonst genug zu tun hatte. Seine Programmierei gab es schon lange nicht mehr umsonst und Monalisa hatte nun mal kein Geld übrig mit dem sie selbst günstigere Helfer bezahlen konnte. Und darum war die Chance, dass sie jemanden fand, der ihr half ihre Ideen umzusetzen, sehr gering.
Er hatte über diesen Besuch natürlich einen Bericht angefertigt und auch in Hongkong hatte man über Monalisas Idee einer virtuellen Regierung laut gelacht. Diese Frau erträumte sich wie immer das Unmögliche.

Als er sie kennen gelernt hatte, da hatte der Afghanistan-Krieg gerade begonnen und sie meinte doch tatsächlich, dass die Taliban nicht mit Bomben bekämpft werden könnten, sondern nur mit Laptops. Sie meinte, man müsse der breiten Bevölkerung den Zugang zum Internet ermöglichen, dann wäre das Land schnell kuriert. Bildung sei nun mal der einzige Weg zu Frieden und Wohlstand und dies sei zudem erheblich billiger als der ganze Militärscheiß. Er hatte damals schallend gelacht, denn offensichtlich hatte Monalisa keine Vorstellung von den wirklichen Verhältnissen in der Welt und den eigentlichen Kriegszielen der Amerikaner. Denen war es nie um die Bevölkerung gegangen, sie verdienten aber immer sehr gut an einem Krieg und sie wollten vor allen Dingen den Opiumanbau wieder in Gang bringen, den die Taliban so erfolgreich bekämpft hatten. Schließlich verdienten entscheidenden Kreise daran Unsummen. Um Osama Bin Laden war es natürlich auch nie gegangen, der war schließlich ihr eigener Mann. Nein, es ging wie immer um Öl-Pipelines und eben in Fall von Afghanistan um den Drogenhandel..
Trotzdem hatte Monalisa natürlich eigentlich vollkommen Recht. Panzer zu Laptops, das war viele Jahre auch seine Devise gewesen. Aber diese Zeiten waren für ihn vorbei, seine Frau und sein Sohn gingen eindeutig vor.

Seniore Monetti

Seniore Monetti kam von einer Besprechung unter vier Augen mit dem ehemaligen Papst Benedikt nach Hause. Sie hatten zusammen ein kleines Nachtmahl eingenommen und danach noch einen Gang durch den Garten gemacht. Der Abend war für Mitte März angenehm lau gewesen. Benedikt hatte seine letzte Erkältung zum Glück schnell überstanden und es ging ihm erstaunlich gut zur Zeit. Die Ruhe und Erholung des letzten Jahres hatte ihm sichtbar gut getan und Monetti war erleichtert. Er schätzte Benedikt sehr und er durfte davon ausgehen, dass dies auf Gegenseitigkeit beruhte. Für den alten Papst war er seit der Vatileaks-Geschichte zum einzig wirklich vertrauenswürdigen Gesprächspartner geworden, denn Monetti hatte mit dem Vatikan und seinen Intrigen absolut nichts zu tun. Sie waren einfach Freunde und kannten sich jetzt schon eine halbe Ewigkeit. Benedikt betraute ihn daher immer wieder mal mit besonders delikaten Angelegenheiten. Auch diesmal ging er nicht ohne einen kleinen Auftrag nach Hause.

Er steckte seinen Schlüssel in das Schloss der schweren, reich verzierten Haustüre und betrat den großzügigen Eingangsbereich seiner Stadtvilla. Er war kurz nach dem 2. Weltkrieg in diesem Haus geboren worden und er würde dort hoffentlich auch einmal sterben. Er liebte dieses große und dennoch sehr behagliche Haus. Es hatte einen herrlichen Innenhof, wo er gerne seinen Kaffee trank und ausgiebig die Zeitung las, seit er in Pension gegangen war.
Seine Frau war leider schon vor 10 Jahren gestorben und die Kinder kamen nur selten, denn sie lebten in der ganzen Welt verstreut. Er freute sich darum immer sehr, wenn sein Sohn und seine beiden Töchter mit ihren Familien die Weihnachtszeit bei ihm verbrachten. Er liebte seine Enkel und im letzten Jahr war der Älteste von ihnen zusammen mit einem Freund in den Sommerferien zu ihm nach Rom gekommen. Sie hatten wie nicht anders zu erwarten war die Stadt unsicher gemacht und einmal hatte er sie sogar dabei ertappt, dass sie einen Joint geraucht hatten. Nun, er hatte getan, als hätte er nichts gemerkt, aber er kannte den Geruch sehr wohl aus eigener Erfahrung, schließlich war auch er mal jung gewesen.
Dennoch hätte er niemals gedacht, dass Benedikt ebenfalls Interesse an dieser Droge haben könnte. Monetti schüttelte mit dem Kopf. Wenn er dies seinem Enkel erzählen würde, der würde ihn für verrückt erklären. Der ehemalige Papst ein Kiffer und sein geliebter, super seriöser Opa ein Drogendealer! Das würde sein Weltbild völlig auf den Kopf stellen. Er musste lachen, vielleicht würde er ja schon bei seinem nächsten Besuch im Vatikan mit Benedikt zusammen eine solche Wundertüte rauchen.

Benedikt hatte ihm auch seinen neuen Laptop gezeigt und das war eigentlich noch erstaunlicher, denn er hätte niemals gedacht, dass sich Benedikt auf seine alten Tage noch darauf einlassen würde, sich mit dieser Technik auseinander zu setzen. Doch Benedikt hatte ihm erklärt, dass man heutzutage die Welt nur noch verstehen könne, wenn man sich regelmäßig im Internet umsah. Senior Monetti besaß natürlich auch einen Computer, aber den nutze er mehr als Schreibmaschine und zur E-Mail-Kommunikation. Bisher war er noch nie auf die Idee gekommen seine Zeit mit Surfen zu verbringen. Doch Benedikt meinte zu ihm, er glaube, auch der liebe Gott schaue sich dort regelmäßig um, denn in den Zeitungen und im Fernsehen würden einfach nur noch Halbwahrheiten oder sogar glatte Lügen verbreitet. Zur Zeit interessiere er sich sehr für die Vorgänge in der Ukraine, denn diese Spannungen könnten leicht in einen 3. Weltkrieg ausarten.
Monetti befürchtete dies jedoch nicht, denn Kriege gab es eigentlich nur, wenn bestimmte Kreise dies wollten und soweit er informiert war, hatte man dort zur Zeit kein Interesse daran. Aber Russland wirtschaftlich ernstlich zu schaden, nun, das war schon in ihren Sinne.

Monetti betrat die große Küche und machte sich seine Milch mit Honig warm. Er schaute in den Kühlschrank und stellte fest, Maria, seine treue Haushälterin hatte wie immer dafür gesorgt, dass er nicht verhungern musste. Sie war wirklich eine sehr gute Seele und kam mittlerweile schon seit mehr als 10 Jahren zu ihm. Sie kümmerte sich darum, dass es im Haus immer nach dem Besten stand und auch heute hatte sie etwas Kuchen für ihn bereit gestellt. Aber er hatte keinen Hunger und wollte nur noch schnell mit seiner Milch ins Bett. Morgen würde er sich dann um seinen Auftrag kümmern und etwas Cannabis besorgen. Er wusste sehr wohl wie er möglichst diskret an diese Droge kam.

Benedikt

Benedikt stand am Fenster seines Schlafzimmers und schaute hinaus in den Garten. Das Mondlicht tauchte die gepflegte Pflanzenwelt in ein zauberhaftes, magisches Licht. Die Ruhe und der Friede der Welt schienen fast zu greifen zu sein. Jedoch, er konnte nicht einschlafen, denn er machte sich Sorgen. Er dachte: „Ich hätte damals nicht zustimmen dürfen, im Gegenteil, ich hätte mich für dieses verrückte Ding stark machen müssen. Dann wäre die Welt heute schon eine ganz andere.“ Aber wie alle anderen hatte er Angst vor der Erschütterung, ja der Revolution gehabt. Er hatte befürchtet, dass es wegen dieses angeblichen Kinderspielzeugs zu einem großen, globalen Krieg kommen würde, denn die Mächtigen der Welt hätten sich dieser Wunderwaffe garantiert nicht kampflos ergeben. Er und auch alle anderen wollten damals das Risiko nicht eingehen, aber was hatte er damit erreicht? Erst die Sache mit Syrien und jetzt rasselten die Säbel wegen der Krim. Wenn die Vernunft nicht langsam zurück kehrte, dann würde er den 3. Weltkrieg doch noch erleben müssen. Diese verrückte Designerin hatte recht gehabt, nur die freie Energie garantierte Gerechtigkeit, Wohlstand und Frieden für die ganze Welt. Und er hätte ihr helfen können, dieses Ziel zu erreichen. Aber er hatte sich vor den dazu notwendigen revolutionären Umwälzungen gefürchtet und daher für die Notbremse gestimmt. Was wird der Herr im Himmel wohl zu ihm sagen, wenn er in Kürze vor ihn treten muss? Wird er ihm verzeihen können? Wird er verstehen, dass er es im besten Sinne getan hatte? Er hatte doch nur das totale Chaos verhindern wollen.
Benedikt zog den schweren Vorhang vor und seufzte. Jetzt hatte er keine Macht mehr in der Welt, nun musste Franziskus die Dinge entscheiden. Franziskus war mutiger als er und zog tatsächlich neue Seiten auf. „Wird er anders entscheiden, wenn er vor die Wahl gestellt wird, entweder alles bleibt wie es ist, oder alles wird anders,“ fragte er sich nicht zum ersten Mal. Denn, ja, dieser Tag würde auch für Franziskus kommen, wenn dieser unheimliche Josef Recht behielt, und Monalisa wirklich die war, für die Joseph sie hielt.
Er kroch unter seine Decke und machte die Nachttischlampe aus. „Ach, lieber Gott, bitte verzeih mir. Ich verspreche Dir, wenn Du mir noch etwas mehr Zeit lässt, dann werde ich meinen Fehler nicht wiederholen, mehr noch, diesmal werde ich ein Revolutionär sein.“

Arsamas 12

Maria Seranow setzte einen Kessel mit Wasser für ihren Tee auf. Sie hatte etwas verschlafen und musste sich mit dem Fertigmachen beeilen. Sie ging in ihr kleines, erst vor kurzem renoviertes Bad und schaute in den Spiegel. „Ich werde alt …“, dachte sie nicht das erste Mal. Sie würde in wenigen Tagen 50 Jahre alt werden und ihr einst strahlend blondes Haar wurde zunehmend grauer und stumpfer. Es ging ihr immer noch fast bis zur Hüfte, allerdings trug sie es meistens zu einem Knoten gebunden und auch jetzt flocht sie es zu einen langen Zopf, den sie dann im Nacken zu einer Schnecke rollte und feststeckte.
Sie hörte den Wasserkessel pfeifen und so beeilte sie sich mit ihrem Make up. Sie schlüpfte in ihr geliebtes, dunkel blaues Kostüm und zog die Seidenstrümpfe zurecht. Ihr war ein gepflegtes Äußeres immer sehr wichtig gewesen und jetzt wo sich die ersten Falten zeigten war es ihr wichtiger denn je.
Als sie in die Küche kam, hatte ihr Mann Micha den Tee schon aufgegossen. Sie gab ihm einen Kuss und tat sich etwas Zucker in ihren Becher. Wie immer meldete sich das schlechte Gewissen, denn die Waage zeigte seit einigen Jahren nur noch nach oben. Aber ihr Mann fand ihre fraulichen Rundungen zum Glück sehr ansprechend und auch jetzt konnte er es nicht lassen und klopfte ihr zärtlich auf den Hintern.
„Wann kommst Du denn zurück?“
„Ich will nach der Arbeit mit einer Kollegin noch in die Sauna, es wird also etwas später werden.“
„Und wir machen heute einen wichtigen Versuch. Ich bin auch nicht vor 10 zurück,“ sagte Micha mit einem Bedauern und er nahm sie von hinten in seine Arme.
„Eh Du, zerknittere mich nicht, ich muss jetzt los. Wenn Du magst, auf dem Herd findest Du noch etwas von Gestern.“ Sie gab ihm einen Kuss auf den Mund und griff nach ihrem gefütterten Wintermantel. Es war zwar heute kalendarischer Frühlingsanfang, aber das interessierte Sibirien nicht. Draußen lag immer noch vereister Schnee. Aber immerhin, es war nicht mehr dunkel draußen, wenn Sie zur Arbeit ging.

Ach, dachte sie wie schon so oft, warum konnte Arsamas nicht am Schwarzen Meer liegen? Dann könnte sie mit Micha nach der Arbeit über die herrliche Promenade flanieren und sich auf die Terrasse eines dieser wunderschönen Eiscafes setzen um die Wärme der Sonne zu genießen und den herrlichen Sonnenuntergang zu bewundern. Sie vermisste ihre Heimat, ihre wunderschöne Krim. Gerade jetzt, wo diese endlich wieder zu Russland gehörte. Sie hatte die dortige Entwicklung in den letzten Tagen mit klopfendem Herzen verfolgt. Putin war wirklich der Größte! Er war ein echter Mann der Tat und es war in ihren Augen auch überhaupt kein Wunder, dass gerade die Frauen ihn bewunderten. Jede Frau wünschte sich so einen starken und selbstbewussten Mann, einer der wusste, was er tat. Und Putin hatte die Lage genau erkannt und nicht gezögert. Mit ihm wird Russland wieder groß und mächtig werden und das arrogante Amerika in seine Schranken weisen, dachte sie ebenfalls nicht zum ersten Mal.

Sie griff nach ihrer Handtasche, trat auf die Straße und machte sich auf den Weg zur nahe gelegenen Bus-Haltestelle. Dort warteten schon einige Kollegen. Der Bus würde einmal durch die Siedlung fahren und dann alle zum einzigen Arbeitgeber weit und breit bringen. Arsamas 12 war eine von vielen geheimen Forschungsstätden, die auf keiner Karte der Welt zu finden waren und Maria war stolz dort arbeiten zu dürfen. Bevor jemand hier eine Stelle bekam, musste er strengste Überprüfungen durchlaufen. Das Gehalt war überdurchschnittlich und die Arbeit wirklich sehr interessant. Sie hatte hier auch ihren zweiten Doktor gemacht. Sie war Physikerin und fand in Arsamas die besten Bedingungen für ihre Forschung vor. Leider konnte sie mit fast niemanden über ihre Arbeit reden, selbst ihr Mann wusste nicht viel. Sie hatte ihm nur erzählt, dass sie seit einiger Zeit an einem neuen Anti-Gravitation-Experiment arbeiten würde. Er selbst sprach auch nur wenig über seine Arbeit. Er war Ingenieur und soweit sie wusste, versuchte sein Team immer noch, das Flugobjekt ans Laufen zu bringen, die sie im Jahr 2007 als Bausatz erhalten hatten. Wo dieses Ding her war, dass wusste hier keiner so genau, aber es ging das Gerücht, dass sie ein überraschendes Geschenk von Zeitreisenden gewesen sein soll. Sie hätte es sich  ja gerne mal genauer angesehen, aber bisher hatte sie leider noch keine Erlaubnis dazu bekommen.
Der Bus fuhr vor und sie stieg mit den anderen ein. Sie freute sich auf ihre Arbeit. Nur eines war wirklich schade, sie würde noch lange warten müssen, bis sie zurück auf ihre geliebte Krim kehren konnte, denn wer einmal in Arsamas war, der kam so schnell nicht mehr von dort weg. Normalerweise musste man bis zur Pensionierung bleiben und Urlaub war nicht selbstverständlich. Denn, offiziell gab es sie alle gar nicht, offiziell waren sie vielleicht schon seit Jahren in die Staaten ausgewandert oder gar verstorben.

BND

Thomas Müller griff nach der nächsten Akte. Sie war ziemlich dick und ihm gut bekannt. Allerdings wunderte er sich, diese auf seinem Schreibtisch vorzufinden, denn seiner Meinung nach war der Fall längst erledigt. Er schlug sie auf und las den Vermerk, der sich darin auf der ersten Seite befand. „Die Hunde und auch eine Katze sind erwacht. Bitte überprüfen!“Na, was ging da denn vor, fragte er sich ziemlich erstaunt. Seiner Informationen nach war die Lage seit Jahren unverändert. Die Zielperson verhielt sich völlig unauffällig. Was hatte die Tiere nur aufgeschreckt? Er las den ganz zu oberst liegenden, kurzen Bericht, er kam aus der Abteilung 4. Nun, denen war bisher nichts Besonderes aufgefallen, nur, dass der Rechner der Zielperson seit einigen Tagen wieder angezapft wurde. Was wollte man denn nun schon wieder von der Frau? Er las den Bericht zu Ende und schüttelte mit dem Kopf. Sie schien sich auf die Wahrsagerei verlegt zu haben. Das war doch nun wirklich absolut harmlos, wer glaubte denn schon an so einen Scheiß? Dem Bericht waren einige Seiten eines Manuskriptes mit dem Titel „Kartenlegen für Fortgeschrittene“ beigefügt und Thomas überflog sie etwas genervt. Seit wann musste er sich mit so einem Schwachsinn abgeben? Hatten sie seit Snowden nicht besseres zu tun? Sein Blick blieb an einer Überschrift hängen. „Malaysia MH 370“. Er las den dazugehörigen Text. Hm … sie ging also von einem erweiterten Selbstmord aus. Damit lag sie wohl nicht falsch, auch wenn die Malaysier davon nichts wissen wollten. Aber nach einem Terrorakt sah es nun wirklich kaum noch aus. Und die Tatsache, dass einer der Piloten Probleme in seiner Ehe hatte, das musste doch eigentlich auch die malaysische Untersuchungskommission hellhörig machen. Aber die hielten sich ja generell sehr bedeckt.
Er blätterte weiter. Oh, was war das denn für ein Titel? „I LOVE PUTIN!“ Na, na, na, wenn sie wüsste, was sie gerade diesem Mann zu verdanken hatte, dann würde sich diese Liebe sicher schnell wieder verflüchtigen. Er las den dazu gehörigen Text. So, so, sie hatte also großes Verständnis für die Annexion der Krim, nun ja, damit war sie leider nicht alleine. Am Freitag hatte das ZDF Umfragen veröffentlicht, die darauf schließen ließen, dass die Bevölkerung sich weniger über Putins Überraschungscoup aufregten, als vielmehr über die einseitige Berichterstattung der westlichen Medien. Die Leute informierten sich heutzutage zunehmend über das Internet, da war es nicht mehr so einfach die öffentliche Meinung zu steuern wie dies früher möglich gewesen war. Damit sollten sie sich viel intensiver auseinandersetzen und nicht mit dieser verrückten Designerin. Die hatten sie doch wirklich voll unter Kontrolle. Er schloss die Akte, allerdings nicht ohne einen Vermerk zu hinterlassen, dass man die Aktivitäten der Hunde und Katzen beobachten solle um herauszufinden, was sie aufgeschreckt hatte. Damals hatten sie die Brisanz der ganzen Geschichte leider viel zu spät begriffen, diesmal sollten sie besser vorbereitet sein.
Aber wem sollte er die Bearbeitung dieses Falls anvertrauen? Es musste jemand sein, der den Mund auch wirklich halten konnte, denn die Sache war immer noch absolut top secret. Es musste zudem jemand sein, der sehr gute Kontakte zu allen Seiten hatte, auch zum Vatikan und zu den Russen. Vielleicht sollte er die Angelegenheit vorerst auch gar nicht aus der Hand geben. Er griff zu seiner Thermoskanne und goss sich einen Kaffee ein. Ja, so dachte er nach einem Schluck aus seinem Becher, besser er schaute sich die Sache erst mal selber an. Die Hunde bellten sicher nicht ohne Grund und was die Katzenliebhaber anging, nun, die werden sich über die Liebeserklärung sicher sehr gefreut haben. Er legte die Akte also in sein Regal und dort vergaß er sie dann erst mal.

Area 51

Cliff und Jonny stiegen aus ihrem Van und holten ihre Kamera und das dazugehörige Stativ aus dem Wagen. Sie bauten alles schweigend auf. Die Sonne war gerade untergegangen und sie mussten sich beeilen, denn wenn ihre Informationen stimmten, dann würden sie heute beste Chancen haben, ein ganz tolles UFO zu filmen. Sie waren schon oft hier vor Ort gewesen und sie besaßen auch schon viele Stunden bestes Filmmaterial von unbekannten Flugobjekten, aber dass was sie heute zu sehen hofften, das war dennoch etwas ganz Besonderes. Es musste sich dabei um ein außergewöhnliches UFO handeln, denn es leuchtete nicht nur wie ein kleiner, hüpfender Stern am Horizont. Als sie das letzte Mal vor Ort gewesen waren, da hatten sie es leider nicht geschafft Aufnahmen davon zu machen, denn sie hatten ihre Kamera schon zusammengepackt, als es aufgetaucht war. Und leider war es viel zu schnell hinter den Hügeln verschwunden. Es leuchtete nicht einfach nur weiß, nein, es blinkte praktisch in allen Farben. Es war auch viel größer gewesen als alles, was sie sonst hier aufgenommen hatten. Ihr Informant hatte ihnen gesteckt, dass dieses neue Schiff heute wieder zu sehen sein würde. Er hatte ihnen verraten, dass es sich dabei nicht um eine dieser mittlerweile schon hinreichend bekannten relativ kleinen „Flugscheiben“ handelte, nein, dieses bunt blinkende Ding sei ein erheblich größeres Objekt. Er konnte jedoch nicht sagen, ob es ein Eigenbau war, möglicherweise so vermutete er, sei es tatsächlich das Schiff von außerirdischen Besuchern. Das war natürlich absolut spektakulär und Cliff und Jonny hofften damit im Internet für entsprechenden Wirbel zu sorgen. Sie hatten schon viele Aufnahmen ins Netz gestellt und die stetig wachsende Zahl ihrer Klicks zeigte, dass immer mehr Menschen wissen wollten, was auf der berühmten Area 51 vor sich ging. Mittlerweile gab die Regierung ja die Existenz dieser geheimen Basis zu, aber natürlich verrieten sie nicht, was dort erforscht und entwickelt wurde.

Ihr Informant wusste auch nicht wirklich viel, denn auch er durfte sich nur in einem bestimmten Bereich der Basis aufhalten. Aber natürlich drangen immer irgendwelche Gerüchte an sein Ohr und da er diese einfach nicht für sich behalten wollte und konnte, hatten sie das große Glück, dass ihr Informant ausgerechnet sie ausgesucht hatte, um ihnen regelmäßig Tipps für ihre Recherche zu geben. Das alles funktionierte sehr konspirativ, denn ihr Informant musste natürlich sehr vorsichtig sein, wenn er nicht auffliegen wollte. Sie kannten sich auch nicht persönlich, die Kommunikation funktionierte ganz analog per Postkarte. Der Text darauf war oberflächlich betrachtet völlig harmlos, aber wenn man die richtigen Schlüsselwörter kannte, dann verstand man die Botschaft sehr gut. Die entsprechenden Begriffe hatten sie in einem nicht frankierten Umschlag in Cliffs Briefkasten gefunden. Es hatte etwas gedauert, bis sie mit der Dechiffrierung zurecht gekommen waren, aber mittlerweile sprachen sie auch untereinander gerne verschlüsselt. Das machte ziemlichen Spaß, denn so konnten sie sich in aller Öffentlichkeit unterhalten, ohne dass sie von anderen verstanden wurden.

Nun, und heute hofften sie auf den Jackpott, denn, wenn es ihnen gelang dieses neuartige UFO aufzunehmen, dann würde ihr Clip auf You Tube sicher eine große Karriere machen.
Cliff richtete die Kamera auf die im letzten Licht des Tages liegenden Hügel der geheimnisvollen Area. Sie waren vorbereitet, jetzt brauchten sie nur zu warten, dass es los ging.
Jonny schaltete die Kamera ein. Die ersten Sterne wurden sichtbar, in großer Höhe blinkte ein Flugzeug. Sie standen nur wenige Meter von der Straße entfernt und ab und zu fuhr ein Fahrzeug vorüber. Eines hupte sie an und der Fahrer rief ihnen ein „Good Luck!“ zu. Hier wusste jeder worauf sie warteten, denn dass diese Stelle besonders gut geeignet war um die Aktivitäten auf der Area 51 zu beobachten, dass war mittlerweile kein Geheimnis mehr. Manchmal waren es bis zu 30 oder auch 40 Personen, die ihre Kameras in Richtung der Hügelkette postierten, deren Aufnahmen dann wenig später weltweit im Internet zu sehen waren. Heute aber waren Cliff und Jonny die einzigen Beobachter.

Cliff zündete sich eine Zigarette an und Jonny holte zwei Dosen Bier aus dem Wagen. Sie hörten ein Fahrzeug näher kommen. Es wurde langsamer und blieb dann etwa 50 Meter entfernt stehen. Es schaltete den Motor aus und sein Standlicht ein.
„Das sind garantiert die Scheißtypen von der Security,“ flüsterte Jonny
„Die können uns gar nichts, wir stehen auf öffentlichem Boden,“ beruhigte ihn Cliff.
„Die Typen sind nicht immer so friedlich,“meinte Jonny mit einem besorgten Blick in Richtung des Wagens.
„Solange wir hier stehen bleiben, passiert gar nichts. Am besten wir konzentrieren uns auf unsere Arbeit. Die werden schon wieder verschwinden,“ beruhigte Cliff seinen Freund. Und tatsächlich, der Wagen fuhr wieder an und zog langsam an ihnen vorbei.
„Siehst Du, die können uns nichts. Hier rauche Dir eine und entspann Dich.“
Jonny nahm die dargebotene Schachtel entgegen und zündete sich eine Zigarette an. Er beruhigte sich und schaute auf das Display der Kamera. „Wir sollten uns vielleicht eine Nachtsichtkamera zulegen …“
„Zu teuer und außerdem erkennst Du dann die Farben nicht.“
„Hoffentlich geht’s bald los da drüben.“
„Was bist Du so ungeduldig heute, hast Du etwa noch etwas vor?“
„Nein, natürlich nicht.“
Wieder kam ein Auto vorbei, es fuhr in Richtung des kleinen, nahe gelegenen Städtchen. Dahin würden sie nach erfolgreicher Tat ebenfalls fahren. Es gab dort einen Imbiss, der fast die ganze Nacht geöffnet hatte. Dort erfuhr man immer auch jede Menge Neuigkeiten über das Treiben hinter den Hügeln. Es gab hier weit und breit niemanden mehr, der von der Existenz der UFOs nicht überzeugt war, zu oft waren nicht nur die hüpfenden Lichter über den Hügeln zu sehen. Nicht selten konnten die Bewohner bei einem Blick in den Himmel diese leuchtenden Flugobjekte vorbeihuschen sehen, und dass sie alle irdischen Ursprungs waren glaubten die Wenigsten. Sie waren davon überzeugt, dass die amerikanische Regierung schon seit Jahrzehnten Kontakt zu Außerirdischen pflegte, und dass diese hier regelmäßig landeten.

„Da, Cliff schau, da ist ein Licht.“
„Ja, ich sehe es auch, die Tests scheinen los zu gehen. Ich denke, wir haben Glück heute.“
Am Horizont zeigte sich ein weiteres Licht. Es ähnelte einem großen Stern, nur das ein Stern nicht so herum wackelte. Noch ein Licht tauchte auf. Es stieg in die Höhe und sank wieder herab. Solche Dinge hatten sie und andere schon oft gesehen. Cliff griff sich eine neue Zigarette, er war jetzt doch auch etwas aufgeregt. Er versuchte sich vorzustellen, was jetzt hinter den Hügeln auf dem Boden geschah. Wie gerne würde er mal einen Blick in das große Tal der Area 51 werfen um die Flugobjekte aus nächster Nähe sehen zu können. In seiner Fantasie sah er auf einem riesigen, hell erleuchteten Platz vor großen, in den Berg gebauten Hangars verschiedene, im Scheinwerferlicht glänzende UFOs stehen. Er sah die Ingenieure und Piloten konzentriert ihrer Arbeit nachgehen um ihre Tests durchzuführen. Wie gerne würde er der Erste sein, der eine solche Aufnahme ins Netz stellen konnte. Doch das war tatsächlich unmöglich, denn diese Area war extrem abgesichert. Überall waren Wärmebild-Kameras und Bewegungsmelder versteckt und wahrscheinlich waren auch Tretminen verbuddelt. Zudem war der Sicherheitsdienst absolut auf Zack, es brauchte sich jemand nur dem ersten Zaun zu nähern, dann kamen sie auch schon angerast und zogen ihre Maschinengewehre. Mit den Typen war überhaupt nicht zu spaßen.
Er beobachtete den Himmel, immer mehr Sterne waren zu sehen. Ein Licht bewegte sich, es war ein Flugzeug in großer Höhe.
Jonny zoomte auf eines der hüpfenden Lichter über den Hügeln, das würde ein gutes Bild geben. Allerdings hatten sie schon viele solcher Aufnahmen.
Sie hörten wieder ein Auto kommen und es verlangsamte seine Fahrt, als es an ihnen vorbei fuhr. Es waren wieder die Typen von der Sicherheit. Sie blieben etwas entfernt stehen, doch dann fuhren sie zum Glück weiter. Jonny fühlte sich in ihrer Nähe immer unwohl, denn er kannte genügend Berichte über unangenehme Begegnungen mit ihnen und dabei ging auch schon mal eine Kamera zu Bruch. Er und Cliff hatten sich die hohen Kosten ihrer Nikon geteilt. Sie konnten sich ihren Verlust nicht leisten, denn ihre Kamera gehörte zum Besten, was es auf dem Markt zur Zeit zu kaufen gab. Sie hatten alle ihre Ersparnisse dafür zusammenraffen müssen.

Langsam wurde es frisch und ein leichter Wind kam auf. Die Nächte konnten hier sehr kalt werden und Jonny wollte sich seine Jacke aus dem Wagen holen. Cliff übernahm die Kamera und gerade als Jonny sich umdrehen wollte, da tauchte hinter den Hügeln ein helles Licht auf. Er schaute wie gebannt und sein Herz klopfte. Das war das Objekt, und wie beim letzten Mal konnte man verschiedenfarbige Lichter blinken sehen. Das Objekt schwebte einige Sekunden über den Hügeln, dann schoss es in die Höhe und plötzlich war es nicht mehr zu sehen. Hatte es sich etwa gerade unsichtbar gemacht?
„Hast Du es drauf,“ fragte Jonny.
„Ich habe sogar einen guten Zoom hin bekommen, denke ich. Doch dann war es plötzlich weg.“
„Vielleicht taucht es ja noch mal auf.“
„Oder es ist schon über alle Berge,“ sagte Cliff. „Lass uns mal sehen was die Kamera aufgenommen hat.“
Sie schauten sich die Sequenz auf dem Display an. „Nicht schlecht, das wird ein super Video,“ meinte Jonny.
„Schauen wir, was wir am Rechner daraus noch machen können,“ sagte Cliff.
„Vielleicht taucht das Ding ja noch mal auf,“ meinte Jonny optimistisch.
„Ich weiß nicht, ich habe den Verdacht, das UFO ist auf und davon. Ich glaube nicht, dass dies ein einfacher Test war, das war ein echtes Raumschiff, es sah ganz anders aus als die üblichen Dinger.“

Natürlich packten sie jetzt nicht zusammen, im Gegenteil, sie blieben noch bis weit nach Mitternacht auf ihrem Posten, doch das bunte Ding tauchte tatsächlich nicht mehr auf.
Danach fuhren sie in den Imbiss und fragten einige Gäste, ob sie auch schon mal dieses außergewöhnliche, bunt blinkende Flugobjekt gesehen hatten und ja, auch einem anderen war dieses Objekt schon aufgefallen. Auch er glaubte an einen außerirdischen Ursprung, aber Aufnahmen gab es bisher noch nicht davon. Das freute Cliff und Jonny, denn damit standen ihre Chancen gut, dass sie mit der heutigen Aufnahme, war sie erst einmal im Netz, viele neue Fans gewinnen würden. Vielleicht gingen dann ja auch endlich mal ein paar Spenden für eine weitere, tiefer gehende Recherchen ein. Insofern betrachteten sie diesen Tag als Erfolg und als sie kurz vor Sonnenaufgang wieder auf der Straße waren um nach Hause zu fahren, da waren sie zwar ziemlich müde, aber auch sehr zufrieden.

Arsamas

Drei Tage später traf Michail Seranow in der Kantine auf seinen Kollegen Wladimir Buchow und der winkte ihn herbei und forderte Michail auf, sich doch zum Essen zu ihm zu setzen.
„Na, Micha, lange nicht gesehen, ich hoffe es geht Dir gut.“
„Danke, ich kann mich nicht beschweren, die Arbeit geht voran.“
„So wie ich das sehe, sind die Amis auch nicht am Schlafen.“
„Wieso, gibt es etwas Neues?“
„Ich habe im Internet eine leider nur sehr kurze Aufnahme entdeckt, die Dich interessieren könnte. Komm doch gleich mal mit hoch.“
„Wieder irgendwelche undefinierbaren Lichtobjekte über der Area?“
„Diesmal wirst Du vielleicht mehr darin erkennen können. Die Lichter des Objektes sind mehrfarbig und so wie ich das sehe, ähnelt das Objekt Deinem Liebling.“
„Du meinst, die Amis haben ihr Geschenk zum Fliegen bekommen?“
„Ich weiß es nicht, schau es Dir aber besser mal an.“
„Das wäre natürlich ein Hammer!“
„Vielleicht haben sie auch Besuch bekommen.“
„Beides wäre ein Problem. Gut, ich komme mit und werfe einen Blick drauf. Wer hat die Aufnahme denn gemacht?“
„Zwei junge Kerle. Sie versuchen sich in eigener Recherche. Sammeln jetzt Spenden dafür und schon nach wenigen Stunden haben sie über 5000 Klicks bekommen.“
„Ist die Aufnahme denn so gut?“
„Sie ist zwar nur sehr kurz, aber dennoch für die UFO-Gemeinde spektakulär. Dieses Objekt wirft nun mal Fragen auf. Bin gespannt, wie sich die Amerikaner da heraus reden werden.“
„Ach, die ignorieren die Sache bestimmt wie immer.“
„Kann sein, aber ich könnte mir vorstellen, dass dies schwierig werden werden könnte.“
„Na komm, es werden auf den Aufnahmen kaum winkende Aliens zu sehen sein.“
„Das natürlich nicht, aber in der UFO-Gemeine hält man es überwiegend für einen klaren Beweis eines außerirdischen Kontakts. So ein Ding trauen sie ihren eigenen Leuten einfach nicht zu. Das Objekt ist nun mal erheblich größer als üblich und es wurde zudem auch noch unsichtbar.“

Michail legte sein Besteck auf den leeren Teller. „Gut, dann lass uns mal schauen, was diese UFO-Jäger da eingefangen haben. Ich bin wirklich froh, dass wir hier im tiefsten Sibirien versteckt sind und unser Testgelände nicht an einer öffentlichen Straße liegt.“
„Mir kommt die Lage der Area 51 sehr zu Pass, denn so brauche ich niemanden dort hin zu schicken um nachzusehen, was da abgeht. Mir genügt das Internet, irgendwer steht immer dort herum und filmt. Und weil sie mit ihren Bildern berühmt werden wollen, haben selbst wir hier im tiefsten Sibirien etwas davon.“
„Ich frage mich, warum suchen sich die Amerikaner keinen einsameren Ort?“
„Wo sollen sie denn hin? Das Land ist einfach zu dicht besiedelt. Und dann auch noch die hohen Kosten. Was glaubst Du wie viel Dollars die dort in den Sand gebuddelt haben. So gut geht es den Amis auch nicht mehr, die Kriege haben sie finanziell ausgeblutet.“

Sie kamen zu Wladimirs Arbeitsplatz. Er befand sich in einem großen Raum, voll gestellt mit Tischen und Bildschirmen. Es war relativ dunkel darin, nur die Bildschirme und einige wenige Lampen gaben etwas Licht. Wladimir setzte sich und bot auch Michail einen Stuhl an. Er tippte etwas in seinen Rechner, dann lehnte er sich zurück und sagte: „Hier … schau es Dir an!“ Michail staunte nicht schlecht. Dies war wirklich eine außergewöhnliche, fast Hollywood reife Aufnahme. Es war klar, dieses Video musste bei den UFO-Interessierten zu großer Aufregung führen. Man konnte die Form des Objektes recht gut erkennen. Es war natürlich kein Flugzeug, es ähnelte vielmehr einem fliegenden Football mit umgebender, bunt blinkender Lichterklette. Und das Objekt war ziemlich groß, und ja, es sah seinem Liebling tatsächlich ähnlich. Nur, dieses Ding hier war eindeutig größer. Michail glaubte nicht, dass es sich dabei um den Bausatz handelte. Warum, sollten die Amerikaner ein größeres Geschenk bekommen haben als sie? Und er bezweifelte auch, dass sie es schneller zum Fliegen bringen konnten als er. Er wollte es einfach nicht glauben. Bei diesem Objekt musste es sich um Besucher handeln. Alles andere wäre erschreckend, denn das Ding wurde unsichtbar, doch diese Funktion bekamen sie bei ihrem Objekt noch nicht hin. Und das hieß, die Amerikaner könnten damit in der Lage sein, in aller Seelenruhe über ihrem Arsamas zu schweben um sich gründlich umschauen. Das wäre wirklich schlimm, es wäre eine nationale Katastrophe. „Also, ich halte es nicht für das Geschenk, es muss sich um Besucher handeln.“
„Gut, ich werde eine Nachricht nach Moskau schicken und Deine Bewertung als Notiz beifügen. Sollen die sich darum kümmern. Wenn die Zeitreisenden wieder da sind, na, dann Prost Mahlzeit. Hoffentlich verursachen sie nicht wieder so ein Chaos wie letztes Mal.“
„Du denkst auch, es waren Zeitreisende,“ fragte Michail.
„Ich habe die Information aus sicherer Quelle,“ antwortete Wladimir.
„Bisher hielt ich es nur für ein Gerücht,“ sagte Michail.
„Nein, es ist kein Gerücht, sie kamen 2005 und blieben gute zwei Jahre. Haben in die Geschichte eingreifen wollen. Doch die Sache ging wohl schief,“ meinte sein Kollege.
„Man kann die Vergangenheit nun mal nicht verändern,“ sagte Michail.
„Das haben sie dann wohl auch gemerkt,“sagte Wladimir.
„Und warum haben sie uns diese Bausätze geschenkt,“ fragte Michail.
„Die waren wohl so etwas wie eine Entschuldigung für den Aufwand und Ärger, den sie verursacht haben,“ wusste Wladimir.
„Was für einen Ärger denn?“
„Keine Ahnung, ich persönlich habe nichts davon mitbekommen.“

Michail verabschiedete sich und verließ den Raum. Er nahm sich vor, mehr über diese verrückten Zeitreisenden heraus zu bekommen. Er hatte bisher immer gedacht, sein Bausatz käme von irgendwelchen Außerirdischen, schließlich gab es zu denen schon seit Jahrzehnten enge Kontakte. Er selbst hatte zwar bisher nur eine Alien persönlich kennen gelernt, aber dass es enge außerirdische Kontakte gab, daran zweifelte in Arsamas niemand, schließlich standen in den Hangars einige von deren Fluggeräten herum. Er hatte selbst schon viel an ihnen herum geschraubt. Und weil er sich dabei als sehr geschickt erwiesen hatte, deshalb hatte man ihm ja dann auch diesen Bausatz anvertraut. Nur, wo der her war, darüber hatte man geschwiegen. Doch trotzdem hatte es natürlich immer schon die wildesten Gerüchte gegeben und eines erzählte eben auch von Menschen aus der Zukunft. Er hatte dies bislang für Quatsch gehalten, aber da hatte er sich wohl geirrt.

Die Katze schnurrt

Dimitri war mit seinem Kätzchen sehr zufrieden. Es schnurrte friedlich in seiner Ecke und beobachtete die Vorgänge aufmerksam. Es war wirklich ein Glück, dass Monalisa zu bequem für eine umfassende Verschlüsselung ihres Laptops war. Ihr Linux verliebter Kumpel hatte ihr allerdings ein verschlüsseltes Chatprogramm aufschwatzen können, doch, was für ein Quatsch, er konnte ihre Kommunikation Dank seines Kätzchens schließlich problemlos mitlesen. Aber der Inhalt war bisher belanglos.
Nur einmal hatte er geschluckt, denn Monalisa fragte ihren Kumpel, er nannte sich Tux, (doch das war sicher nicht sein Taufname), ob es nicht möglich sei, dass ein „KGB-Agent“ ihren Chat einfach über ihren Bildschirm mitlesen könne, wenn der sich einmal in ihrem Rechner versteckt hätte. Ihr Tux hielt dies theoretisch zwar für möglich, doch er meinte, es sei doch sehr unwahrscheinlich, dass sich die Russen für ihr Gequatsche interessiere. Zudem fielen sie auch nicht in das Stichwort-Raster der NSA, schließlich seien sie keine Islamisten. Monalisa meinte daraufhin, dass sie sich da nicht so sicher sei, doch so oder so, es sei ihr völlig egal, sie wolle nur wissen, ob es grundsätzlich möglich sei, dass jemand mit lesen könne oder nicht.

Dimitri fühlte sich irgendwie ertappt. Hatte sie etwa schon bemerkt, dass ihr Rechner wiedereinmal zu einer Wasserstelle geworden war, an der alle möglichen Tiere tranken? Damals hatte sie es auch irgendwann gemerkt, spätestens als ihr jemand ein deutliches Zeichen gegeben hatte. Wer diesen Schritt getan hatte, das hatte sich nicht aufklären lassen, es waren einfach zu viele Beteiligte dazu in der Lage gewesen. Zur Zeit waren es allerdings, soweit er es hatte feststellen können, nur die allgegenwärtige NSA und er selbst, die regelmäßig mitlasen. Aber er wusste, auch der BND und der Vatikan waren kürzlich informiert worden, doch da hielt man sich offensichtlich noch zurück. Damals, kurz vor Weihnachten 2006, waren es allerdings sehr viele gewesen, die sich bei ihr eingeschlichen hatten, denn alle wollten wissen, was sie vor hatte. Es war wirklich nicht einfach gewesen, da noch den Überblick zu behalten.

Damals, nach der Sache mit dem Blitz, war man allseits erleichtert gewesen und nach dem Monalisa in die Geschlossene gesteckt worden und ganz offensichtlich mental vollkommen abgestürzt war, da hatten sich dann auch alle entspannt zurück gelehnt und nicht nur eine Flasche Sekt aufgemacht. Die Meisten hatten sich dann wieder ihren gewohnten Geschäften gewidmet und sich vor ihr und ihrem ungeheuerlichen Bombini sicher gefühlt. Die NSA und auch der KGB-Nachfolger SWR versprachen Wache zu halten und als man sah, dass Monalisa erst mal keine revolutionären Pläne mehr hegte, hatte man es bei einer Routine mäßigen Kontrolle belassen. Auch er hatte irgendwann nur noch hin und wieder vorbei geschaut. Doch seit dem letzten Sommer hatte er zunächst aus ganz persönlichem Interesse die konsequente Beobachtung ihres Rechners wieder aufgenommen. Er hatte Alexander informiert, denn er war sich sicher, seine Monalisa war wieder auf Revolutionskurs. Doch wie, wann und wo sie diesmal zuschlagen wollte, dass war ihm noch nicht klar.

Dimitri überlegte, ob er seinen Kumpel im Kremel nicht auf ihre Kartenlegerei aufmerksam machen sollte. Sicher, Kartenlegen und Wahrsagerei, dass wurde dort nicht besonders ernst genommen, aber so wie er es sah, traf Monalisa mit ihren Karten nicht selten ins Schwarze. Ihre Vorhersagen trafen tatsächlich sogar sehr oft ein und ihre Analysen waren gerade jetzt in diesen unruhigen Zeiten nicht uninteressant. Sie verfolgte die aktuelle politische Lage aufmerksam und war mit ihren Karten offensichtlich in der Lage gegenwärtige Geschehnisse, zukünftige Entwicklungen und Ereignisse überraschend zutreffend vorherzusagen. Sie wusste zum Beispiel schon vor einem Jahr, dass dieser Hoeneß im Gefängnis landen würde. Sie hatte auch das Bundestagswahlergebnis von 2013 erstaunlich genau vorhergesagt und sie hatte gewusst, dass die Suche nach der MH 370 im südlichen, indischen Ozean erfolgreich sein würde. Ihre Karten sahen den Todeswunsch eines von seiner Frau betrogenen und verlassenden Mannes als Ursache für den Absturz der Maschine. Sie hatte auch die Krim-Annexion vorhergesehen, zumindest wusste sie schon zwei Tage früher, dass Putin eine „unangenehme Überraschung“ plante. Er würde morgen mit Alexander darüber sprechen. Jetzt hatte er erst mal Feierabend und fuhr den Rechner herunter, zog sich seine Jacke an und machte das Licht aus. Seine Frau wartete bestimmt schon länger mit dem Essen auf ihn.

Drogen im Vatikan

Seniore Monetti schlug die Zeitung auf und riss erstaunt die Augen auf. „Drogensucht im Vatikan?“wurde dort in großen Lettern gefragt. Das war ja nun wirklich ein starkes Stück! An die Poststelle des Vatikan war ein Päckchen mit flüssigem Kokain, abgefüllt in Kondomen, geschickt worden. Na so etwas! Kokain! Das war ja nun wirklich unerhört! Für wen das Päckchen genau war, das wusste man leider nicht, denn es war nicht abgeholt worden. Die Polizei ging davon aus, dass der eigentliche Empfänger zuvor gewarnt worden war, schrieb die Zeitung. Das Päckchen war am Frankfurter Flughafen aufgefallen und der dortige Zoll hatte natürlich wissen wollen, wer es bestellt hatte. Darum hatte man es im Postamt deponiert und auf den Abholer gewartet. Doch der kam nicht. Monetti musste lachen, diese Naivlinge! Das hätte man sich doch denken können, das der Betreffende gewarnt werden würde. Aber trotzdem, so blöd zu sein, sich das Zeug per Post schicken zu lassen, also wirklich!

Da war Benedikt natürlich viel vorsichtiger. Obwohl im Kräutergarten des Vatikan auch einige Cannabispflanzen wuchsen, würde Benedikt niemals dort nach ein paar Blüten fragen. Cannabis war eine Jahrtausende alte Arzneipflanze und natürlich kannte man dieses wunderbare Heilkraut in den Klöstern schon lange. Man wusste daraus wirklich ganz ausgezeichnete Medikamente herzustellen. Cannabis half gegen viele leichte, aber auch gegen schwere, ja sogar gegen als unheilbar geltende Krankheiten. Und dass es auch high machen konnte, nun, das war natürlich auch immer schon bekannt gewesen. Doch natürlich konnte Benedikt nicht auf diese Quelle zurückgreifen, wenn er sichergehen wollte, dass nicht der halbe Vatikan davon erfuhr. In der Zeitung würde es vielleicht nicht gleich stehen, aber natürlich, man konnte es nicht wissen, irgend wen gab es immer, der einem schaden wollte. Und Benedikt hatte nun mal nicht nur Freunde hinter diesen Mauern, das war klar.

Monetti aber pflegte viele, interessante und sehr verschwiegene Kontakte und so war es für ihn kein Problem, diese Droge zu besorgen. Wenn er gewollt hätte, er hätte einen ganzen Koffer voll bekommen können. Doch eine kleine Dose bester Blüten, so entschied er, würde Benedikt sicherlich erst mal reichen.

Der Jacobsweg

Dimitri las mit großem Erstaunen Monalisas Mail an ihren Kumpel Tux. Madame wollte offensichtlich eine große Reise tun. Sie hatte Lust auf den Jacobsweg. Na so etwas! Was wollte sie denn da? In der Mail fragte sie ihren Tux, ob er nicht mit ihr mitkommen wolle. Sie wollte aus der Reise ein Filmprojekt machen. Das klang interessant. Er kannte ihre Video-Tagebuch-Dokumentationen, davon hatte sie einige auf ihrem Rechner. Doch diesmal wollte sie die Sache direkt über einen Blog ins Internet stellen und Tux sollte ihr dabei helfen. Na, ob der wohl zusagen würde?
Dimitri hatte mittlerweile einige Informationen über diesen Tux eingeholt. Er lebte wie Monalisa auch schon seit Jahren von Hartz IV und wie sie, machte er keine großen Anstalten daran etwas zu ändern. Seine Hobbys waren die Fotografie und die Kletterei. Er joggte regelmäßig und lief auch Marathon. Er lebte vegan und interessierte sich außerdem leidenschaftlich für das Linux-Betriebssystem. Er war seit einem guten Jahr ein etwas unglücklicher Single und von da her immer auf Brautschau, auch über das Internet. Doch die Frauen waren nicht besonders begeistert, ein Mann ohne Job, Auto und vollem Portemonnai stieß in der anspruchsvollen Damenwelt nun mal auf nur sehr geringes Interesse.
Tuxsah nicht unansehnlich aus mit seinen langen Haaren, doch Frauen schauten zu seinem Frust nicht nur auf das Körperliche. Sie suchten auch heute, im 21. Jahrhundert, immer noch nach einem guten Versorger.

Davon konnte er selbst auch ein Lied singen. Gerade die russischen Frauen legten Wert auf solvente Männer. Sie mussten schon in der Lage sein, ihnen ein sicheres und komfortables Leben zu bieten. Nicht umsonst suchten viele Russinnen deutsche Ehemänner. Von denen versprachen sie sich ein Leben in Wohlstand.
Seine Frau liebte es zu seinem Leidwesen auch sehr shoppen zu gehen. Und natürlich musste jedes neue Kleid in ein angesagtes Restaurant getragen werden. In Russland bestand nach den langen Jahren des Sovjet-Kommunismus bei vielen ein großes Nachholbedürfnis nach westlichem Luxus. Auch wollte man endlich in die großen Metropolen reisen. Paris, London, New York, Kitzbühl und Baden-Baden standen ganz oben auf der Wunschliste. Auch er hatte mit seiner Frau solche Reisen gemacht. Letztes Jahr war mit ihr in Berlin und London gewesen. Das war für ihn finanziell durchaus eine Herausforderung, denn auch wenn er beim SWR überdurchschnittlich gut verdiente, wenn seine Frau nicht auch einen gut bezahlten Job hätte, er würde sich solche Reisen nicht leisten können.
Monalisa schrieb in ihrer Mail, dass man für den Jacobsweg 50-100 Euro pro Woche benötigen würde. Mit den Kosten für die Wanderausrüstung und die Anreise käme man am Ende auf einen Tausender für die 5-6 Wochen. Das war wirklich nicht viel, für eine Reise mit seiner Frau benötigte er mehr als 1000 Euro für eine einzige Woche.

Dimitri schaute sich im Internet einige Seiten mit Informationen über den Jacobsweg an und er bekam Lust, dort ebenfalls auf Wanderschaft zu gehen. Seiner Frau brauchte er damit allerdings nicht zu kommen. Für sie waren Vierbettzimmer in einfachen Herbergen ein NoGo. Aber Dimitri hatte in seiner Jugend oft und gerne große Wanderungen gemacht und Spanien im Frühsommer, das war wirklich eine Verführung. Er könnte diese Reise vielleicht als Dienstreise anmelden, überlegte er. Wenn Monalisa wirklich mit diesem Tux den Jacobsweg machen sollte, dann war es sicher gar keine schlechte Idee auch da zu sein. Viele Pilger taten sich zu Wandergemeinschaften zusammen, man traf sich immer wieder, kochte in den Herbergen zusammen, man saß abends gemütlich beieinander und kam daher schnell auch tiefer gehend ins Gespräch. Und nun ja, er musste zugeben, er würde Monalisa liebend gerne einmal persönlich gegenüber stehen. Er lehnte sich zurück und träumte. Er sah sich neben ihr durch die Klaschmohnfelder spazieren gehen, er würde ein paar wunderschöne Fotos von ihr machen, er würde mit ihr über so Vieles reden wollen. Ja, diese Reise könnte wirklich sehr interessant werden.
Hoffentlich sagte dieser Tux Ja zu dem Projekt, dann würde er sofort mit Alexander reden und seine Frau, nun, der würde er zum Trost eine Woche in einem Wellnesshotel spendieren. Ach ja, das waren doch wirklich großartige Aussichten!
Er schaltete die Kamera von Monalisas Laptop ein. Sie saß wiedermal in ihrem Garten in der Sonne und tippte in ihren Laptop. Wahrscheinlich ging es ihr wie ihm, und auch sie hoffte inständig, dass ihr Tux Lust auf den Jacobsweg hatte.

NSA

Er betrat das Vorzimmer wie immer pünktlich um Acht. Seine Sekretärin begrüßte ihn mit einem „Good morning, General Redding.“ und er antwortete wie immer: „Good mornig, Sandy.“ Sie lächelten sich höflich an und dann ging er in sein schönes, großes Büro und sie machte ihm seinen Kaffee fertig. Er mochte ihn süß. Aber das war auch schon alles, was süß an ihm war. Sie war zwar schon ein halbes Jahr seine Sekretärin, aber richtig warm wurden sie irgendwie nicht miteinander. Er behandelte sie zwar sehr höflich und vergaß auch nie Bitte zu sagen, wenn er etwas von ihr wollte, aber ein persönliches Wort hatte er noch nie an sie gerichtet.
Er verbrachte den Morgen im Allgemeinen in seinem Büro, dann fanden oft irgendwelche Meetings statt, mittags sah sie ihn schon mal in der schönen, neuen Kantine mit dem Einen oder Anderen beim Essen sitzen, dann kam er zurück in sein Büro und arbeitete dort bis 16 Uhr. Was er da machte, das wusste sie nicht. Er hatte nur selten etwas für sie zu schreiben, eigentlich bewachte sie nur sein Telefon. Das klingelte allerdings selten und sie hatte die Anweisung möglichst alle ab zu wimmeln oder zu vertrösten. Es gab nur wenige Anrufer, die sie sofort zu ihm durch stellen durfte.

Sie fühlte sich daher etwas unterfordert um nicht zu sagen überflüssig. General Redding schien sie nicht in seine eigentliche Arbeit mit einbeziehen zu wollen. Ja, auch nach einem halben Jahr konnte sie nicht sagen, woran ihr Chef arbeitete. Dabei hatte sie so sehr gehofft, endlich richtige Geheimdienstarbeit machen zu dürfen. Doch offensichtlich wollte General Redding davon nichts wissen. Sie hatte immer mehr den Eindruck, dass er in ihr nur eine notwendige Begleiterscheinung seiner persönlichen Karriereleiter, aber keine wichtige Mitarbeiterin sah, die man ins Vertrauen zog. Das war ziemlich frustrierend, denn Sandy hatte nicht umsonst den Spitznamen Watson. Diesen Namen hatte ihr ihre beste Freundin gegeben, denn die war davon überzeugt, dass Sandy eine großartige Schnüffelnase war. Doch bei ihrem Chef versagte ihre Spürnase völlig und so würde sie auch heute Abend ihrer neugierigen Freundin wieder nichts Interessantes über ihren Chef und seine geheimnisvolle Arbeit erzählen können.

Und das war auch ganz in General Reddings Sinne. Wenn es allein nach ihm ginge, dann wäre sein Vorzimmer unbesetzt, denn er erledigte seine Arbeit lieber selbst. Das hatte er immer schon so gehalten und daran würden auch die schönen Augen seiner Vorzimmerdame nichts ändern. Er vertraute grundsätzlich niemanden, auch nicht hier im Hause. Es war zwar so, dass jeder Mitarbeiter der NSA nackig gemacht und auf seine absolute Verschwiegenheit getestet wurde, bevor er hier eine Stelle kam, aber in die Köpfe konnte keiner schauen. Sicherlich, sie machten immer wieder große Fortschritte auch auf diesem Gebiet, aber darauf vertrauen, dass seine hübsche Sekretärin nicht doch etwas ausplauderte, dass konnte er nicht.
Außerdem war seiner Meinung nach so ein Vorzimmer heutzutage gar nicht mehr nötig. Er erledigte alles über seinen Rechner. Damit hatte er Zugriff zu praktisch allen notwendigen Informationen, und irgendwelche Briefe wurden nur noch sehr selten auf einer Schreibmaschine getippt und auf dem Postweg verschickt. Wozu also noch eine Sekretärin? Er war nur froh, dass sein Telefon seltener klingelte, so hatte er mehr Zeit für seine Arbeit. Und jetzt, wo die Besucher wieder aufgetaucht waren, da hatte er wirklich genug zu tun. Das Projekt Bombini ging offensichtlich in eine zweite Runde und diesmal, so hatte man ihm erklärt, gäbe es kein Zurück. Die Weltrevolution wäre nun mal nicht auf ewig aufzuhalten. Weder könnten sie die Vergangenheit entscheidend verändern, noch wir, so sagten sie, die Zukunft aufhalten.

Das war natürlich eine sehr schlechte Nachricht für sie alle. Oder zumindest für die, die heute noch das Sagen hatten. Natürlich hatte er den Präsidenten darüber unterrichtet, soweit dies notwendig war. Der aber wollte es nicht wahrhaben und hatte ihn damit beauftragt, einen Ausweg zu finden, allerdings ohne Spuren zu hinterlassen. Die Besucher durften nichts davon bemerken, denn ihre Drohung war ihnen allen noch im Gedächtnis. Es war also eine Entscheidung zwischen Pest und Cholera. Oder wie seine Frau immer sagte, man kam schnell vom Regen in die Traufe. Entweder lagen bald kleine Bombinis unter den Weihnachtsbäumen oder die Mächtigen der Welt bekämen alle hochrote Gesichter, wenn sie sich im Fernsehen wiedererkannten. Man hatte ihnen einige der sehr diskreditierenden Aufnahmen gezeigt und danach war klar, diese peinlichen Bilder durften auf keinen Fall öffentlich werden.

Eine Lösung dieser Angelegenheit musste gefunden werden, doch wie sollte er die finden, ohne das diese Übermächtigen davon Kenntnis bekamen. Ihre technischen Möglichkeiten waren der ihren um Jahrzehnte, vielleicht sogar Jahrhunderte überlegen. Seine Ausgangslage war wirklich nicht günstig. Doch das war bei seinen Projekten selten anders. Damals 2006 hatte es auch erst sehr schlecht für sie alle ausgesehen und letztendlich hatte die Katastrophe am Ende doch noch verhindert werden können. Sie hatten zumindest Zeit gewonnen. Aber nun war diese Verschnaufpause offensichtlich vorbei. Dieses Projekt hatte für ihn daher jetzt erste Priorität. Wenn er es recht bedachte, dann war es unumgänglich, dass er sich in dieser Sache mit seinem russischen Kollegen verständigte. Diese Angelegenheit konnten sie nur gemeinsam in den Griff kriegen. Krim-Annexion hin oder her.
Er würde dies jedoch nicht offen tun können, es war unbedingt erforderlich, dass keiner etwas davon mitbekamen. Digitale Wege waren daher ausgeschlossen.
Und darum öffnete er die unterste Schublade seines Schreibtisches und holte eine Postkarte hervor. Sie zeigte eine beeindruckende Ansicht des Grand Canyon. Er schrieb: „Lieber Alexander, ….“

Das Dimensions-Rätsel

Maria Serenow stand mitten in ihrem Labor und fluchte. Es war frustrierend, die Werte wurden einfach nicht besser. Sie begriff offensichtlich irgendetwas überhaupt nicht, denn theoretisch hätte sich wirklich eine Verbesserung zeigen müssen, aber dieser blöde Zweiplattenkondensator wollte sich partout nicht schneller bewegen.
Sie beugte sich über ihre Unterlagen, die auf einem großen Tisch vor ihr lagen. Was machte sie nur falsch? Es war wirklich nicht zu verstehen, was war der Trick? Was wussten diese blöden Außerirdischen, dass sie hier auf der Erde nicht in den Kopf bekamen? Sie würde sich wirklich gerne mal Michails Bausatz ganz genau anschauen, doch leider, sein Projekt war immer noch absolut geheim. Maria fand die auch im allgemeinen übliche Geheimniskrämerei unter Wissenschaftlern richtig Scheiße, es war schlicht bescheuert. Denn, so war sie überzeugt, wenn alle ihr Wissen zusammen werfen würden, dann käme jeder garantiert schneller an sein Ziel. Das es selbst hier in Arsamas nicht möglich war, ihr Wissen zu teilen, das war ihr schon gar nicht einsichtig. Was für einen Sinn machte Arsamas und all die anderen geheimen Forschungsstädte, wenn nicht den, dass man sich untereinander austauschen und voneinander profitieren konnte?

Diese blödsinnige Geheimniskrämerei gab es wie sie wusste nicht nur in Russland, auch auf der berühmten Area 51 sah es nicht besser aus. Jeder erhielt dort immer nur genau so viele Informationen wie es für seine Arbeit nötig war. Und ob die zur Verfügung gestellten Informationen auch der Wahrheit entsprachen, dass konnte keiner wirklich wissen. Wenn man sich zum Beispiel anhörte, was dieser Bob Lazar über seine Arbeit auf der Area 51 erzählte, also wirklich, konnte das denn wahr sein? Klar, auch sie wusste mittlerweile, dass die Menschheit immer schon und gerade auch in den letzten 60 Jahren Kontakt zu Außerirdischen gehabt hatte, aber von Reptiloiden hatte sie noch nie zuvor gehört. So weit sie informiert war, pflegte ihre Regierung freundschaftliche Beziehungen zwar durchaus zu verschiedenen Besuchern, aber intelligente Krokodile waren nicht darunter.

Sie persönlich hatte bisher nur einmal leibhaftige Außerirdische gesehen. Sie waren relativ klein, sehr schlank, hatten aber große Köpfe. Sie waren, in einem dieser typischen Scheiben ähnlichen Fluggeräte hier auf Arsamas 12 gelandet. Sie hatte keinen direkten Kontakt zu ihnen gehabt, sondern die kleine Abordnung zufällig beobachten können. Damals, es war noch ganz zu Beginn ihrer Arbeit hier in Arsamas, war sie noch sehr spät in ihrem Labor gewesen und als sie sich in der Kantine etwas Süßes hatte holen wollen, da war sie einen Gang entlanggegangen, der Fenster hatte, die einen Blick auf das große Rollfeld ermöglichten. Und sie hatte hinaus geschaut und dort ein kleines Raumschiff stehen sehen. Natürlich war sie gleich stehen geblieben und hatte beobachtet, was da vor sich ging, denn Raumschiffe sah auch sie nicht alle Tage. Nun, und so hatte sie diese kleinen, schlanken Besucher einsteigen und wieder weg fliegen sehen. Auf dem Rollfeld blieben nur der Direktor von Arsamas 12 und zwei weitere Personen, die sie nicht kannte, zurück.
Für sie war diese bisher einmalige Begegnung mit Außerirdischen etwas ganz Besonderes gewesen, denn bis zu diesem Zeitpunkt hatte sie an deren tatsächlicher Existenz immer noch gezweifelt. Zwar hatte auch sie damals schon von den UFOs in den Hangars gehört, doch hatte sie immer geglaubt, es seien letztendlich geheime Entwicklungen der Amerikaner, die sie denen erfolgreich abgeluchst hatten.

Ein paar Monate nach dieser Begegnung lernte sie dann Michail kennen und der hatte ihr einiges mehr über diese Außerirdischen erzählt. Diese schlanken, relativ Kleinen kamen demnach öfter vorbei, angeblich waren sie schon vor Jahrmillionen auf der Erde gewesen. Zeit war für sie kein großes Thema, denn wie Einstein ja festgestellt hatte, Zeit war sehr relativ, wenn man sich schnell bewegte. Für die meisten Außerirdischen war die Zeit und damit die Geschwindigkeit letztendlich sogar irrelevant. Sie konnten bei geschickter Nutzung ihrer Technik im Grunde an jedem Ort und zu jeder Zeit erscheinen, denn sie bewegten sich mit ihren Raumschiffen in einer den Menschen noch unbekannten Raumdimension. Diese ermöglichte den Sprung von einem Ende des Universums zum Anderen und eben auch von einer Zeit zur Anderen und Michail meinte, es würde nicht mehr lange dauern und dann würden die Menschen dies auch tun können. Sie hatte ihn gefragt, was dazu noch geschehen müsste, und er sagte: „Wir müssen selbst hinter das Geheimnis kommen, denn, so haben es alle Außerirdischen bestätigt, es ist den Wissenden nicht möglich diese Dimension Unwissenden zu erklären. Aber grundsätzlich wolle man uns gerne helfen und so haben sie uns einige ihrer Flugobjekte da gelassen. Sie meinen, wenn wir diese gründlich studieren, dann kommen wir vielleicht bald schon dahinter.“
„Und darum hat man uns auch diesen Bausatz geschenkt?“
„So ist es wohl. Und ich habe die Ehre ihn zusammen zu bauen.“
„Darf ich mir das Ding mal anschauen,“ hatte sie gefragt, aber Michail schüttelte den Kopf. „Keine Chance, das Projekt ist absolut geheim. Ich dürfte eigentlich gar nicht mit Dir darüber reden.“
Und so arbeitete jeder von ihnen an seiner eigenen, geheimen Aufgabe. Wissenschaftlicher Austausch war die Ausnahme und musste immer genehmigt werden. Maria sah darin die Ursache, wieso sie alle nur so langsam Fortschritte machten. Sie war nun schon seit 7 Jahren mit ihrer Forschungsarbeit beschäftigt und es gab nur wenige, die wussten, was sie da eigentlich die ganze Zeit tat. Sie war wirklich davon überzeugt, dass der mangelnde wissenschaftliche Austausch eine große Dummheit war, vielleicht, so dachte sie, wenn Michail und sie ihr Wissen zusammen täten, dann würden sie die Lösung dieses Dimensions-Rätsels finden und Zeit und Raum würde auch für sie keine Hürde mehr sein.

Der BND zieht um

Thomas betrat sein neues Büro. Endlich konnten sie ihre neue Zentrale mitten in Berlin in Besitz nehmen. Er schaute sich um und war zufrieden. Er und seine Abteilung gehörten zu den Ersten, die hier einziehen durften. Sein Zimmer war größer als das Letzte und der Ausblick aus den drei schmalen Fenstern war mit einem weiten Blick über die Stadt auch schöner. Die Möbel waren neu und offensichtlich hatte der Innenarchitekt auch einen ganz guten Geschmack. Das ganze Gebäude, besser der ganze Komplex war sehr beeindruckend. Er war aber mit über einer Milliarde auch um einiges teurer geworden, als gedacht. Thomas stellte den Karton, in dem er einige persönliche Gegenstände mitgebracht hatte, auf den großen, niegelnagelneuen Schreibtisch. Seine Computer waren zwar schon da, aber nicht in Betrieb, denn die Kabel hingen noch lose herunter.
Die Tür ging auf und sein Kollege Reinhard schaute zu ihm herein: „Na, wie gefällt es Dir hier? Ist doch ganz schön, oder?“
„Ist Dein Zimmer auch so groß,“ fragte Thomas zurück.
„Ja, doch mein Ausblick ist nicht toll wie Deiner. Aber ich habe es nicht weit bis zur Kaffeeküche. Die ist richtig chic. Es gibt dort auch einen schönen Longe-Bereich. Und das Beste, Michaela hat ihr Büro gleich neben meinem.“
„Na, hoffentlich hält Dich dies nicht von der Arbeit ab,“ sagte Thomas und lachte. „Aber gut, dann lass uns zur Feier des Tages erst mal einen Kaffee trinken gehen. Ich richte mich dann später ein, meine Kisten sind wohl noch auf dem Weg.“

Überall auf dem Gang standen die Türen offen, alle waren ziemlich aufgeregt, denn so ein großer Umzug war natürlich immer etwas chaotisch, auch wenn er Generalstab mäßig geplant worden war. In der Kaffeeküche erwarteten sie frisch belegte Brötchen und sogar Kuchen. Der Kaffee war heiß. Sie taten sich jeder ein Brötchen auf einen Teller und gingen mit ihrem Kaffee in die Longe. Hier war es tatsächlich ganz gemütlich. Sie setzten sich auf eines der Sofas, stellten ihren Kaffee auf die überall bereit stehenden Tischchen und bewunderten erst mal die schönen Bilder an den Wänden. Ja, hier konnte man sich wahrlich wohl fühlen. Es gab einige, größere Pflanzen, welche die verschiedenfarbigen Sitzgruppen etwas voneinander abschirmten doch der Ausblick durch die vielen schmalen Fenster war etwas ernüchternd, denn man sah nur auf die strenge Außenfassade eines anderen Teils dieses riesigen Komplexes.
„Der Ausblick hier ist krass, aber dennoch, diese Zentrale ist wirklich kein Vergleich zu unserer alten Hütte, hast Du schon Deine Wohnung fertig?“ fragte Reinhard .
„Alles ist eingerichtet, meine Frau besucht jetzt noch mal für ein paar Tage ihren Eltern im Allgäu, dann kommt sie und wir werden hoffentlich etwas Zeit finden um unser Viertel kennen zu lernen. Aber, wichtiger ist mir eigentlich, dass unsere lieben Freunde hier nicht schon wieder alles verwanzt haben,“ erklärte Thomas mit tiefen Sorgenfalten auf der Stirn.
„Die NSA geht mir auch ohne dies mächtig auf den Zeiger.“
„Ich werde mich in Zukunft noch mehr vorsehen und wieder mehr Postkarten schreiben.“
„Dass die sogar das Kanzlerinnen-Handy angezapft haben, was glaubst Du, was wir zu hören bekämen, wenn wir gleiches bei Obama täten,“ fragte Reinhard mit ziemlichem Ärger in der Stimme.
„Ach, mir war es immer schon klar, die Amis kennen keine Scham. Ich wette, die ersticken schon in dem Berg ihrer gesammelten Daten. Mich würde es nicht wundern, wenn sie auch in unseren Handys stecken.“
„Wir sollten uns bei ihnen genauso gründlich umschauen,“ meinte Reinhard.
„Vergiss es, das gibt nur Theater.“
„Na und? Auge um Auge, Zahn um Zahn …“
„Mach Dir nichts vor, unsere Mittel reichen dafür nicht. Wir sind nun mal ein besetztes Land und unsere tollen Politiker wollen daran auch gar nichts ändern. Die stecken alle tief im amerikanischen Rektum.“
„Hast Du schon mal von dem Königreich NeuDeutschland gehört? Die machen es richtig, sagen einfach, Schluss mit dem BRD-Quatsch, wir machen jetzt unser eigenes Ding. Stell Dir vor, sie haben kürzlich sogar eine eigene Reichsbank gegründet,“ sagte Reinhard.
„Ich weiß, dieser Peter Fitzek ist tatsächlich mit allen Wassern gewaschen. Aber mehr Sorgen als dieser selbsternannte König machen mit die zunehmende Zahl von sogenannten Reichsbürgern. Auch das Innenministerium macht sich immer größere Sorgen. Doch diese Problematik ist hier im Haus noch gar nicht richtig wahrgenommen worden.“
„Wer kümmert sich denn um darum,“ fragte Reinhard.
„Keine Ahnung,“ antwortete Thomas, obwohl er sehr wohl bestens unterrichtet war. Doch noch galt, je weniger darüber Bescheid wussten, desto besser.

Grüße aus Amerika!

Alexander öffnete sein Postfach und entnahm diesem eine ganze Hand voll Postkarten. Nanu, da war ja auch Eine aus Amerika bei! Er ging die Karten schnell durch und steckte sie in seine Jackentasche, nur die aus Amerika, die nahm er zur Seite, las sie kurz durch, zerriss sie und warf die Schnipsel in den nächsten Papierkorb.
Sein Postfach wurde immer wichtiger, seit die NSA überall drin steckte. Aber selbst dieses war vor ihnen offensichtlich nicht mehr sicher, wenn ihm ein NSA-General dahin schrieb. Er würde sich über kurz oder lang etwas Anderes überlegen müssen.
Was Redding wohl von ihm wollte? Sie hatten zuletzt vor 5 Jahren Kontakt gehabt gehabt und eigentlich lag Alexander gar nichts daran, diesen wieder aufzunehmen. Gerade nicht in der momentanen Situation, denn noch war es nicht ausgemacht, dass es nicht zum Krieg kommen würde. Klar, die meisten Menschen wollten ihn nicht, aber wenn er sich das unmögliche Geschrei aus der Ukraine und die üble NATO-Propaganda anhörte, dann war er sich nicht sicher, ob es nicht doch noch mal richtig ernst werden würde. So ein Kriegshund, einmal von der Kette gelassen, der war nun mal nur schwer zu kontrollieren. Damals, in der Bombini-Sache, da hatten sie ja am Ende alle zusammen gearbeitet, denn sie hatten ja auch den gleichen Feind vor sich gehabt, aber jetzt?
Amerika stand schon länger vor der Pleite und einige dort rechneten sich schon aus, was ein Sieg gegen Russland ihnen wohl für Gewinne einbringen würde. Kriege waren zwar immer nur für einige Wenige ein glänzendes Geschäft, aber diese Wenigen hatten großen Einfluss, gerade in den Staaten. Ihre halbe Volkswirtschaft war von der Rüstungsindustrie abhängig. Doch diesmal sollten sich diese Hunde verrechnen, Russland war gut vorbereitet. Ganz so armselig wie noch vor ein paar Jahren sahen ihre Truppen und ihr Gerät nämlich nicht mehr aus. Und die Bevölkerung würde garantiert fest vereint zusammen stehen, da war er sich sicher. Ja, wenn es wirklich zum Äußersten kommen würde, dann würden ihre mutigen Soldaten den feigen Hunden schon das Fürchten lehren. Seiner Meinung nach war Amerikas Armee lange nicht so stark wie alle meinten. Klar, sie waren Meister des Hinterhalts mit ihren Drohnen, aber sobald ein Soldat ernstlich gefährdet war, dann fingen sie an zu jammern. Und kamen dann die ersten Zinksärge nach Hause, dann heulte die halbe Nation. Und dies war seiner Meinung nach auch das Gefährliche an der ganzen Situation, denn man musste damit rechnen, dass sie in einem militärischen Konflikt ziemlich schnell zu ihren Atombomben greifen würden.
Das sollte den Europäern auch noch mal deutlich vor Augen geführt werden, dachte er. Ein Krieg gegen Russland würde sehr schlimme Folgen für sie haben, ganz besonders auch für Deutschland. Dort befanden sich die wichtigsten, amerikanischen Basen und von dort würden die meisten Atombomben kommen. Das machte Deutschland natürlich auch zur ersten Adresse für ihre Raketen. Man konnte wirklich nur hoffen, dass Merkel & Co sich dieser Gefahr bewusst waren, und dass sie dafür sorgten, dass sich das Klima nicht weiter aufheizte. Sicher, die Europäer standen alle unter dem Druck Amerikas, aber jetzt mussten sie wirklich mal zeigen, wessen Interessen sie dienen wollten. Und, wenn sich Frau Merkel die aktuellen Meinungsumfragen in ihrem Land mal genau anschauen würde, dann sollte ihr eigentlich klar sein, was ihr Volk jetzt von ihr verlangte.

Alexander öffnete die Tür zu Dimitris Zimmer. „Hallo mein Freund, Du wolltest mich sprechen?“
„Ach, hat sich leider eben erledigt.“
„Worum ging es denn?“
„Tja, ich hatte gehofft, eine Dienstreise machen zu können, nach Spanien. Aber leider, mein Fräulein hat es sich anders überlegt.“
„Wie kommst Du darauf, dass Du hättest hinfahren dürfen?“
„Das wäre doch die Gelegenheit gewesen! Sie wollte über den Jacobsweg pilgern, da wäre es ein Leichtes gewesen, sich ihr unerkannt zu nähern. Unter den Wanderern bilden sich schnell Freundschaften und wenn man stundenlang miteinander wandert, dann kommt man leicht in auch sehr persönliche Gespräche. Das wäre wirklich eine sehr gute Möglichkeit gewesen, herauszubekommen, was sie vor hat.“
„Unsere Spesenkasse ist wie Du weißt ziemlich leer.“
„Eine Wanderung über den Jacobsweg kann sich jeder leisten,“ meinte Dimitri.
„Nun, aber offensichtlich wird da ja trotzdem nichts daraus.“
„Ihr Osram will sie nicht gehen lassen. Er hat Sorge wegen seines Jobs und er will auch nicht wochenlang alleine auf den alten Hund aufpassen.“
„Na, dann wirst Du halt auch zu Hause bleiben müssen. Und, ich weiß auch nicht, was Deine Frau dazu sagen würde, so eine Wanderung dauert doch mehrere Wochen.“
„Na und? Sie weiß schließlich, wen sie geheiratet hat.“
„Und sie weiß, dass Du es auch schon mal an der nötigen emotionalen Distanz zu Deinen Zielpersonen fehlen lässt.“
„Ja, weil Du Deinen Mund nicht gehalten hast,“ sagte Dimitri leicht verärgert.
„Tut mir ja auch Leid. Ich konnte doch nicht ahnen, dass unsere Frauen sich kennen.“
„Deine Frau hat total übertrieben und meine Frau völlig verunsichert.“
„Ja, wir müssen wirklich vorsichtiger sein, die machen Beide aus einer Mücke einen Elefanten.“
„Ist ja jetzt sowieso egal. Allerdings will sie nun mit Osram wenigstens ein paar Tage nach Holland ans Meer. Vielleicht fahre ich dort mit meiner Süßen hin, dass wird ihr sicher gefallen. Und wenn sie dann Monalisa sieht, dann wird sie ganz entspannt sein, denn Madame hat doch ganz schön zugelegt.“
„Magst Du keine dicken Frauen?“
„Ach, im Grunde schon, aber das wird meine Frau nie nachvollziehen können und darum wird sie sicher nicht mehr eifersüchtig sein.“
„Nun, von mir aus fahre nach Holland, aber das ist dann Dein Privatvergnügen, Spesen gibt es dafür nicht.“

Sandy

Sandy öffnete ihrer Freundin die Tür. „Hallo Patty, ich habe den Kaffee gerade aufgesetzt, schön dass Du so schnell kommen konntest.“
„Ich wollte sowieso vorbei kommen, aber was gibt es denn so Wichtiges?“
„Setze Dich erst mal, hier, ich habe auch noch etwas Kuchen.“
„Oh, ich wollte eigentlich fasten, aber ich sage natürlich nicht nein.“
„Fasten? Warum?“
„Ich war auf der Waage. Ich habe doch tatsächlich etwas zugenommen.“
„Wo denn, am Ohrläppchen?“
„Nein, schau mal hier, ich bekomme einen Bauch.“
„Das ist doch kein Bauch, Patty!“
„In unserem Alter muss man besonders Acht geben, das geht jetzt schneller als man denkt.“
„So ein Quatsch, Du bist völlig in Ordnung so, außerdem, ein bisschen Fett unter der Haut lässt Falten gar nicht erst aufkommen.“
„Du hast ja gut reden, bist immer noch ein Strich in der Landschaft.“
„Das sind meine Gene, meine ganze Familie ist so.“
„Du Glückliche, aber nun mal heraus mit der Sprache, was gibt’s?“
„Mein Chef hat heute einen Anruf bekommen, und weißt Du woher? Aus der Area 51!“
„Die gibt es also tatsächlich?“
„Klar, wer weiß das nicht! Ich habe mal ein bisschen im Internet gegoogelt, ich sage Dir, die haben dort Kontakt zu Außerirdischen!“
„Rede keinen Quatsch, Aliens gibt es doch in Wahrheit gar nicht.“
„Na, dann schau Dir mal ein paar der Videos bei You Tube an!“
„Die sind doch alle gefaked, ich glaube nicht an so einen Scheiß.“
„Das ist kein Scheiß, hier, komm, ich zeige Dir ein Video, das wird Dich umhauen …“

Patty legte ihre Kuchengabel zu Seite und nahm das I-Pad entgegen, welches Sandy ihr reichte. Sie startete das Video und machte große Augen. So etwas hatte sie ja noch nie gesehen. Ihr Freund schaute sich auch öfter mal solche Sachen an, aber sie hatte sich nie dafür begeistern können. Doch dieses leuchtende Etwas war wirklich bemerkenswert.
„Und, was sagst Du, sieht doch wirklich nicht nach einem Flugzeug aus, oder?“
„Könnte aus einem Hollywood-Film sein…“
„Ist es aber nicht, das Video haben zwei junge Typen gemacht, sie schwören, es ist echt.“
„Vielleicht haben sie es sich selbst zusammengebastelt.“
„Das glaube ich nicht, ich denke, das Video ist echt. Und es beweist, die haben da Kontakt zu Außerirdischen. Es gibt auch noch eine ganze Reihe anderer Videos im Netz, ich glaube der Kontakt besteht schon seit Jahrzehnten. Und mein Chef hängt da mit drin, ich rieche es.“
„Und der Anruf kam von da?“
„Ja, ich habe mich mit einer Sekretärin von einem gewissen General Higgens etwas länger unterhalten können, sie ging wohl davon aus, dass ich weiß, für wen ich arbeite. Sie wollte einen Termin für ihren Chef machen.“
„Das ist natürlich sehr interessant, Du musst versuchen heraus zu bekommen, was die auf der Area 51 tatsächlich treiben.“
„Das ist nicht so einfach, General Redding ist total zugeknöpft, er traut mir nicht. Als ich ihm von der Terminanfrage erzählte, da wurde er ganz rot im Gesicht. Er hält mich offensichtlich für einen Spion oder so.“
„Vielleicht weiß er, dass Dein Spitzname Watson ist.“
„Und warum weiß er meine Qualitäten dann nicht zu schätzen? Ich bin doch nicht umsonst zur NSA gegangen, dort kann man schließlich gute Spürnasen gebrauchen!“
„Aber nicht, wenn sie die Nase in den eigenen Laden stecken,“ meinte Patty und lachte. „Mach Dir nichts daraus, Dein General wird schon noch dahinter kommen, wie gut Du bist. Du musst nur etwas Geduld haben.“
„Immerhin weiß ich jetzt, dass er etwas mit der Area 51 zu tun hat. Wer weiß, vielleicht ist er ja schon mal diesen Außerirdischen begegnet.“
„Also, wenn es die wirklich gibt, dann werden davon nur sehr wenige etwas wissen, ansonsten stünde es sicherlich schon in der Zeitung. Hast Du Dich denn schon mal in seinem Büro umgesehen?“
„Nicht möglich, er schließt es immer ab.“
„Was mag er nur zu verbergen haben?“
„Ich weiß es nicht, aber ich bekomme es heraus,“ sagte Sandy und nahm sich noch ein Stück Kuchen.

Benedikts Wundertüte

Seniore Monetti suchte in einer Schublade nach Geschenkpapier. Er gehörte zu denen, die Geschenke immer sehr vorsichtig auspackten, das bunte Papier anschließend glatt strichen und zusammenfalten um es aufzubewahren. Er besaß eine richtige, kleine Sammlung von sehr unterschiedlichem Verpackungsmaterial. Er wählte ein einfaches, goldenes Papier. Er suchte sich dann noch ein weißes Band und damit verwandelte er die kleine Cannabisschachtel in ein schönes Geschenk. Dieses verstaute er dann in seiner Aktentasche.
Es war ein sonniger Frühlingstag gewesen und auch jetzt wo die Sonne untergegangen war, war die Luft immer noch angenehm warm. Ob er ohne Mantel gehen sollte? In der Nacht könnte es recht kühl werden, überlegte er. Sein schwarzer Anzug wärmte nur bedingt. Er ging an den großen Gardeobenschrank und wählte einen leichten Sommermantel, den er über den Arm zu tragen gedachte.

Er nahm die Aktentasche, trat auf die Straße und zog die schwere Haustür hinter sich zu. Sein Haus befand sich auf einer für römische Verhältnisse ungewöhnlich ruhigen Straße, die eigentlich nur eine Gasse war. Er wollte zu Fuß zum Vatikan gehen, denn es war nicht sehr weit bis zum Petersplatz. Die meisten Geschäfte schlossen zu dieser Zeit ihre Türen und die Restaurants füllten sich. Es waren wie immer viele Touristen unterwegs, auch der Petersplatz war noch voller Leben.
Er kam an einer Gruppe junger Menschen mit Rucksäcken vorbei, sie hatten sich mitten auf dem Platz niedergelassen und ein verdächtig, süßlicher Duft ging von ihnen aus. Das war ja ganz schön frech, dachte Monetti, hier direkt vor dem Petersdom herum zu kiffen. Hatten diese Jugendlichen denn keine Angst von der Polizei erwischt zu werden? Andererseits, wenn im Vatikan sogar gekokst wurde, was wollte man da noch gegen das nun wirklich ziemlich harmlose Kiffen vorbringen? Im Gegensatz zum Koks und Heroin, ja sogar im Gegensatz zum Alkohol, war Cannabis ein Heilmittel. Trotzdem war er nicht daran interessiert, dass irgendjemand erfuhr, was er in seinem goldenen Päckchen zu Benedikt brachte.

Natürlich wurde der Eingang in den Vatikan gut bewacht, doch Monetti war dort bestens bekannt und wurde ohne große Überprüfung eingelassen, zumal man dort wusste, dass er von dem emeritierten Papst erwartet wurde.
Und tatsächlich, Benedikt hatte den Tisch für ein kleines Abendessen decken lassen. Er saß auf seiner Terrasse und las in einem Buch, als Monetti zu ihm trat. „Guten Abend, Benedikt.“
„Oh, guten Abend, Stephano, schön, dass Du da bist. Hast Du auch etwas Hunger mitgebracht?“
„Ich habe nicht nur Hunger, ich habe auch ein Geschenk für Dich.“ Monetti holte das goldene Päckchen hervor und zwinkerte leicht mit dem linken Auge.
„Oh, das ist aber sehr nett, soll ich es gleich auspacken?“
Monetti sagte: „Rieche lieber einfach nur daran.“
Benedikt verstand und lächelte: „Na, wenn das so ist, dann essen wir erst mal etwas.“ Monetti half Benedikt aus seinem Sessel und sie betraten das „kleine Häuschen“, in dem Benedikt seinen Lebensabend verbrachte. Von klein konnte jedoch nicht wirklich die Rede sein, ja man durfte schon sagen, es war ein durchaus angemessener Ort für einen, wenn auch zurückgetretenen Stellvertreter Gottes.

Pater Mario, der mit großer Begeisterung für das leibliche Wohl Benedikts zuständig war, kam mit einer großen Platte in den Händen in das sehr schön eingerichtete Esszimmer. Hier empfing Benedikt immer noch regelmäßig die unterschiedlichsten Gäste aus aller Welt. Monetti gehörte jedoch zum engsten Freundeskreis und Pater Mario lächelte ihm freundlich zu. „Guten Abend, Seniore Monetti. Heiligkeit, ich habe eine Platte mit allerlei Köstlichkeiten zusammengestellt, soll ich auflegen, oder möchten Sie sich selbst bedienen?“
„Danke Mario, es sieht wie immer sehr gut aus, aber lass nur, wir kommen allein zurecht, wenn Du willst, dann kannst Du für heute Feierabend machen.“
„Ich habe noch einen kleinen Nachtisch vorbereitet.“
„Den serviere uns dann gleich auf der Terrasse, aber danach kannst Du Dich gerne zurück ziehen.“
Mario deutete eine Verbeugung an und verließ den Raum um in der Küche Ordnung zu schaffen. Wenn Benedikt viele Gäste hatte, dann halfen ihm oft noch zwei Schwestern, aber an so einem ruhigen Tag wie heute kam er gut allein Zurecht. Es gab schließlich auch noch den persönlichen Sekretär und eine Schwester, die sich um den Haushalt kümmerte. Als Benedikt noch amtierender Papst war, da waren es immer sehr viele Menschen gewesen, die tagtäglich im päpstlichen Palast gearbeitet hatten. Doch hier im „kleinen Haus“ hatte Benedikt die Zahl seiner Bediensteten radikal zusammengestrichen und heute hatte er allen einen frühen Feierabend geschenkt. Auch Mario freute sich jetzt schon auf einen gemütlichen Abend. Er las gerade den Schwarm von Schätzing und damit gedachte er möglichst schnell in seinem Bett zu verschwinden.

Seniore Monetti und Benedikt genossen das Mahl und unterhielten sich dabei über Papst Franziskus und seine unglaublich gute Presse. Die Zeitungen überschlugen sich fast vor Begeisterung über diesen wahrlich außergewöhnlichen, neuen Papst, der bald sein erstes Jahr vollenden würde. In diesem Jahr hatte Franziskus schon mehr in Bewegung gesetzt, als selbst seine größten Unterstützer es für möglich gehalten hatten. Und Benedikt gehörte durchaus auch zu denen, die große Hoffnungen in seinen Nachfolger gesetzt hatten. Trotzdem hatte Benedikt nicht geglaubt, dass Franziskus so erfolgreich sein würde. Gerade sein konsequentes Durchgreifen bezüglich der mafiösen Vatikanbank nötigte Benedikt großen Respekt ab, denn Franziskus bewies in diesem Punkt wahrlich großen Mut. Und nicht nur Benedikt war sich darüber im Klaren, dass Franziskus sich damit mächtige und skrupellose Feinde machte und sein Leben bedroht war. Doch seine ungewöhnliche Lebensart machte es irgendwelchen Mördern schwer, ihn zu fassen. Papst Franzikus machte sein Bett selbst und fegte sein Zimmer täglich eigenhändig, bevor er es verließ, er aß in der Kantine inmitten der Vatikanangestellten sein Frühstück und dabei saß er nie an der gleichen Stelle.
Sein Tagesablauf war kaum vorherzusehen, denn Franziskus reagierte sehr spontan auf die Herausforderungen des Tages. Er war zudem körperlich immer noch fit und benötigte keine Medikamente, die man vielleicht hätte gegen ein Gift austauschen können. Papst Franziskus ließ sich kaum kontrollieren, denn er war unberechenbar, was für seine Feinde sicher ein Problem darstellte. Das war bei Benedikt und all seinen Vorgängern anders gewesen.
Diese Unberechenbarkeit, das sah auch Monetti so, war Franziskus größter Schutz. Einzig seine große, ja sorglose Nähe zu den Menschen, die zum Beispiel während seiner öffentlichen Auftritte auf dem Petersplatz auf ihn warteten, gaben einem Mörder vielleicht eine Chance. Doch es war nie sicher, wem sich Franziskus dort zuwendete.

Franziskus große Beliebtheit war beneidenswert, dachte Benedikt, er selbst hatte mit seiner zurückhaltenden, intellektuellen Art nie eine derartige Begeisterung entfachen können, auch wenn bei seinen großen Auftritten immer laute „Benedikt, Benedikt“-Rufe zu hören gewesen waren. Doch diese Rufe galten seinem herausragenden Amt und nicht unbedingt seiner Person. Nicht zum ersten Mal fragte er sich, welches Bild von ihm in einigen Jahren gezeichnet werden würde. Wie würde man sich an ihn erinnern? Würde man sich überhaupt an ihn erinnern? Sicher, in einigen kirchlichen Gelehrtenkreisen würde man seine Schriften studieren, sein Jesus-Buch würde dort sicher diskutiert, aber die einfachen Gläubigen, was würden sie von ihm noch wissen, wissen wollen? Sie interessierten sich ja schon heute nicht mehr für ihn. Sie jubelten stattdessen über den neuen Papst und wenn der so weitermachte, dann würde er als ein sehr vorbildlicher Stellvertreter Gottes in die Geschichte eingehen. Einer der Bescheidenheit und Barmherzigkeit nicht nur predigte, sondern tatsächlich lebte.
Seniore Monetti und Benedikt waren sich in der Beurteilung von Franziskus einig, dieser Papst würde noch Vieles erreichen können und wenn Gott weiter so an seiner Seite stand, dann würde dieser Mann nicht nur die Kirche reformieren. Man musste sich nur an den Besuch von Obama in der letzten Woche erinnern. Franziskus hat in seinem Gespräch mit dem amerikanischen Präsidenten klar gemacht, was er von der Politik erwartet. Sie hatten auch über die Ukraine gesprochen und Franziskus hat sehr eindringlich eine friedliche Lösung angemahnt. Obama hatte dabei neben Papst wie ein Schuljunge gewirkt, meinte Monetti und Benedikt stimmte ihm zu.

Sie legten das Besteck zusammen und Benedikt sagte: „Komm, es ist bestimmt noch schön draußen, lass uns dort noch ein Weilchen sitzen.“ Sie erhoben sich und Pater Mario kam herein um abzuräumen. Er hatte den Gasstrahler auf der Terrasse angemacht und den Tisch für den Nachtisch gedeckt.
„Was erwartete uns denn hier noch Gutes,“ freute sich Benedikt.
„Ihren Lieblingsnachtisch, meine Heiligkeit, Tiramisu. Es ist ganz frisch.“
„Oh, das ist wunderbar, sehr schön, aber im Moment bin ich leider viel zu satt. Stell ihn auf den Tisch, ich probiere ihn etwas später. Und dann, viel Spaß bei Deinem Schätzing.“
„Danke, Heiligkeit, wenn Sie mich brauchen, ich bin bestimmt noch etwas länger auf.“
„Gute Nacht, Mario, ich denke, wir kommen gut allein zurecht.“
Und als er endlich gegangen war, sagte Benedikt: „So, und jetzt will ich endlich Dein Geschenk aufmachen.“

Benedikt gehörte nicht zu den Geschenkpapiersammlern und Monetti zuckte etwas zusammen, als er sah, wie das Papier zerknüddelt wurde. Benedikt stellte die Dose vor sich auf den Tisch und hob den Deckel an. Der Duft der Cannabisblüten war betörend. „Na endlich, was für ein Anblick!“
„Darf ich Dich fragen, wann hast Du denn so etwas schon mal gesehen?“
„Oh, das ist wahrlich sehr lange her. Ich war jung, ich lebte noch zu Hause mit meinem Bruder und der kam eines Tages mit einem kleinen Beutel voll Hanf. Damals war es noch nichts Verbotenes und wir haben uns damit in den Wald verdrückt und das Zeug geraucht. Die Wirkung hat uns ziemlich umgehauen muss ich sagen, wir waren total high. Wir haben uns ins Gras gelegt und uns schlapp gelacht. Es war wirklich toll. Und als ich ihn das letzte Mal besucht habe, da haben wir uns daran mit Freuden erinnert. Ja, und weil ich gelesen habe, dass Cannabis gut gegen Schmerzen und Schlaflosigkeit hilft, deshalb habe ich mir gedacht, frage doch Monetti, ob er nicht etwas besorgen kann.“
„Das war kein großes Problem, ich hätte Berge davon haben können.“
„Na, ich will mich ja nicht den ganzen Tag zudröhnen, wie man heute so sagt, ich wollte nur mal ausprobieren, ob ich davon besser einschlafen kann.“
„Willst Du es rauchen? Du bist doch eigentlich kein großer Freund des Tabak.“
„Wie soll ich das Zeug denn sonst zu mir nehmen?“
„Du könntest Dir Kekse davon backen lassen.“
„Na, das kommt wohl nicht in Frage, was meinst Du, was Pater Mario dazu sagen würde, wenn ich ihn auffordere Haschischkekse zu backen.“
„Ich könnte es für Dich tun.“
„Ja, das wäre natürlich toll, aber ich habe mir ehrlich gesagt immer schon gewünscht hier, hinter diesen Mauern, einen Joint zu rauchen.“
„Ich denke, da wirst Du nicht der Einzige sein, aber gut, in der Dose befinden sich auch spezielle Blättchen, soll ich uns eine Wundertüte bauen?“
„Ja, zeige mir wie es geht.“
Und so kam es tatsächlich dazu, dass Seniore Monetti mit dem ehemaligen Papst Benedikt zusammen kiffte. Pater Mario lag derweil im Bett und las in seinem dicken Buch. Er hatte das Fenster auf Kipp gestellt und hörte die Beiden irgendwann laut lachen und freute sich, dass seine Heiligkeit offensichtlich endlich mal wieder richtigen Spaß hatte.

Als Seniore Monetti kurz nach Mitternacht wieder auf dem Weg nach Hause war, da musste er sich doch sehr zusammenreißen um nicht laut los zu prusten. Was für ein verrückter Abend, was für ein total bekiffter Papst. Gut, er war kein Papst mehr, aber immerhin, er war es gewesen. Benedikt hatte zwischenzeitlich gar nicht mehr richtig reden können, und dass was er sagte, das war einfach nur schräg und absolut unglaublich. Seine Heiligkeit hatte ihm von einem gewissen Josef erzählt. Einem, wie er sagte, sehr unheimlichen Josef. Es sei jetzt schon einige Jahre her und er hätte noch nie jemandem von diesem Besucher erzählt, denn er befürchtete für verrückt erklärt zu werden. Doch er, Monetti, würde es vielleicht verstehen und so erklärte Benedikt, der Mann sei ein Unsterblicher gewesen. Und nicht nur das, dieser Joseph habe die Fähigkeit zu jeder Zeit und an jedem Ort zu erscheinen. Keine Tür sei ihm verschlossen und tatsächlich hatte er einfach plötzlich in seinem Schlafzimmer gestanden. Im ersten Moment sei er so erschrocken gewesen, dass er beinahe einen Herzinfarkt bekommen hätte, denn natürlich hatte er gedacht, dieser Mann sei gekommen ihn umzubringen.
Aber nichts dergleichen sei geschehen, im Gegenteil, der Mann, Benedikt schätzte ihn auf Anfang Sechzig, hatte sich höflich als Josef vorgestellt und gesagt, er sei gekommen, um sich mit ihm möglichst vertraulich zu unterhalten. Benedikt hatte sich darauf hin etwas beruhigt und diesem Josef einen Platz auf dem wunderschönen Lehnstuhl angeboten, der damals in seinem Zimmer gestanden habe. Er selbst hätte sich auf sein Bett gesetzt. Ja und was Benedikt dann zu hören bekam, das war noch viel unglaublicher, als einem Unsterblichen zu begegnen.
Dieser Josef erklärte ihm, so erzählte Bebedikt, er sei der Kommandant eines Raumschiffes, dass aus der Zukunft gekommen sei um hier auf der Erde eine Katastrophe zu verhindern, denn auch sie würden heute noch unter deren Folgen leiden. Es ginge also nicht nur um das Wohlergehen der Menschheit heute, sondern auch um das der zukünftigen Welt.

Monetti hatte sich in den Arm gekniffen, denn er wollte prüfen, ob er nicht träumte. Aber er schlief nicht, er saß einfach nur ziemlich bekifft auf Benedikts Terrasse, was ihm allein schon ziemlich unglaublich vor kam. Aber die Geschichte ging noch weiter. Dieser Josef erklärte, dass die Zukunft in den Händen einer einzigen Frau läge. Ihr Name sei Monalisa.
Und da hatte Benedikt begriffen, um was es ging, denn von dieser Monalisa hatte er schon öfter gehört. Josef erklärte ihm nun, dass das Wohl der ganzen Menschheit von ihr abhängen würde, ja, wenn sie ihren Auftrag nicht erfüllen würde, dann ginge die Erde einem sehr schlimmen Ende entgegen. Es sei also absolut entscheidend, dass Monalisa erfolgreich sein würde

Benedikt fragte daraufhin seinen Besucher, was er denn dafür tun könne und als Antwort bekam er: „Nichts, sorge nur dafür, dass Deine Hunde ihre Finger von ihr lassen.“
„Was für Hunde,“ hatte Monetti Benedikt gefragt, doch der zuckte mit den Schultern. „Ich weiß es nicht. Ich weiß nicht, welche Hunde er gemeint hat, ich habe so viele, doch die machen schon lange nicht mehr was ich will.“
„Wer ist denn diese Monalisa?“
„Sie ist eine arbeitslose Objekt-Designerin, sie lebt in Deutschland von der Sozialhilfe..“
„Und so eine Looserin soll die Welt retten können?“
„Nun ja, sie hat ihre freie Zeit für Experimente genutzt und ist da wohl auf etwas ganz Entscheidendes gestoßen.“
„Ja und? Das ist doch wunderbar.“
„Ihre Idee würde die Welt aber nicht nur retten, sie würde sie völlig verändern. Nichts was heute wichtig und entscheidend ist würde dann noch bestehen bleiben können. Das konnten wir einfach nicht zulassen.“
„Was soll das heißen? Wer ist Wir?“
„Na alle, die Amerikaner, die Russen, einfach alle.“
„Und was macht diese Frau heute?“
„Sie schreibt Bücher, die sie dann aber letztendlich doch nicht veröffentlicht.“
„Und was ist mit ihrer so weltbewegenden Entdeckung?“
„Ich weiß es nicht, sie scheint sich nur noch wenig dafür zu interessieren.“
„Na, dann habt ihr ja alle erreicht, was ihr wolltet. Und jetzt, wird die Welt nun deswegen untergehen?“
„Wenn man diesem Josef glauben kann, dann steht der Menschheit Übles ins Haus.“
„Ja, und warum geht niemand zu dieser Monalisa hin und spricht mit ihr?“
„Das ist es ja, wir dürfen es nicht. Niemand darf ihr helfen, denn so sagte es dieser Josef, nur wenn sie es ganz alleine schafft, dann wird Gottes Wille sichtbar. Schafft sie es, dann will ER unsere Zukunft, schafft sie es nicht, nun, dann ist unser Untergang beschlossene Sache.“
„Ach Du lieber Gott!“
„Hoffen wir, dass ER wirklich lieb ist. Wir können jedenfalls nur zuschauen und beten.“

Monetti war bei seinem Haus angekommen und öffnete die Tür. Was für eine unglaubliche Geschichte, wenn er Benedikt nicht so gut kennen würde, er würde ihn für verrückt erklären. Aber Benedikt war nicht von Sinnen, er war einfach nur ziemlich bekifft gewesen. Monetti zog die Tür hinter sich zu, er würde morgen, wenn er nüchtern war, über das Gehörte nachdenken, jetzt wollte er einfach nur noch schnell ins Bett.

Fortsetzung in

Teil 2